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Hassberge

Ein Kreuzweg bis zum Käppele?

Ikonenmalerin Irmgard Eichler hat eine Vision: Ein Kreuzweg auf dem Bundeswehrgelände. Als sie sich an die Stationen macht, üben dort noch die Soldaten.



14 Stationen umfasst der Kreuzweg.
14 Stationen umfasst der Kreuzweg.   » zu den Bildern

Ebern - Als Kreuzweg bezeichnet man einen der Via Dolorosa in Jerusalem, dem Leidensweg Jesu Christi, nachgebildeten Wallfahrtsweg, sowie auch eine Andachtsübung der römisch-katholischen Kirche, bei der der Beter den einzelnen Stationen dieses Weges folgt. Dazu hatte Irmgard Eichler aus Ebern eine Vision, die auch in Verbindung mit dem ehemaligen Gelände der Bundeswehr steht.

"Setzen Sie voraus, Sie gehören zu den Lesern, die in der frühen Aufwachphase Dinge träumen, dessen Wahrheitsgehalt mystischen Ursprungs ist, und Sie fragen sich, ist es Traum oder Realität", sagt die 79-jährige Rentnerin Irmgard Eichler. Im Jahr 2000 hörte sie in genau jener Aufwachphase eine laute Stimme. Diese habe gesagt: "Du sollst einen Kreuzweg anfertigen." Diese Worte gingen ihr nicht mehr aus dem Kopf. Man muss wissen, dass Irmgard Eichler eine begnadete Künstlerin auf dem Gebiet der Ikonenmalerei ist und zusammen mit ihrem Mann Werner auch für Naturschutz eintritt. Ihr sei bildlich der Standort für den Kreuzweg gezeigt worden - und zwar der Standortübungsplatz der ehemaligen Kaserne. "Welch ein Unsinn, dachte ich mir, ein Kreuzweg auf einem Truppenübungsplatz", erinnert sich Irmgard Eichler. Da seien ja noch die Soldaten da gewesen, die in diesem Gelände übten. "Mit meinem Mann Werner wanderte ich dann auf dem Übungsgelände, wobei mein Traum allgegenwärtig war, und ich sah ein, dass es unmöglich war, dort einen Kreuzweg zu schaffen", sagt Irmgard Eichler.

Als aber dann am 31. März 2004 die ersten Soldaten und am 30. September desselben Jahres die letzten die Kaserne und die Stadt Ebern verlassen hatten, erwachte in Irmgard Eichler erneut der Wunsch, ihr Vorhaben gleich dem Wachtraum umzusetzen. "Mein Mann und ich haben mit der Planung begonnen in der Hoffnung, dass unsere Idee genehmigt wird", sagt die Künstlerin. Als sie und ihr Mann Werner allerdings hörten, welche Nutzung der ehemalige Übungsplatz erhalten sollte, seien sie sehr betroffen gewesen: Ein Rota-Park sollte entstehen. Es fand damals sogar ein "Testlauf" an einem Samstag statt und viele kamen. "Staubwolken aus Feinstaub senkten sich über unsere schöne Landschaft und über unsere Stadt die sich östlich des Geländes befindet", erinnern sich die Eichlers: "Um die Mittagszeit rasten die Vehikel durch unsere Stadt, und ob der Rücksichtslosigkeit und des Lärms war allgemeines Entsetzen zu spüren. Sollte das der hochgelobte Synergieeffekt in Zusammenhang mit der Konversion, der Umwandlung von militärisch genutzten in ziviles Gebiet sein?" Sie hätten sich nun selbst gefragt, ob dort dann ein Kreuzweg Sinn mache. "Wir traten einer Interessengemeinschaft bei, um uns gegen diesen Planungsunsinn zu wenden", sagt Werner Eichler.

Ihre eigenen Planungen setzten die Eichlers hingegen fort. Mitten im Gelände stehe ja das Käppele auf Eberns "heiligen Berg", welches als Dank für glückliche Heimkehr aus dem Weltkrieg erbaut wurde. "Es machte nach unserer Auffassung Sinn, dass der Kreuzweg dorthin führen sollte", sagt Werner Eichler. Unabhängig von Planungen der Stadt Ebern habe man angefangen, den Kreuzweg anzufertigen. "Abgelagerte Roteichenbretter wurden gekauft und als Platten verleimt, die Vertiefungen für die eigentliche Malerei ausgefräst und die Leinwand aufgeklebt", schildert Werner Eichler die Vorbereitungen. "Für die eigentliche Malerei brauchte ich über ein Jahr, in der die Stadt ihre Rota-Park Planung fortsetzte", sagt Irmgard Eichler. Gegen diese Planung kam massiver Widerstand vom Bund Naturschutz (BN). Der gegründeten "Interessengemeinschaft Kasernennutzung mit Vernunft" gehörte schließlich auch das Ehepaar Eichler an, das sich auch der Klage des BN anschloss. "Mein Mann schrieb damals an Umweltminister Gabriel einen Hilfebrief", sagt Irmgard Eichler. Der Minister sei dann sogar nach Ebern gekommen und habe den damaligen Bürgermeister Robert Herrmann zur Rede gestellt. Am Ende zerschlugen sich die Pläne und machten Platz für eine naturverträgliche Planung. "Ich hatte mittlerweile meinen Kreuzweg fertig, und da sich der damalige Bürgermeister als guter Christ gab, stellte ich eine schriftliche Eingabe, den Kreuzweg im ehemaligen Übungsplatz aufstellen zu dürfen, und hatte die Hoffnung, dass dies Zustimmung findet", so Irmgard Eichler. Die Antwort sei prompt gekommen: "Auf dieses Gelände kommt keine sakrale Kunst", schrieb das damalige Stadtoberhaupt.

Nun schreibe man das Jahr 2019 und müsse sehen, was die Zukunft bringe - und ob die Idee der Eichlers für den Kreuzweg, bestehend aus vierzehn Gemälden, auf dem Weg zum Käppele umgesetzt werden kann. "Die Bilder würde ich der Stadt Ebern schenken, wenn sie auf dem Weg zum Käppele, über den man sich unterhalten müsste, aufgestellt würden", sagt die Künstlerin. Sie und ihr Mann fragen: "Ist der hier beschriebene Ablauf zur Rettung unserer schönen heimischen Natur auf dem ehemaligen Standortübungsplatz nicht der wahre Kreuzweg?"

Derzeit befindet sich der Kreuzweg als Leihgabe in der Kirche von Unterpreppach.

Autor

Helmut Will
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Veröffentlicht am:
07. 10. 2019
16:44 Uhr

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Helmut Will

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Veröffentlicht am:
07. 10. 2019
16:44 Uhr



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