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Hassberge

Ein zweites Leben

Die Stadt Ebern bekommt in Kürze wieder eine Telefonzelle. Allerdings nicht zum Telefonieren. Als Bücherbox soll sie die Lust am Lesen fördern.



So - oder so ähnlich - könnte eine restaurierte Telefonzelle ihren Platz in Ebern als öffentliches Bücherregal finden. Realschullehrer Frank Ziegler fertigte mehrere Fotomontagen an, und fügte die "Lesebox" an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet ein. Favorit bei einer Umfrage in den sozialen Netzwerken ist bisher die Stelle, an der die letzte Telefonzelle Eberns noch bis 2017 stand: Der Platz vor der Kirche St. Laurentius.	Bildmontagen (2): Frank Ziegler
So - oder so ähnlich - könnte eine restaurierte Telefonzelle ihren Platz in Ebern als öffentliches Bücherregal finden. Realschullehrer Frank Ziegler fertigte mehrere Fotomontagen an, und fügte die "Lesebox" an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet ein. Favorit bei einer Umfrage in den sozialen Netzwerken ist bisher die Stelle, an der die letzte Telefonzelle Eberns noch bis 2017 stand: Der Platz vor der Kirche St. Laurentius. Bildmontagen (2): Frank Ziegler   » zu den Bildern

Ebern - Noch vor gut einer Woche stand die Telefonzelle im Garten einer Familie in Schongau. Das kleine weiße Häuschen mit den vielen Fenstern diente dem Besitzer dort als Gartenlaube. Tonschälchen, Gießkannen und Gartenwerkzeug wurden darin aufbewahrt. Seit Montag liegt sie ausgefegt und auf Paletten aufgebahrt bereit für die Fahrt nach Ebern. "Die ist mir vor knapp vier Wochen über den Weg gelaufen", sagt Martin Lutz. Der Eberner will dafür sorgen, dass die ausgemusterte Telefonzelle noch in diesem Jahr einen Platz als öffentliches Bücherregal in Ebern finden wird.

Hilfe für die Bücherbox

In der Leseinsel in Ebern steht derzeit eine Spendenbox für das Projekt von Martin Lutz aus. Das gesammelte Geld will Lutz für die Instandsetzung der Bücherbox verwenden. Wer ihm lieber handwerklich zur Seite stehen möchte, kann ihn unter lutz_martin@t-online.de kontaktieren oder eine Nachricht mit den eigenen Kontaktdaten in der Leseinsel hinterlassen.


Die Idee habe in Lutz schon seit rund drei Jahren gegärt, erzählt er. In vielen Kommunen hatten alte Telefonzellen wieder einen Nutzen als kostenlose Mini-Bibliotheken gefunden. "Das ist eine nette Geschichte", sagt Lutz. "Es kostet wenig, hat aber viel Benefit." Schon länger sei er auch Bürgermeister Jürgen Hennemann damit "auf die Nerven gegangen".

Der hatte seine Unterstützung zugesagt, sollte es dazu kommen. 2017 hatte Hennemann auch kurz gezuckt, als die letzte Telefonzelle Eberns abtransportiert wurde. Die Firmenpolitik des Betreibers der Zelle hatte jedoch erst einen Transport nach Berlin in ein Lager vorgeschrieben, bevor man sie nach Ebern hätte zurückbringen können. Zu teuer, zu kompliziert.

Als er den Kontakt zu einem verkaufsbereiten Besitzer einer solchen Telefonzelle geknüpft hatte, zögerte Lutz nicht. Für 400 Euro kaufte er das Häuschen, für einen zusätzlichen Kasten Bier überredete er den Besitzer und ein paar kräftige Helfer, beim Verladen zu helfen. Eine Spedition soll die Fracht für rund 200 Euro im Laufe des Donnerstags nach Ebern bringen.

Lediglich ein magentafarbenes Dreieck auf dem Dach zeugt jetzt noch von der früheren Nutzung. Zwischengelagert auf dem Gelände von SH Logistik im Gewerbegebiet Sandhof soll der Rahmen in den nächsten Wochen aber noch einmal abgeschliffen und neu lackiert werden, der Innenraum gesäubert und Regale eingebaut. Insgesamt kalkuliert Martin Lutz rund 1000 Euro für die Restaurierung der Zelle.

Lutz war es aber von Anfang an wichtig, so viele Menschen wie möglich an seinen Plänen teilhaben zu lassen. Zu diesem Zweck gründete er Gruppen in Facebook und bezog auch die bereits bestehende Online-Community von "Ebern in Unterfranken", die inzwischen gut 2400 Mitglieder hat, mit ein. Dort wurden unter anderem mögliche Standorte, Farbe und Ausstattung diskutiert.

Während man sich farblich noch nicht festgelegt hat, scheint die Position der alten Telefonzelle vor der Stadtpfarrkirche gegenüber dem Neptun-Brunnen am Marktplatz ein klarer Favorit zu sein. Bürgermeister Hennemann hat dabei bereits signalisiert, dass dies kein Problem wäre, da der Grund der Stadt gehöre. Auch Pater Rudolf Theiler habe bereits sein Wohlwollen ausgedrückt, so Lutz. Andere Standorte wie der Marktplatz, die Schumacher-Passage oder auch der Bouleplatz nahe des Campingplatzes hatten Widerspruch erfahren: Entweder zu weit ab vom Schuss oder beim Altstadtfest im Weg.

Wenn es nach Martin Lutz geht, soll die Bücherbox ein Anlaufpunkt für viele Menschen werden. Und nicht nur, um alten Ramsch abzulegen. Auch die Variante "Hol-eins-raus, stell-eins-rein" gefällt dem Eberner nicht. Natürlich sollen Bürger ausgelesene Werke dort hineinstellen, aber es sollen "gute und aktuelle Bücher" sein. Eine Gruppe von Freiwilligen, so Lutz’ Plan, soll das Sortiment regelmäßig kontrollieren und gegebenenfalls aussortieren. Vielleicht auf einem kleinen Bänkchen daneben, könnten Eberner jeden Alters die Bücher dann anlesen und je nach Gusto auch wieder zurücklegen. "Bücher schmeißt man nicht weg. Bücher haben ein Leben", sagt Lutz. Und auf diesem Weg möchte er einigen Büchern ein zweites Leben einhauchen.

Kritiker befürchten, dass die Bücherbox so zu einer Konkurrenz für die städtische Bücherei oder die Buchhandlung Leseinsel wird. Genau das Gegenteil glaubt Lutz, wird der Fall sein. Ein Hinweisschild in der Bücherbox soll auf beide Einrichtungen hinweisen und Auskunft über Öffnungszeiten geben. Dem Team der Leseinsel gefällt die Idee und unterstützt Lutz. "Wir wollen das Lesen fördern. Wer mehr liest, kauft auch mehr."

Inzwischen hat Lutz von weiteren Unterstützern auf der Straße, beim Einkauf oder am Stammtisch auch Geld zugesteckt bekommen. 408 Euro der geschätzten 1000 Euro Kosten seien inzwischen gedeckt, berichtet er. Über einen Spendenaufruf möchte er nun den Rest des Geldes noch einholen.

"Ich will erreichen, dass die Leute sagen: Ich fahr mal am Marktplatz vorbei. Mal sehen, was heute drin steht.", fasst er sein Vorhaben zusammen. Und sehr lange soll sich das auch nicht mehr hinziehen. Bis Ende des Jahres will er die fertige Bücherbox aufstellen - und wenn es soweit ist, auch mit "viel Brimbamborium".

Autor

Christian Schuster
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
26. 09. 2019
00:00 Uhr

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Christian Schuster

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Veröffentlicht am:
26. 09. 2019
00:00 Uhr



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