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Hassberge

Entlastungszeugen verstricken sich in Widersprüche

Ein aufmerksamer Polizist erkennt einen Schwarzfahrer am Steuer. Der will es aber nicht gewesen sein und bringt vor Gericht vermeintliche Zeugen vor.



Entlastungszeugen verstricken sich in Widersprüche
Entlastungszeugen verstricken sich in Widersprüche  

Haßfurt - Eine Schwarzfahrt am 28. März vergangenen Jahres auf der Hofheimer Straße in Haßfurt kostet einen 28-jährigen Bauhelfer aus dem Maintal nun 2520 Euro. Außerdem ist er seinen Führerschein für mindestens zehn weitere Monate los und er muss darüberhinaus seinen Rechtsanwalt sowie die Kosten des Strafverfahrens zahlen, das am Mittwoch am Amtsgericht stattfand.

Zum Verhängnis wurde dem 28-Jährigen der Umstand, dass die Mercedes S-Klasse, in der er fuhr, seit längerem im Visier der Polizei ist und regelmäßig von den Beamten kontrolliert wird. Auch einem Polizeibeamten der Polizei Schweinfurt sind sowohl das Fahrzeug als auch der Angeklagte wohlbekannt. Der Ordnungshüter war am Tattag privat in Haßfurt unterwegs. Er fuhr auf der Hofheimer Straße von Sylbach kommend stadteinwärts, als ihm der Angeklagte entgegenkam.

Auf Höhe des Krankenhauses fuhren die beiden aneinander vorbei. Dabei erkannte der Polizist seinen "Kunden" am Steuer des Wagens, wie er vor Gericht im Zeugenstand aussagte. Auf dem Beifahrersitz sei ein fünf bis sieben Jahre altes Kind gesessen, gab er zu Protokoll. Ihm sei bekannt gewesen, dass der Fahrer des Mercedes keinen Führerschein habe, weshalb er sogleich per Handy seine Kollegen der Polizeidienststelle in Haßfurt informiert habe. Eine sofort eingeleitete Fahndung sei jedoch ins leere gelaufen.

Bei einer anschließenden Identifizierung per Foto habe er den Angeklagten jedoch eindeutig wiedererkannt, sagte der Beamte. Den Angeklagten kenne er bereits aus dem Jahr 2017. Dessen damalige Lebensgefährtin sei in Schweinfurt verhört worden, wobei der Angeklagte anwesend war. Der Angeklagte selbst beteuerte vor Gericht seine Unschuld. Er sei nicht gefahren, sondern sein Bruder. Außerdem sei noch ein Freund dabei gewesen, der ebenfalls einen Führerschein habe, sowie das Kind, dass allerdings auf der Rückbank gesessen habe. "Warum hätte ich fahren sollen?", stellte er in den Raum. Er habe damals kürzere Haare gehabt. Vielleicht habe ihn der Zeuge verwechselt.

Doch als auf Veranlassung der Vorsitzenden der Bruder neben dem Angeklagten auf der Anklagebank Platz nahm, blieb der Polizist der Polizei Schweinfurt bei seiner Aussage. "Er ist es eindeutig", belastete er den Angeklagten, wonach der Staatsanwalt dem Angeklagten riet, seinen Einspruch gegen den Strafbefehl zurückzunehmen, da die Beweislast erdrückend sei. "Oder wollen Sie die Nummer durchziehen und Zeugen in eine Falschaussage hinein reiten, die ich strafrechtlich verfolgen werde", drohte er dem Angeklagten. Doch der 28-Jährige bestand darauf, den Prozess fortzuführen.

Die anschließenden Zeugenaussagen waren in vielen Punkten unterschiedlich und konnten das Gericht daher nicht von der Unschuld des Angeklagten überzeugen. Als Verteidiger Hans Andree dann noch die Anhörung zweier weiterer Zeugen forderte, platzte der Vorsitzenden der Kragen: "Sie stehen auf verlorenem Posten. Es wird immer schlimmer. Die Aussagen der

Entlastungszeugen sind voller Widersprüche", sagte die Richterin. Das sah auch der Staatsanwalt so. Er forderte eine Geldstrafe in Höhe von 2700 Euro plus eine einjährige Führerscheinsperre und ein dreimonatiges Fahrverbot. Negativ zu Buche schlage die Tatsache, dass der Angeklagte einschlägig vorbestraft ist. Bereits im Jahr 2014 musste er seinen Führerschein nach einer Fahrt unter Drogeneinfluss abgeben. Drei Jahr später wurde er auf der Maintalautobahn ohne Fahrererlaubnis erwischt. Der Verteidiger forderte der Aussage eines Polizeibeamten nicht mehr Gewicht beizumessen als der Aussage anderer Zeugen. Beide Fahrzeuge seien mit 40 bis 50 Stundenkilometern aneinander vorbeigefahren, sodass sein Mandant nur für Sekunden zu sehen gewesen sei. Möglicherweise habe es Lichtreflektionen auf der Windschutzscheibe gegeben. Die Schuld des Angeklagten sei daher nicht eindeutig nachzuweisen, weshalb er freizusprechen sei.

Richterin Ilona Conver war jedoch von der glaubhaften Aussage des Beamten überzeugt. Die vermeintlichen Entlastungszeugen hätten widersprüchlich ausgesagt und versucht, dem 28-Jährigen ein Alibi zu verschaffen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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Martin Schweiger
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Veröffentlicht am:
27. 06. 2019
18:32 Uhr

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Martin Schweiger

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Veröffentlicht am:
27. 06. 2019
18:32 Uhr



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