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Hassberge

Flammender Protest auch in Haßberge

Erst Berlin, dann Banz, dann Pfarrweisach: Am Wochenende protestieren Landwirte vom Steigerwald bis in den nördlichen Landkreis. Zur Mahnung werden Feuer entzündet.



Schon vor rund einer Woche hatte man in Rentweinsdorf und Rügheim Mahnfeuer entzündet, um mehr Gerechtigkeit für die Landwirte einzufordern. Jetzt sollen weitere Flammen auflodern.
Schon vor rund einer Woche hatte man in Rentweinsdorf und Rügheim Mahnfeuer entzündet, um mehr Gerechtigkeit für die Landwirte einzufordern. Jetzt sollen weitere Flammen auflodern.   Foto: Grafik: -rai

Pfarrweisach - "Es steht noch aus, ob auf die Worte auch Taten folgen", sagt Roland Rügheimer nach den Protesten Hunderter Landwirte auf Kloster Banz. Sein Sohn Hannes hatte sich an der Demonstration beteiligt, der Vater hatte sich währenddessen um den Familienbetrieb gekümmert. Die Agrarpolitik der Bundesregierung bedrohe nämlich vor allem die Existenz der kleinen Betriebe, wie man sie hier im Kreis Haßberge finde, führt Rügheimer im Gespräch mit der NP -Redaktion aus. Gemeinsam mit anderen Haßberge-Landwirten wird er deswegen am kommenden Wochenende mit Mahnfeuern weiter deutlich auf ihre Situation aufmerksam machen. Und die ist prekär, wie der Schweine- und Hühnerzüchter erklärt.

Mehrere Protestaktionen

Am kommenden Samstag, 7. Dezember, rufen Landwirte zu einem Protest in Pfarrweisach gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung auf. Zum Mahnfeuer an der Kreuzung der B 279 und den Ortsverbindungsstraßen zwischen Kraisdorf und Dürrnhof (südlich von Pfarrweisach) ab 17 Uhr sind alle Bürger eingeladen. Bei kalten Temperaturen will man sich mit Bratwürsten, Plätzchen und Glühwein warm halten.

Ähnliche Demos finden unter anderem ab 17 Uhr an der B 303-Abzweigung Kerbfeld/Rügheim, ab 18 Uhr an der Ortsverbindung zwischen Geusfeld und Wustviel (OT Rauhenebrach), ab 16.30 Uhr in Sand am Main und ab 17 Uhr im Knetzgauer Ortsteil Eschenau statt.

 

Seit Jahren belaste beispielsweise die stetig steigende Zahl von Kontrollen die Bauern. Das beginne schon beim Anbau des Futters. Rügheimer müsse dabei bereits den Boden und die fertige Futtermischung untersuchen. Danach kämen natürlich die Tiere selbst an die Reihe, aber auch Proben des Kots und ganz zum Schluss noch die Eier seiner Hühner müsse er testen lassen. Bei 9000 gefiederten Tieren und rund 400 Mastschweinen in Rügheimers Betrieb fielen allein dadurch Kosten von rund 6000 bis 7000 Euro an.

 

Überdies gingen Auflagen zum Tierschutz schnurstracks am Schutz der Tiere vorbei. Frisch geborene Ferkeln würden es kaum bemerken, wenn man ihnen den Ringelschwanz abschneide. Nun, mit den Schwänzchen, würden sich die Tiere teils gegenseitig hineinbeißen. "Schweine sind verspielt", erklärt Rügheimer das Verhalten. Die Folge: Die Tiere im Stall seien häufiger verwundet und er müsse mehr Medikamente verabreichen. Zudem würden Tiere an den Verletzungen auch verenden.

Ähnlich sei die Situation im Hühnerstall, so Rügheimer. Früher habe man den Hühnern die spitzen ihrer "sehr scharfen" Schnäbel mit einem kleinen Laser gestutzt. Jetzt würden die sich selbst beim gegenseitigen Beschnuppern immer wieder verletzen. Abgesehen von der häufigeren Gabe von Medizin spricht Rügheimer dabei auch von daraus resultierendem "Kannibalismus" im Hühnerstall.

Der Landwirt legt selbst großen Weg darauf, dass es seinen Tieren gut geht, wie er betont. Alleine wirtschaftlich könne er sich einen schlechten Umgang gar nicht leisten, schließlich seien gesunde Tiere und letztlich auch ein zufriedener Kunde das Kapital seines Betriebes. Auch die CO2 -Belastung durch seine Viehzucht behalte er dabei stets im Blick. Die Schweine würden beispielsweise beim "Metzger im Dorf" geschlachtet und in möglichst kurzen Lieferwegen verkauft.

Was Rügheimer grundsätzlich am Umgang mit ihm und seiner Zunft störe: Die Landwirte würden bei Neuerungen in der Gesetzgebung einfach übergangen. Immer neue Kontrollen, Auflagen und Pflichten zur Dokumentation stellen einen Eingriff in das Eigenkapital der Landwirte - die Felder und Tiere - dar; und das über die Köpfe der Bauern hinweg. "Es geht um unsere Zukunft, aber wir werden bei der Sache einfach vergessen", beschwert er sich.

Dass ihm dabei nichts anderes übrig bleibt, als sich Richtlinien zu fügen oder sein Geschäft aufzugeben, ist einer der Kritikpunkte, die die Landwirte bei den Protesten am Wochenende mit den Mahnfeuern verdeutlichen wollen. Ganz konkret haben sie jedoch auch Forderungen für eine Verbesserung der Situation formuliert.

Laut Rügheimer wäre es beispielsweise unabdingbar, dass Politiker sich für eine Vereinheitlichung von Vorgaben seitens des Handels starkmachen. Er selbst beliefere verschiedene Verbrauchermärkte und müsse bei jedem ein anderes Gütesiegel wie etwa "Geprüfte Qualität Bayern", "Offene Stalltür" und "Kontrolliert artgerechte Tierhaltung" vorweisen. Dieser mehrgleisige Kurs seines Unternehmens bedeute höhere Kosten und noch größeren Aufwand.

Rügheimer verdeutlicht: Vor drei Jahren habe er sich mit der Tierzucht selbstständig gemacht. Heute habe er im Vergleich zum Betriebsstart im Jahr fünf Tage weniger frei - nur wegen des zusätzlichen Verwaltungsaufwands. Auf der anderen Seite gelte im Handel die Kennzeichnungspflicht nur bedingt. Etwa bei Fertiggerichten sei nicht nachvollziehbar, ob Eier aus zertifizierter Tierhaltung stammen oder "Billigeier" enthalten seien. Rügheimer und die anderen Landwirte im Kreis Haßberge laden alle Bürger dazu ein, sich mit ihnen am Wochenende solidarisch zu zeigen - und sich an einem Mahnfeuer die Hände zu wärmen.

Autor

Christian Schuster
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Veröffentlicht am:
04. 12. 2019
18:26 Uhr

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Autor

Christian Schuster

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Veröffentlicht am:
04. 12. 2019
18:26 Uhr



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