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Flexibel mit festen Standpunkten

Die Eberner Firma Weigang besteht seit 90 Jahren. Die Geschichte des Familienunternehmens reicht von Zigarren- Banderolen bis zum modernen Touchscreen.



"Der Mensch braucht einfache Organisation": Hinter diesem Motto stehen die Vorstände Elmar Merget und Georg Jahn (von links) heute noch, selbst wenn die Mittel zur Visualisierung von Prozessen moderner geworden sind, wie hier die Magnetwand mit integriertem Bildschirm und Touchscreen.	Foto Kaufmann
"Der Mensch braucht einfache Organisation": Hinter diesem Motto stehen die Vorstände Elmar Merget und Georg Jahn (von links) heute noch, selbst wenn die Mittel zur Visualisierung von Prozessen moderner geworden sind, wie hier die Magnetwand mit integriertem Bildschirm und Touchscreen. Foto Kaufmann   » zu den Bildern

Ebern - Eigentlich genügen nur zwei Buchstaben. Die "WO", das ist in Ebern ein Begriff, fast so wie der "Kufi". Mit rund 90 Mitarbeitern zählt die "WEIGANG AG" zu den größten Arbeitgebern in und um Ebern - und das seit mittlerweile 56 Jahren in der Bahnhofstraße. Die Geschichte der Firma, die heute für die Herstellung von Organisationssystemen national und international bekannt ist, reicht aber sogar noch ein paar Jahre weiter zurück: In dieser Woche begehen die Mitarbeiter das 90-jährige Firmenbestehen.

1923 war es, die Weimarer Republik war am Ende, Inflation und Unzufriedenheit beherrschten Deutschland, unruhige Zeiten in Politik und Gesellschaft. In diesen Zeiten wagte ein gewisser Georg Jahn den Schritt in die Selbstständigkeit und entwickelte Methoden und Instrumente zur besseren Planung und Organisation für Unternehmen. "Er war sozusagen einer der ersten Unternehmensberater Deutschlands", sagt Elmar Merget, der das Unternehmen heute gemeinsam mit Jahns Enkelsohn, seinem Schwager Georg Jahn, leitet.

Doch wie kam es zum Namen "Weigang"? "Georg Jahn hatte Erfolg, die Firma wuchs", erklärt Elmar Merget. Die Philosophie von "Einfachheit, Organisation und Planung" kam an. 1936 konnte er schließlich das Verlagshaus der Brüder Weigang in Dresden aufkaufen, das sich auf den Druck von Banderolen für Zigarren spezialisiert hatte. Hier kommt der Name "Weigang" her. Der Firmensitz fiel im Februar 1945 den Bomben zum Opfer, die Firma war auf der Suche nach einer neuen Heimat. "Auf amerikanischer Seite war Ebern eine der ersten Städte", sagt Merget und erinnert an die ersten Druckmaschinen in Eyrichshof und die Wiederaufnahme des Betriebs im zweiten Stockwerk des dortigen Schlosses.

1957 startete dann die Papierverarbeitung am heutigen Standort in der Bahnhofstraße. In den 1960er-Jahren verlagerte man die Zentrale nach Würzburg, wegen der Infrastruktur und Erreichbarkeit damals "die absolut richtige Entscheidung", so Merget. Es begann die Ära seines Schwiegervaters, Just Jahn: Dieser habe den Betrieb seit 1964 "in die heutige Richtung" gebracht. Gemeint ist dabei ein sehr partnerschaftlicher Ansatz, den das Familienunternehmen bis heute praktiziert. Zu merken ist der auch am Betriebsklima: Statt "Familienunternehmen" ist auch der Titel "familiäres Unternehmen" denkbar. "Wir wollen die Mitarbeiter immer teilhaben lassen", sagen Elmar Merget und Georg Jahn, selbst oder gerade dann, wenn es auch um schwierige Entscheidungen geht - wie 2009, als während der Wirtschaftskrise auch bei der Weigang AG Kurzarbeit angesagt war. Seit 2005 führen Merget und Jahn als Vorstände der WO den Betrieb in dritter Generation, auch wenn ihnen "führen" als das falsche Wort erscheint: "Wir begleiten", schmunzelt Merget, "die Mitarbeiter machen das schon, und wir sind dazu da, mitzureden". Man habe immer ein offenes Ohr, auch für persönliche Probleme, versichern die beiden "Chefs", deren Tür auch tatsächlich immer allen offen steht und in ihrer "Zeitreise"-Schrift anlässlich des Jubiläums einen bemerkenswerten Satz schreiben: Selbstverständlich sei es, "dass bei wichtigen familiären Ereignissen auch einmal die Arbeit warten muss". Um eine solche Unternehmensführung werden die Mitarbeiter womöglich ebenso beneidet wie um die klare Standortsicherheit, zu der sich die Geschäftsführer bekennen: "Es gibt keine Intention, im Ausland zu produzieren."

Nicht umsonst prägt das Unternehmen ein Personalstamm, der die Loyalität offenbar zurückgibt: "15 Jahre Mitarbeit sind bei uns nur ein kleines Jubiläum", lächelt Georg Jahn, "oft sind es 40 Jahre und mehr". Erst kürzlich sei ein Mitarbeiter in den Ruhestand verabschiedet worden, der im Haus gelernt hatte.

Seit 2006 ist Ebern alleiniger Standort. "Es mag veraltet klingen, aber wir setzen auch auf räumliche Nähe", erklärt Elmar Merget die bevorzugte Kommunikation "von Mensch zu Mensch". Dazu kam Vertrieb und Marketing, sodass das Unternehmen bestens aufgestellt ist - auch für die Zukunft. Marktführer darf sich die "WO" nennen in ihrem Segment, durch stete Forschungsarbeit und Zusammenarbeit mit Universitäten und dem Fraunhofer-Institut ist sie auch in puncto Innovation ganz weit vorne: bei Planungstafeln, Organisationsmappen und papiergestützten Ordnungssystemen. Auch heute kann EDV eben nicht alles - leichte Handhabung und klare Übersicht spricht nicht selten klar für Alternativen.

Und es soll weitergehen: Nachdem traditionell die Industrie die Systeme zur Prozessorganisation nutzt, zieht es die Weigang AG nun auch in den medizinisch-pflegerischen Bereich - eine Branche mit extremem Organisations- und Verwaltungsdruck, ein Geschäftsfeld mit Zukunft. "Wir wollen uns verbreitern", formuliert es Elmar Merget: "Überall dort, wo Prozesse entwickelt werden."

Es gibt keine Intention, im Ausland zu produzieren.

Elmar Merget, Vorstand Weigang AG


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Von Tanja Kaufmann
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Veröffentlicht am:
10. 06. 2013
00:00 Uhr

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Von Tanja Kaufmann

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Veröffentlicht am:
10. 06. 2013
00:00 Uhr



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