Lade Login-Box.
Topthemen: Autonomes Fahren in OberfrankenDie Videos der WocheDer BachelorCotubeBlitzerwarner

Hassberge

Freispruch für angeblichen Grapscher

Eine 27-Jährige hat einem 70-Jährigen vorgeworfen, sie an der Brust berührt zu haben. Der Mann wies die Vorwürfe als falsch zurück.



Foto: Studio_East Adobe Stock
Foto: Studio_East Adobe Stock  

Haßfurt - Weil er eine 27-Jährige sexuell belästigt haben soll, musste sich ein 70-jähriger Rentner aus dem nördlichen Landkreis am Amtsgericht verantworten (die Neue Presse berichtete). Am Dienstag sprach das Gericht den Angeklagten am zweiten Verhandlungstag frei, weil Richterin Ilona Conver nach der Beweisaufnahme zu viele Widersprüche sah.

Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft soll der verheiratete Angeklagte am 14. September vergangenen Jahres einer damals 27-Jährigen vor deren Wohnadresse in Ebern an die Brust gegriffen und versucht haben, sie zu küssen. Die 27-Jährige erstattete Anzeige, sodass der Rentner einen Strafbefehl erhielt, gegen den er Einspruch einlegte. Daher kam es zur Gerichtsverhandlung, in der der Angeklagte am ersten Verhandlungstag über seinen Verteidiger Thomas Drehsen die Vorwürfe als falsch zurückwies und weitere Angaben verweigerte.

Die Anzeigenerstatterin sagte im Zeugenstand, dass der Rentner am Tattag - ihrem 27. Geburtstag - an ihrer Wohnadresse geklingelt habe. Sie habe zusammen mit ihrer Freundin die Tür geöffnet. Der 70-Jährige habe ihr eine Glückwunschkarte und 20 Euro als Geschenk überreicht. Nach einer kurzen Unterhaltung habe er ihr an die Brust gelangt und versucht, sie zu küssen. Er sei "täglich" zu ihr gekommen und habe auch angeboten, sie in seinem Auto mitzunehmen, sagte die 27-Jährige. Die Aussage der Geschädigten wurde von ihrer Freundin im Zeugenstand bestätigt. Sie habe damals daneben gestanden, als der Angeklagte ihre Freundin unsittlich an der Brust berührte und ihr einen Kuss geben haben soll. Ein weiterer Zeuge gab zu Protokoll, dass der Angeklagte sein Opfer ständig verfolgt habe. Er habe ihr vor einem Supermarkt aufgelauert und auf der Straße neben ihr mit seinem Auto angehalten, um nach dem Datum ihres Geburtstags zu fragen. Der ermittelnde Polizeibeamte sagte vor Gericht, dass die Geschädigte Anzeige erstattet habe, weil sie sich verfolgt gefühlt habe. Sie habe das Autokennzeichen des Angeklagten genannt, wodurch seine Identität ermittelt werden konnte.

Ein Unbekannter vor Gericht ist der Angeklagte nicht. Drei Vorstrafen stehen in seinem Sündenregister, davon ist eine einschlägig. Im Jahr 2012 bat er eine geistig Behinderte in sein Auto einzusteigen, um ihr dann unter die Kleidung und an die Brüste zu fassen. Zudem sollen zwei weitere gleichartige Vorfälle passiert sein, wofür der Angeklagte im Jahr 2014 zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt wurde.

Die Staatsanwältin sah den Angeklagte durch die "plausiblen" Zeugenaussagen überführt und beantragte eine Geldstrafe in Höhe von 3300 Euro. Der Verteidiger verwies auf die Aussage einer der Betreuerinnen vor Gericht, die sagte, dass es die Geschädigte "mit der Wahrheit nicht so genau" nehme. Zudem sei es fraglich, ob die Tatzeugin zum Tatzeitpunkt tatsächlich vor Ort war. Denn zu dem von der Geschädigten genannten Tatzeitpunkt war sie noch an ihrem Arbeitsplatz, beziehungsweise auf dem Heimweg. Außerdem habe sich die Geschädigte nach der Tat nicht an ihre Betreuerin gewandt, obwohl diese in der Unterkunft war. Der Anwalt forderte daher Freispruch für seine Mandantin, den ihm die Richterin gewährte.

"Ich bin hin und her geschwankt und schließe es nicht aus, dass die Tat wie in der Anklage geschildert ablief", sagte sie in der Urteilsbegründung. Es gebe jedoch zu viele Widersprüche, sodass es nicht für eine Verurteilung reiche. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft kann noch in Berufung gehen.

Autor

Martin Schweiger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
27. 11. 2019
17:28 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Angeklagte Anklageschriften Bewährungsstrafen Geldstrafen Gerichtsverhandlungen Neue Presse Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte Richter (Beruf) Staatsanwaltschaft Staatsanwälte Zeugen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Das Gras steckte in einer Socke

11.12.2019

Das Gras steckte in einer Socke

Ein 24-Jähriger erhält eine einjährige Bewährungsstrafe und 1000 Euro Geldauflage wegen des Handels mit Rauschgift. Man fand bei ihm Marihuana. » mehr

Sexuelle Belästigung

15.11.2019

Senior soll 27-Jährige sexuell belästigt haben

Das Haßfurter Amtsgericht hat die Frage zu klären, ob ein Rentner eine heute 28-Jährige sexuell belästigt hat. Der Mann weist die Vorwürfe zurück. » mehr

Dealer erhält Bewährungsstrafe

03.12.2019

Dealer erhält Bewährungsstrafe

Weil er mit Rauschgift gehandelt haben soll, musste sich ein 22-Jähriger vor Gericht verantworten. Das Motiv blieb bis zuletzt unklar. » mehr

Laut Anklage hat die fünffach vorbestrafte Angeklagte am 1. Oktober 2017 kurz nach Mitternacht bei der Polizeidienststelle Ebern angerufen und den Beamten des Drogenmissbrauchs beschuldigt.	Foto: Adobe Stock/rcx

20.11.2019

Diffamierung kommt Hartz-IV-Empfängerin teuer zu stehen

Eine 47-Jährige Frau hatte einen Polizisten des Drogenkonsums bezichtigt. Für den Mann mit fatalen Folgen. Die Angeklagte wurde zu einer Haftstrafe verurteilt. » mehr

Häusliche Gewalt

22.10.2019

Prozess: 21-Jähriger misshandelt Freundin

Ein junger Mann hat seiner Ex-Freundin Kratzspuren, Bisswunden und Würgemale zugefügt. Der Grund: Eifersucht. Der 21-Jährige aus dem Landkreis Haßberge musste sich vor Gericht verantworten. » mehr

Mit 1,36 Promille Alkohol in der Blutbahn baute ein damals 19-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis in der Nacht zum Ostersamstag dieses Jahres in Rügheim einen spektakulären Unfall. Archivfoto: Christian Licha

08.10.2019

Fahrt ins Beet hat ein Nachspiel

Ein 19-Jähriger hatte sich mit 1,36 Promille am Steuer überschlagen und war in einem Gartenbeet gelandet. Den Strafbefehl dafür akzeptierte er nicht, jetzt stand er vor Gericht. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Joseph Hannesschläger

Diese Prominenten sind 2020 schon gestorben |
» 7 Bilder ansehen

Büttensitzung Zeiler Narrenzunft

Büttensitzung Zeiler Narrenzunft | 20.01.2020 Ralf Naumann
» 12 Bilder ansehen

Büttenabend Wallenfels

Büttenabend in Wallenfels | 20.01.2020 Wallenfels
» 30 Bilder ansehen

Autor

Martin Schweiger

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
27. 11. 2019
17:28 Uhr



^