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Frieden gibt es nur gemeinsam

Die Städte Trun und Falaise in der Normandie erinnern an die Befreiung vor 75 Jahren. An der Zeremonie nimmt auch Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann teil.



"75 Jahre Freiheit": Trun feiert das Ende des Zeiten Weltkriegs - gemeinsam mit den deutschen Freunden. Fotos: privat
"75 Jahre Freiheit": Trun feiert das Ende des Zeiten Weltkriegs - gemeinsam mit den deutschen Freunden. Fotos: privat   » zu den Bildern

Trun/Ebern - Vor 75 Jahren endete für die Menschen in der Normandie der Zweite Weltkrieg mit dem Sieg der Alliierten. Auch in Eberns Partnerstadt Trun wurde dieser Tage an das Ende der Kämpfe erinnert. Trun war bereits im Juni 1944 bombardiert worden, um die deutschen Truppen zu bremsen, die nach der Landung der Alliierten an den Stränden der Normandie vom Hinterland heranrückten. Als der Krieg vorbei war, war die Stadt zu 70 Prozent zerstört. Die Region hatte bis dahin zudem über 140 000 Flüchtlinge aus dem Gebiet von Caen aufgenommen, die vor den Kämpfen ins vermeintlich sichere Hinterland geflohen waren.

Von Feinden zu Freunden

Vom 16. bis 21. August 1944 tobten erbitterte Gefechte zwischen der normannischen Stadt Falaise und dem kleinen Ort Chambois. Soldaten aus Großbritannien, Kanada, USA, Frankreich und Polen versuchten, der deutschen Armee den Rückzug aus dem Westen Frankreichs abzuschneiden. Im "Kessel von Falaise" sollten die Deutschen aufgehalten werden. Die Kämpfe endeten am 21. August. Abbé Launay, Pfarrer von Tournai-sur-Dive, überredete mit der Hilfe des Sanitätsoffiziers Major Wilhelm Baumann die in Tournai und St. Lambert festsitzenden deutschen Soldaten, sich zu ergeben.

Abbé Launay wurde in den Jahren danach als Held gefeiert. Der deutsche Offizier blieb lange namenlos, bis der pensionierte Tierarzt Michel Lefevre seine Geschichte recherchierte und als Buch veröffentlichte. Inzwischen erinnert in Tournai-sur-Dive eine Tafel an Baumanns Beteiligung an den Ereignissen 1944.

Wilhelm Baumann hatte sich nach dem Krieg als Arzt in Ebern niedergelassen und die Geschichte seiner Gefangennahme in Frankreich nie erzählt. Aber als Michel Lefevre mit seiner Organisation "Spiegel der Seelen" Kontakt zu Ebern aufnahm, war das die Grundlage für weitere Treffen und Austausch.

Inzwischen pflegt das Friedrich-Rückert-Gymnasium einen Schüleraustausch mit dem College in Trun (der weiterführenden Schule für die umliegenden Kommunen, wie Tournai sur Dives), und die Kommunen Trun und Ebern haben eine Freundschaftsvereinbarung geschlossen.

 

In einer Doppelzeremonie erinnerten die Städte Trun und Falaise an die Befreiung vor 75 Jahren. Sowohl Jacques Prigent als auch der Bürgermeister von Falaise, Eric Macé, bezogen in das Gedenken die deutschen Soldaten ein: Junge Männer auf beiden Seiten, die zu Opfern der faschistischen Ideologie wurden. Auf deutscher Seite wurden in den Kämpfen im Sommer rund 50 000 Soldaten getötet oder verwundet, bei den Alliierten knapp 40 000. Bürgermeister Macé wies auch darauf hin, dass Frankreich in der Zeit der deutschen Besatzung "nicht weiß war oder schwarz: Es war grau." Denn unter den Franzose habe es Widerstandskämpfer gegeben und Kollaborateure.

Sowohl in Trun auch als in Falaise wehte die deutsche Flagge neben denen der Alliierten, und es wurde auch die deutsche Hymne gespielt. Die Bürgermeister der beiden deutschen Partnerstädte nahmen an der Zeremonie teil: Seit 50 Jahren besteht die "Jumelage" zwischen Falaise und Bad Neustadt an der Saale. Bürgermeister Bruno Altrichter war eigens für das Wochenende nach Falaise gereist. Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann war bei seinem Amtskollegen Jacques Prigent zu Gast. Dieser hatte in seiner Rede in Trun vor den Folgen des neuen Nationalismus gewarnt, der sich überall in Europa breitmache. Nach wie vor würden die Ereignisse vor 75 Jahren zum Frieden mahnen.

21.08.2019 - Jubiläumsfeier "75 Jahre Befreiung in der Normandie" - Foto: privat

Jubiläumsfeier "75 Jahre Befreiung in der Normandie"
Jubiläumsfeier "75 Jahre Befreiung in der Normandie"
Jubiläumsfeier "75 Jahre Befreiung in der Normandie"
Jubiläumsfeier "75 Jahre Befreiung in der Normandie"
Jubiläumsfeier "75 Jahre Befreiung in der Normandie"
Jubiläumsfeier "75 Jahre Befreiung in der Normandie"
Jubiläumsfeier "75 Jahre Befreiung in der Normandie"
Jubiläumsfeier "75 Jahre Befreiung in der Normandie"

Veteranen und Hinterbliebene, Fahnenträger, eine Gruppe junger Scouts aus Polen, zahlreiche Abgeordnete und Bürgermeister nahmen an den Zeremonien teil. In Trun assistierten die Mitglieder des Jugendstadtrats bei den Kranzniederlegungen. Während in Trun und Falaise besonders der Kanadier gedacht wurde, standen in Chambois einen Tag später die US-Amerikaner im Mittelpunkt. In Chambois hatten sich die alliierten Truppen am 19. August 1944 vereinigt und somit den Kessel geschlossen. Zwei Tage später war der Krieg in der Region vorbei. Eine Präsentation mit historischen Fotos veranschaulichte die Kämpfe und hob auch die Rolle von Major Baumann hervor. Denn Leidtragende der Bombardements waren seinerzeit nicht nur die auf dem Rückzug befindlichen deutschen Soldaten, sondern auch die Zivilbevölkerung.

"Ich bin froh, dass das Beispiel von Major Baumann und Abbé Launay zeigt, dass auch im Krieg Menschlichkeit und Vernunft siegen können", sagt Jürgen Hennemann. Er ist sich mit seinem Kollegen Prigent in einem einig: Nur gemeinsam wird es möglich sein, den Frieden und Europa weiter zu entwickeln. "Die Franzosen haben nicht nur "Liberation" (Befreiung) gefeiert, sondern auch 75 Jahre "Paix" (Friede)", berichtet Hennemann. Deswegen müssten die Austausche, gerade der Schüler, weitergeführt und ausgebaut werden.

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Redaktion
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Veröffentlicht am:
21. 08. 2019
12:13 Uhr

Aktualisiert am:
21. 08. 2019
12:13 Uhr

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21. 08. 2019
12:13 Uhr

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21. 08. 2019
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