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Hassberge

Gegen den "Donut-Effekt"

Bauflächen nutzen, Ortskerne beleben: Mit einer Immobilienbörse, einer Bauberatung und einem kommunalen Förderprogramm will die Baunach-Allianz Leerstände bekämpfen.



Als Beispiel einer gelungenen Sanierung im Ortskern begrüßt das Schumacherhaus samt Musikschule und Touristinfo die Ebern-Besucher. Fotos: VG Ebern
Als Beispiel einer gelungenen Sanierung im Ortskern begrüßt das Schumacherhaus samt Musikschule und Touristinfo die Ebern-Besucher. Fotos: VG Ebern   » zu den Bildern

Ebern - Der Eberner Stadtrat stimmte am vergangenen Donnerstag darüber ab, und auch in den anderen Kommunen der Baunach-Allianz steht das Thema derzeit auf den Tagesordnungen: Mit einem kommunalen Förderprogramm zur Stärkung der Ortsmitten, orientiert am Erfolgsmodell der Hofheimer Allianz, soll es den Leerständen an den Kragen gehen.

Wer und wo

Die Baunach-Allianz mit ihren elf Städten und Gemeinden liegt sowohl in Unter- als auch Oberfranken und erstreckt sich über die drei Landkreise Bamberg, Haßberge und Coburg. Mitglieder sind die Städte Baunach und Ebern, die Marktgemeinden Maroldsweisach und Rentweinsdorf sowie die Gemeinden Reckendorf, Itzgrund, Untermerzbach, Lauter, Kirchlauter, Pfarrweisach und Gerach.

Informationsblätter, Fördergebiete und Antragsunterlagen: www.baunach-allianz.de

Kontakt zur Baunach-Allianz:

Allianzmanager Felix Henneberger, Telefon 09531/629-47, Mail henneberger@baunach-allianz.de


Mit einer Immobilienbörse, einer Bauberatung und einem kommunalen Förderprogramm möchten die Gemeinden und Städte der Allianz in Zukunft Bauflächen besser nutzen und ihre Ortskerne vor Leerstand bewahren. Denn: "Auch wenn der Bauboom aktuell ungebrochen ist und viele Menschen aus den umliegenden Städten ein Haus auf dem Land suchen, prognostiziert das bayerische Landesamt für Statistik noch immer eine Überalterung der Bevölkerung und einen Bevölkerungsrückgang im Allianzgebiet", erklärt Baunach-Allianz-Manager Felix Henneberger. So soll die Bevölkerungszahl in allen elf Mitgliedsgemeinden von rund 27 200 Einwohnern im Jahr 2014 auf rund 26 200 im Jahr 2028 sinken. Gleichzeitig soll der Anteil von Menschen im Rentenalter von 19 Prozent auf 27 Prozent steigen.

Das stelle sich natürlich in den einzelnen Gemeindeteilen ganz unterschiedlich dar, erklärt Eberns Bürgermeister und Allianz-Vorsitzender Jürgen Hennemann: Während beispielsweise die Stadt Ebern wachse, wird ihr Stadtteil Bischwind eher schrumpfen. Gerade in den Altorten solcher Ortsteile kann es dann in den nächsten fünf bis 20 Jahren vermehrt zu Leerständen kommen. Das liege auch daran, dass in den 1990er- und 2000er-Jahren viele Bauplätze erschlossen worden seien - "leider ohne Bauzwang", wie Jürgen Hennemann sagt.

Um dieser Entwicklung nun rechtzeitig entgegenzuwirken, will die Baunach-Allianz handeln: "Wir bitten die Eigentümer von leerstehenden Gebäuden und Anwesen in den Orten, diese zum Verkauf anzubieten", sagt Jürgen Hennemann. Wenn erst Anwesen auf dem "Markt" seien, fänden sie auch Käufer und Nachnutzer. "Die Nachfrage ist da", sagt der Bürgermeister. "Das sehen wir am Beispiel Albersdorf: Hier sind in kurzer Zeit vier Anwesen neu belegt worden, die angeboten wurden."

Wie Allianz-Manager Felix Henneberger berichtet, haben die elf Kommunen der Allianz im vergangenen Jahr alle Eigentümer von Leerständen und erschlossenen, aber unbebauten Grundstücken in allen Orten im Allianzgebiet angeschrieben, um die Verkaufsbereitschaft abzuklären. "In der ganzen Allianz gibt es weit über 500 unbebaute Grundstücke, die an das Straßen-, Kanal- und Stromnetz angeschlossen sind.

Diese könnten sofort bebaut werden, würden die Grundstücke zur Verfügung gestellt", so Felix Henneberger. Bei unbebauten erschlossenen Grundstücken fallen laufende Kosten für die Infrastruktur an, die sich auf weniger Schultern verteilen, da die unbebauten Grundstücke keinen Beitrag leisten. "Jede Baulücke und jeder Leerstand der zusätzlich zum Verkauf angeboten wird, hilft schon vorhandene Infrastruktur zu nutzen und so die Kosten für die Allgemeinheit zu senken", erklärt der Allianzmanager. Aufgrund der hohen Zahl unbebauter Grundstücke und der sinkenden Bevölkerungszahl dürfen Neubaugebiete am Siedlungsrand seiner Einschätzung nach nur sehr maßvoll umgesetzt werden.

Ansonsten droht der sogenannte "Donut-Effekt": Neubau und Modernisierung finden überwiegend am Ortsrand statt, die Folge sind vereinzelte Leerstände in den Ortskernen, einhergehend mit Sanierungsstau und einem Bedeutungsverlust für die Ortsmitte. "An einem Ort mit Leerstand entsteht oft weiterer Leerstand", sagt Felix Henneberger. Das Umfeld wird als Wohn- und Gewerbestandort unattraktiv - ein "Loch" kann in der Ortsmitte entstehen.

Um die Leerstände zu vermeiden und lebendige Ortskerne zu fördern und zu erhalten, bieten die Kommunen der Baunach-Allianz ab Anfang März nun folgende Angebote an:

Immobilienbörse

Eigentümer können unter www.baunach-allianz.de ihr Baugrundstück oder Haus kostenfrei zum Verkauf anbieten. Der Allianz-Manager unterstützt dabei gern bei der Angebotserstellung.

Bauberatung

Interessenten einer Leerstandsimmobilie, die sich noch nicht sicher darüber sind, welche Herausforderungen auf sie zukommen und welche Fördermöglichkeiten sie nutzen können, wollen die Kommunen mit einer kostenfreien Erstbauberatung im Umfang von fünf Stunden unterstützen. "Sie können aus einem Beraterpool an Architekten und Ingenieuren frei wählen und sich einen ersten Überblick verschaffen", erklärt Felix Henneberger.

Förderprogramm

Bei der Investition in ein seit mindestens zwölf Monaten leerstehendes Gebäude im Altort wollen die Gemeinden künftig in einem kommunalen Förderprogramm mit zehn Prozent der Investitionssumme unterstützen. Dieser Betrag ist auf 10 000 Euro gedeckelt, erhöht sich pro Kind und kann auch noch um bis zu 5000 Euro für Bauschuttentsorgung angehoben werden.

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Tanja Kaufmann

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Veröffentlicht am:
05. 03. 2020
12:36 Uhr

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Tanja Kaufmann

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Veröffentlicht am:
05. 03. 2020
12:36 Uhr



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