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Gemeinde verteidigt Bauvorhaben

Die geplanten Bauplätze in Gereuth sehen sich weiter Kritik ausgesetzt. Verwaltung und Gemeinderat stehen aber dahinter.



Untermerzbach - Seit zwei Jahren knobelt die Gemeinde Untermerzbach an der Schaffung neuer Bauflächen im Ortsteil Gereuth. Und der Gemeinderat setzte sich mit der Kritik an dem Vorhaben auch in der vergangenen Sitzung noch einmal lange auseinander. Über elf DinA4-Seiten erstreckten sich die Anregungen und Bedenken von Behörden sowie eines Gereuther Anwohners - und die Antworten darauf aus der Verwaltung.

Auf der Tagesordnung standen neben den Diskussionen um den Datenschutz und den Solarpark Buch (wir berichteten) auch Änderungen an der bereits mehrfach besprochenen Ergänzungssatzung des Flächennutzungsplans in Gereuth. Über diese soll am nördlichen und westlichen Ortsrand eine Ortsabrundung geschaffen werden. Konkret geht es dabei darum, auf fünf Flächen (Flurnummern 181,182 und 211) zusätzliche Bauparzellen zu schaffen. Die beiden potenziellen Bauplätze auf der Fl.Nr. 396 stehen nicht zur Verfügung, solange dort Landwirtschaft betrieben wird.

"Wir wollen den Einwohnerstand halten oder auch Zuwachs bekommen", sagte Bürgermeister Helmut Dietz (SPD). Damit ließ er keinen Zweifel daran, dass die Gemeinde auch weiterhin an dem Vorhaben festhalte - und erntete die Zustimmung der Gemeinderäte. Auch die Telekom, die Bayernwerk Netz GmbH, sowie das Amt für ländliche Entwicklung als auch das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hatten sich laut Sitzungsunterlagen mit dem derzeitigen Entwurf einverstanden gezeigt.

Einige Anregungen standen noch von Seiten des Landratsamtes im Raum. Zwar hatte man dort grundsätzliches Einverständnis mit einer dortigen Bebauung signalisiert, unter der Voraussetzung, dass sich sowohl für die umliegenden Grundstücke als auch für mögliche Bauträger keine Einschränkungen durch Lärm oder Verschmutzung zu rechnen ist. Das Landratsamt regte an, dass man zukünftige Bauwerber explizit informieren soll, dass im dörflichen Umfeld mit Emissionen durch die umliegende Landwirtschaft zu rechnen ist. Deutliche Bedenken äußerte der Regionale Planungsverband Main-Rhön, der mit den bisherigen Entwürfen der Gemeinde eine Zersiedelung am westlichen Gemeinderand befürchtet. Der Verband hatte daher im Vorfeld bereits den Nachweis gefordert, ob eine solche Erweiterung überhaupt notwendig ist.

Ähnlich kritisch äußerte sich auch die Familie Koser aus Gereuth. Über die Argumente der Zersiedelung und der in Frage gestellten Notwendigkeit hinaus wurde ebenfalls angeführt, dass die derzeitige Planung Gebäude mit einer Höhe von bis zu zwölf Metern zulasse. Zudem würde die Möglichkeit, dort Doppelhäuser zu errichten, dem bisher vorherrschenden Ortsbild widersprechen.

Besorgt zeigte sich der Anwohner, da das Familiengrundstück unmittelbar an eine der vorgesehenen Bauflächen angrenzt. Derzeit plane die Familie Koser, einen Ferienhof mit der Haltung von Schafen und Alpakas einzurichten. Durch eine Bebauung würde das eigene Grundstück jedoch die "ruhige Randlage" verlieren und die geplante Tierhaltung wegen absehbarer Konflikte zu den neuen Nachbarn"voraussichtlich unmöglich". Ein "wirtschaftlich relevanter Wertverlust" für die Familie.

Dem entgegnete Bürgermeister Dietz, dass das Grundstück ohnehin bereits an Kreisstraße und zwei bebauten Grundstücken liege. Von einer ruhigen Randlage könne folglich nicht ausgegangen werden. Auch die wirtschaftlichen Nachteile, so die Ausführungen des Bürgermeisters, teile die Gemeindeverwaltung nicht. Genauso wie die beiden bisherigen Bebauungen würden sich Neubauten nicht negativ auf das Grundstück auswirken.

Was die Gebäudehöhe angehe, so habe man bereits in die Pläne eingefügt, dass auf dem neuen Baugrund lediglich Häuser mit maximal acht Metern Firsthöhe stehen dürfen. Durch die natürliche Hanglage von Gereuth werde es aber immer Gebäude geben, die höher oder tiefer als andere liegen. Würde dieser Aspekt aus Sicht eines einzelnen Anwesens gewertet, sei jedes Bauen unmöglich.

Der Frage der Notwendigkeit begegnete Dietz mit den Zahlen einer in 2019 durchgeführten Prüfung: Im Innenbereich des Ortsteils Gleusdorf sei lediglich eine einzige Baulücke vorhanden, die Verkaufsbereitschaft des Eigentümers aber nicht. Zwar gebe es im Gesamten Gemeindegebiet 72 Baulücken, nur 15 der Grundstücke stünden jedoch nur zum Verkauf. Davon wiederum lägen alleine vier schon im Bereich der geplanten Ergänzungssatzung in Gereuth. Außerdem basiere die Bereitstellung der neuen Grundstücke ausschließlich auf erfolgte Anfragen von Gereuther Bürgern, die im Ort bleiben möchten. Der Verweis auf andere Ortschaften würde also zu einer "keinesfalls erwünschten Abwanderung" führen.

Nach Dietz’ Ausführungen beschlossen die Gemeinderäte einstimmig das Ergebnis der gemeindlichen Abwägung und die dadurch veranlassten Änderungen in den Entwürfen. Die geänderten Pläne werden der Öffentlichkeit nochmals zur Einsicht zugänglich gemacht.

Autor

Christian Schuster
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Veröffentlicht am:
08. 11. 2019
15:50 Uhr

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Autor

Christian Schuster

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Veröffentlicht am:
08. 11. 2019
15:50 Uhr



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