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Gericht verliest Pflegeprotokolle im Fall Gleusdorf

Führte der Sturz eines Bewohners der Seniorenresidenz zu dessen Tod? Aus den Akten der Einrichtung erhofft man sich, mehr über ein mögliches Verschulden der Heimleitung zu lernen.



Nach den rätselhaften Todesfällen in der "Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf" werden im Prozess gegen drei Verdächtige weitere Details aufgedeckt. Der Heimleiterin, dem Pflegedienstleiter und einem Arzt wirft die Staatsanwaltschaft gemeinschaftlichen Totschlag durch Unterlassen in einem Fall und versuchten Totschlag durch Unterlassen in zwei Fällen vor. Foto: Daniel Karmann/dpa
Nach den rätselhaften Todesfällen in der "Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf" werden im Prozess gegen drei Verdächtige weitere Details aufgedeckt. Der Heimleiterin, dem Pflegedienstleiter und einem Arzt wirft die Staatsanwaltschaft gemeinschaftlichen Totschlag durch Unterlassen in einem Fall und versuchten Totschlag durch Unterlassen in zwei Fällen vor. Foto: Daniel Karmann/dpa  

Bamberg/Gleusdorf - Am neunten Verhandlungstag des Prozesses um Missstände im Seniorenheim in Gleusdorf wurden am Donnerstag verschiedene Protokolle verlesen, die den am 23. August 2014 nach einem Sturz gestorbenen 80-jährigen Heimbewohner betreffen. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft hätte der Tod unter Umständen vermieden werden können, wenn der Senior nach dem Sturz in einem Krankenhaus behandelt worden wäre. Die Heimleitung habe dies jedoch unterlassen, um damit Kosten einzusparen.

Im Pflegeprotokoll des Verstorbenen notierten die Pflegekräfte des 80-Jährigen, dass er nach dem Sturz ein fünf Zentimeter großes Hämatom am Kopf, sowie weitere Hämatome an Rücken und Schulter hatte. Diese sollten laut Heimleitung nur äußerlich mit Voltaren-Salbe versorgt werden.

Außerdem hatte der gestürzte Senior in den wenigen Tagen zwischen seinem Sturz und seinem Ableben eine erhöhte Körpertemperatur, die sich bis zu seinem Todestag auf 40 Grad erhöhte. Trotzdem wurde er nicht in eine Klinik eingeliefert, sondern wurde im Heim in Gleusdorf behandelt und erhielt zum Teil Fusionen, da er weder getrunken noch gegessen hatte.

Einen Tag vor seinem Tod, am 22. August 2014, stellte der ebenfalls angeklagte Hausarzt des Heims eine Pneumonie (Lungenentzündung) bei dem 80-Jährigen fest. Eine Verlegung in eine Krankenhaus wurde nicht angeordnet. Am nächsten Tag um 6 Uhr morgens verstarb der Patient. Wenige Stunden später informierte der Hausarzt einen Kollegen, der die Sterbeurkunde ausstellen sollte, per Telefax auf die flapsige Tour mit den Worten: "Moin, moin … können Sie den Todesschein ausstellen. Der Patient ist tot."

Im Todesschein ist nur von einem natürlichen Tod die Rede. Als Ursachen werden unter anderem eine Gefäßkrankheit, Leberschäden, Anämie, Diabetes II, Demenz, Nikotinabhängigkeit und Hypertonie genannt. Der Sturz wenige Tage zuvor erscheint nicht als mögliche Todesursache. Eine Obduktion wurde nicht angeordnet.

Das Argument der Heimleitung, dass bei einer Patienten-Behandlung im Krankenhaus dem Heim viel Geld verloren ginge, entkräftete am achten Verhandlungstag ein Mitarbeiter der Sozialverwaltung des Bezirks Unterfranken. Er verhandelt auch mit Schloss Gleusdorf seit vielen Jahren die Pflegesätze. Der Bezirk springe ein, wenn Heimbewohner und Angehörige die Pflegekosten nicht mehr selbst tragen können, sagte er.

Ein Heimplatz im Schloss habe im Dezember 2016 monatlich 2495,50 Euro gekostet (darin ist der Beitrag der Pflegekasse enthalten) für einen Bewohner mit der damaligen Pflegestufe 1. Bei einem Krankenhaus-Aufenthalt von bis zu fünf Tagen würden dem Heim die vollen Kosten erstattet. Erst ab dem fünften Tag seien Abschläge von 25 Prozent angefallen - die allerdings laut dem Mitarbeiter kaum ins Gewicht fallen würden. Denn selbst bei zehn Tagen im Krankenhaus hätte das Heim noch knapp 2410 Euro erhalten - ohne dass der Einrichtung in dieser Zeit Verpflegungskosten oder Betreuungsaufwand entstanden wären.

Eine weitere Zeugin sprach über ihren Bruder, der noch immer im Schloss Gleusdorf wohnt. Zum Faustschlag ins Gesicht, den ihm laut Anklage der frühere Pflegedienstleiter verpasst haben soll, könne sie nichts sagen, da ihr Bruder Angst habe, etwas zu sagen. Sie habe jedoch bei ihm schon häufiger Verletzungen wie aufgescheuerte Knie oder blaue Fußnägel festgestellt. Ihm seien so viele Tabletten verabreicht worden, dass er nur noch "vor sich hin gesabbert hat."

Der Prozess wird am 4. Oktober fortgesetzt. Ein Urteil könnte nach Einschätzung des Vorsitzenden Manfred Schmidt noch vor Weihnachten fallen.

Autor

Martin Schweiger
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Veröffentlicht am:
19. 09. 2019
18:00 Uhr

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Autor

Martin Schweiger

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Veröffentlicht am:
19. 09. 2019
18:00 Uhr



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