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Hassberge

Gewappnet für den Katastrophen-Fall

260 Einsatzkräfte übten bei Ebern den Ernstfall: In einem Übungs-Szenario hatte ein Zug ein Auto mitgeschleift. Die Helfer mussten sich um 40 Verletzte kümmern.



Gespenstische Szenen boten sich am Freitag bei absoluter Dunkelheit den ersten Einheiten von Feuerwehr und Rettungsdienst am Unglücksort. Ein Pkw wurde neben die Gleise an eine Böschung geschleudert und stand in Flammen. Der eingeklemmte Fahrer (simuliert von einer Puppe), dessen linker Arm aus dem Fahrerfenster hängt, hatte keine Überlebenschance. Fotos: Michael Will / BRK
Gespenstische Szenen boten sich am Freitag bei absoluter Dunkelheit den ersten Einheiten von Feuerwehr und Rettungsdienst am Unglücksort. Ein Pkw wurde neben die Gleise an eine Böschung geschleudert und stand in Flammen. Der eingeklemmte Fahrer (simuliert von einer Puppe), dessen linker Arm aus dem Fahrerfenster hängt, hatte keine Überlebenschance. Fotos: Michael Will / BRK   » zu den Bildern

Ebern - Das Szenario war spektakulär und alle Beteiligten hoffen, dass es zu einem solchen Unglück niemals wirklich kommt. Am Bahnübergang an der Hetschingsmühle zwischen Ebern und Lind fand am Freitag in den Nachtstunden eine mehrstündige Katastrophenschutz-Übung statt. Mit rund 260 Einsatzkräften waren Feuerwehr, Bayerisches Rotes Kreuz und Technisches Hilfswerk im Großeinsatz. Zusammenstöße zwischen Fahrzeugen und Zügen auf der Strecke Bamberg-Ebern hat es in den letzten Jahren an Bahnübergängen immer wieder gegeben, glücklicherweise meist mit glimpflichen Ausgang. "Dennoch wollen wir auf so ein Ereignis vorbereitet sein", sagte der stellvertretende Katastrophenschutzbeauftragte des BRK im Landkreis Haßberge, Jürgen Geisel.

Zusammenspiel und logistische Herausforderung

Ziel der Übung war einerseits das Zusammenspiel von Feuerwehr, Bayerischem Roten Kreuz, Technischem Hilfswerk und der Integrierten Leitstelle Schweinfurt unter möglichst realen Bedingungen praktisch zu erproben. Andererseits wurde ein Augenmerk auf die zeitlichen Abläufe sowie die an der Einsatzstelle besonderen logistischen Herausforderungen gelegt.

Das private Eisenbahnunternehmen Agilis hatte großen Anteil an der erfolgreichen Durchführung der Katastrophenschutzübung. Eigens hierfür wurde ein Streckenabschnitt sowie ein Zug zu Übungszwecken bereitgestellt. "Der Austausch und die Zusammenarbeit mit den Feuerwehren und Einsatzkräften ist uns sehr wichtig, da auch wir im Ernstfall darauf angewiesen sind, gut geschulte Einsatzkräfte vor Ort zur Verfügung zu haben. Wir möchten uns an dieser Stelle für den ehrenamtlichen Einsatz bedanken und unterstützen gern", betonte Dr. Axel Hennighausen, Geschäftsführer von Agilis.

Insgesamt waren bei der Übung 40 Verletzte zu versorgen. Sie wurden von Mimen gespielt, die zuvor vom BRK-Team der Unfalldarstellung unter Leitung von Melanie Popp mit realistisch aussehenden Verletzungen geschminkt wurden.

Für die Einsatzkräfte von Feuerwehr und THW waren nach Worten von FFW-Übungsleiter Kreisbrandinspektor Thomas Habermann die Weitläufigkeit der Unfallstelle, unwegsames Gelände, die Dunkelheit und das Zubringen der technischen Geräte die größten Herausforderungen, ebenso die Ausleuchtung der rund 200 Meter langen Einsatzstelle. Für die Feuerwehr bildete die Übung den Abschluss des Feuerwehr-Schulungskonzeptes "Gruppenführer und Abschnittsleiter" in der Praxis.

Die Einsatzübung wurde unter anderem von Landrat Wilhelm Schneider, BRK-Kreisgeschäftsführer Dieter Greger, Bürgermeistern, Vertretern der Feuerwehrdienstaufsicht, des Landratsamtes, Agilis, der Polizei und weiteren Ehrengästen verfolgt.


Es ist Freitag, kurz vor 20.30 Uhr, als ein Zug des privaten Eisenbahnunternehmens Agilis den beschrankten Bahnübergang an der Hetschingsmühle passiert. Dabei kommt es zu einem folgenschweren Zusammenstoß mit einem Pkw, dessen Fahrer die geschlossenen Halbschranken bei Rotlicht noch schnell passieren will. Umgehend leitet der Zugführer eine Notbremsung ein, kann die Kollision mit dem Auto aber nicht mehr verhindern. Das Auto, in dem sich vier Personen befinden, wird auf den Gleisen vor dem Zug hergeschoben, der rund 150 Meter nach dem Bahnübergang zum Stehen kommt. Zwei weitere Autos werden erfasst und zur Seite geschleudert. Eines kommt auf der Seite im Graben zum Liegen, das andere wird eine Böschung hinunter geschleudert und beginnt zu brennen. Der Fahrer eines vierten Pkw, der sich gerade dem Bahnübergang nähert, erschrickt und fährt in die Böschung. Während in dem brennenden Fahrzeug ein Insasse eingeklemmt ist und das Unglück nicht überlebt, sind in den anderen Fahrzeugen insgesamt sieben Personen eingeklemmt und zum Teil lebensgefährlich verletzt. Auch im Zug, der zu diesem Zeitpunkt mit Dutzenden Personen besetzt ist, werden zwölf Fahrgäste schwer und zehn leicht verletzt. Das brennende Auto setzt zudem Teile des Bahndamms in Brand, Flammen lodern weithin sichtbar in den Nachthimmel.

Bereits eine Minute nach dem scheinbaren Unglück erreicht ein erster Notruf eines Zugfahrgastes über Handy die Integrierte Leitstelle (ILS) in Schweinfurt. Parallel dazu setzt der Zugführer über ein internes System einen Notruf bei der Bahnleitstelle ab. Sofort alarmiert die ILS nach einem festgelegten Alarmierungsplan zwei Rettungswagen, ein Krankentransportwagen, ein Notarzteinsatzfahrzeug und den Einsatzleiter Rettungsdienst sowie die Feuerwehren aus der Umgebung.

Knapp fünf Minuten nach dem Alarm trifft ein Rettungswagen der rund vier Kilometer entfernten BRK-Rettungswache Ebern am Unglücksort ein. Die Besatzung erkennt sofort, dass es eine größere Anzahl Verletzter gibt und lässt über die ILS weitere Rettungskräfte nachalarmieren - ein Großeinsatz für zahlreiche Einheiten aus der gesamten Region, auch benachbarter Landkreise, nimmt seinen Anfang.

Auch die Feuerwehren aus Ebern, Rentweinsdorf, Treinfeld und Untermerzbach sind wenige Minuten nach dem Alarm am Einsatzort, verschaffen sich einen ersten Überblick, beginnen mit der Brandbekämpfung sowie der technischen Rettung der in den Fahrzeugen eingeklemmten Personen, wobei mit mehreren Rettungsscheren und -spreizern gleichzeitig gearbeitet wird. Zudem werden Verletzte betreut und aus dem Gefahrenbereich gebracht. Weitere Feuerwehren werden nachalarmiert. Nach und nach treffen an der Einsatzstelle rund 260 Rettungskräfte von Feuerwehren, Rotem Kreuz und Technischem Hilfswerk ein. BRK-Rettungsdienst und BRK-Schnelleinsatzgruppen sind mit 42 Fahrzeugen vor Ort, darunter auch Rettungs- und Krankentransportwagen aus den Landkreisen Coburg, Bamberg und Schweinfurt. Die Feuerwehr hat 25 Fahrzeuge im Einsatz, auch das THW ist mit mehreren Spezialfahrzeugen und einem so genannten "Bahnrettungssatz", inklusive zwei auf den Gleisen fahrbaren Draisinen, dabei. Alarmiert wird ebenfalls ein Notfallmanager der Deutschen Bahn.

Sie alle üben nun gemeinsam die Bewältigung eines Massenanfalls von Verletzten. Neben der Zeit ist die Logistik bei einer solchen Rettungsdienstlage eine besondere Herausforderung. Verletzte müssen erfasst, kategorisiert, medizinisch versorgt und registriert werden, ebenso müssen von der ILS geeignete Krankenhäuser gefunden und deren Aufnahmekapazität abgefragt werden. Schließlich beginnt der Transport in die Kliniken der Region.

Das Team des als erstes an der Unfallstelle eintreffenden Rettungswagen kann sich bei einem Massenanfall von Verletzten nicht um die Versorgung von Patienten kümmern, das ist die Aufgabe der anschließend ankommenden Rettungsteams. Denn zunächst gilt es, sich einen Überblick über die Gesamtsituation zu verschaffen, die Lage zu erkunden und eine Rückmeldung an die Integrierte Leitstelle zu geben. "Gerade für die erste Rettungswagen-Besatzung ist ein solcher Massenanfall von Verletzten eine besondere Herausforderung und Belastung", sagt Michael Will, Pressesprecher des BRK-Kreisverbandes Haßberge. "Denn im Alltag ist das Team gewohnt, sich in aller Regel nur um einen Patienten zu kümmern, beispielsweise wenn jemand mit einem Herzinfarkt versorgt werden muss - Individualmedizin also." Bei einem solchen Massenanfall kann aber genau das nicht geleistet werden. Aber nur so könne gewährleistet werden, dass durch wichtige Entscheidungen am Anfang anschließend möglichst viele Verletzte adäquat gerettet und vor allem die wirklich Schwerverletzten frühzeitig identifiziert, versorgt und abtransportiert werden können:

"Einfach gesagt geht es bei einem Massenanfall von Verletzten nicht darum, jeden einzelnen Patienten möglichst schnell und optimal zu versorgen, sondern zu versuchen, möglichst viele Patienten zu retten und deren Überleben zu sichern."

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Veröffentlicht am:
24. 09. 2019
15:58 Uhr

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24. 09. 2019
15:58 Uhr



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