Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Hassberge

Glücklich und ein bisschen stolz

Knapp 6500 Menschen kommen im März 2012 nach Ebern, um sich bei der "Aktion Linus" in der Deutschen Knochenmarkspendedatei registrieren zu lassen. Unter ihnen ist auch Bianca Finnie: Ein Jahr später ist sie tatsächlich "Lebensspenderin".



Bianca Finnie mit ihrem Spenderausweis: Sie hat sich am 4. März 2012 in Ebern typisieren lassen und ist seit wenigen Wochen Stammzellenspenderin.	Foto: tnk
Bianca Finnie mit ihrem Spenderausweis: Sie hat sich am 4. März 2012 in Ebern typisieren lassen und ist seit wenigen Wochen Stammzellenspenderin. Foto: tnk   » zu den Bildern

Pfaffendorf - Wer denkt schon morgens, wenn er aufsteht, daran, dass er heute womöglich ein Leben retten kann? Auch Bianca Finnie, vor einem Jahr noch Schülerin in Ebern, ist sich an diesem Märztag 2012 wohl nicht wirklich dessen bewusst, als sie sich zusammen mit einer Freundin auf den Weg macht. Es ist der 4. März, und in Ebern herrscht an diesem Tag Ausnahmezustand: Rund 7000 Menschen sind auf den Beinen, um sich für den leukämiekranken Jungen aus Rentweinsdorf in der Deutschen Knochenmarkspendedatei (DKMS) registrieren zu lassen. "Aktion Linus und andere" heißt das Motto, doch natürlich ist es vor allem das Bild des kleinen Jungen, das die Menschen bewegt, das gesteht auch Bianca Finnie. Die damals 18-jährige Pfaffendorferin war von Mit-Organisatorin Ruth Einwag, ebenfalls aus Pfaffendorf, angesprochen worden - "das war gar keine Frage", sagt sie heute im Gespräch mit der Neuen Presse und schmunzelt: "Ich hab aber halt eine soziale Ader."

Angesichts der Menschenmassen, die sie gemeinsam mit ihrer Freundin Vanessa schon auf dem Hauptschulparkplatz am Typisierungsort antrifft, sieht sie die eigene Spende-Wahrscheinlichkeit jedoch gering. "Ich werde es sowieso nicht sein", denkt sie sich damals noch. Tatsächlich ist unter all den Menschen in Ebern niemand dabei, der als Stammzellenspender für Linus infrage kommt; er erhält wenig später die Stammzellen eines Kanadiers, die sein Körper mittlerweile gut angenommen hat.

Auch bei Bianca Finnie vergeht die Zeit, die Pfaffendorferin tritt ihre Ausbildung zur Krankenschwester in Erlangen an. Bis eines Tages im Januar dieses Jahres der Brief ins Haus flattert: "Die DKMS hat darin mitgeteilt, dass ich eventuell als Spender infrage komme - ich war total baff", erinnert sich Bianca Finnie. Der Hausarzt nimmt daraufhin noch einmal Blut von der inzwischen 19-Jährigen, Anfang Februar ist klar: Die Merkmale passen. "Und dann musste es sehr schnell gehen", berichtet Bianca Finnie heute. Die Entnahmestelle ist in Köln - und es ist Faschingszeit. "Die Hölle", lacht Bianca Finnie, doch sie kommt sicher im Krankenhaus an. Nach einer weiteren Voruntersuchung kommt es am 26. Februar zur Stammzellenspende.

Nachdem die künftige Krankenschwester sich vorab über einen Zeitraum von fünf Tagen fleißig Spritzen gesetzt hatte, die den Anteil der Stammzellen in ihrem Blut erhöhen sollten, geht es bei ihr vergleichsweise schnell. "Nach vier Stunden war es gelaufen!", strahlt sie: "Ich war die erste im Zimmer, die fertig war". Mit ihr sind an diesem Tag neun weitere zur "Lebensspende" bereit. Alle spenden durch die "periphere Stammzellenentnahme", ohne Operation, "eher wie bei einer Dialyse", so Bianca Finnie. Und obwohl die 19-Jährige in ihrem künftigen Beruf mit einer Menge Nadeln und Spritzen zu tun haben wird - bei sich selbst hat sie schon ein bisschen Respekt vor dem unangenehmen Pieks. Letztlich geht aber auch das vorüber, und anschließend kann die 19-Jährige sogar mit ihrer Mutter zusammen zum Shoppen in die Fußgängerzone. "Wenn man das einmal direkt mitbekommen hat, ist das wirklich ein Klacks", sagt die Mama: "Ein wirklich geringer Aufwand dafür, dass man damit vielleicht ein Leben retten kann."

Wenig später erfährt die Pfaffendorferin, wem sie da mit ihren Stammzellen die Chance auf Genesung gegeben hat: Ein Mann, Deutscher, 62 Jahre alt. "Da war ich schon erstaunt", sagt Bianca Finnie, die "irgendwie damit gerechnet" hatte, für einen jungen Menschen die passende Spenderin zu sein. In ihrem Fall kam es zu einer sehr seltenen und fast unwahrscheinlichen Übereinstimmung von 100 Prozent. "Das ist schon ein komisches Gefühl", sagt die 19-Jährige nachdenklich, "einen genetischen Zwilling zu haben". Nachdenken musste sie übrigens keine Sekunde, ob sie zur Spende bereit ist: "Das ist doch klar!"

In ein paar Wochen darf die Spenderin nachfragen, ob der Körper des Patienten ihre Stammzellen angenommen hat und wie es ihm geht. "Nach zwei Jahren darf ich ihn dann kennenlernen, wenn er das auch möchte", so Bianca Finnie. Sie ist "unheimlich glücklich und auch ein bisschen stolz, vielleicht ein Menschenleben gerettet zu haben". An ihrer Arbeitsstelle im Erlanger Uni-Klinikum will die Pfaffendorferin zum diesjährigen Sommerfest jetzt ebenfalls eine Typisierungsaktion starten: Damit es noch viele Menschen gibt, die ihre Erfahrung teilen können.

Ich war total baff.

Bianca Finnie über ihre Reaktion auf den Brief der DKMS, sie komme für eine Stammzellenspende infrage


Autor

Von Tanja Kaufmann
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
16. 04. 2013
00:00 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Freunde Krankenschwestern Leukämiekranke Rettung Stammzellen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Freuen sich in gebührendem Abstand über die Auszeichnung als "Selbsthilfefreundliches Krankenhaus" (von links): Die Vorstandsvorsitzende der Haßberg-Kliniken, Dr. Vera Antonia Büchner, Landrat Wilhelm Schneider, Monika Strätz-Stopfer, Leiterin der KOS und die Selbsthilfebeauftragte der Haßberg-Kliniken Natalja Kruppa. Foto: Haßberg-Kliniken/Marco Heumann

22.05.2020

Selbsthilfe stärker in den Fokus gerückt

Die Haßberg-Kliniken haben es geschafft: Sie erhalten das Qualitätssiegel "selbsthilfefreundliches Krankenhaus". » mehr

Bilder wie dieses aus dem Mungo National Park machen einen Teil der Faszination Australiens aus.

05.03.2020

Abenteuer "Down Under"

Mit 18 Jahre ging Kathrin Schumm für ein Jahr als Au Pair nach Australien. Aus einem Jahr wurden fast sechs. Jetzt ist Kathrin 24, Krankenschwester mit australischem Bachelor, und sie ist zurück im Steigerwald. » mehr

Ein Trauma, das nicht vergeht

16.08.2020

Ein Trauma, das nicht vergeht

Der ehemalige Polizeihauptkommissar Helmut Will aus Ebern hat in seiner Karriere vieles gesehen. Unter anderem kam ihm dabei auch ein Fall unter, in dem es um K.O.-Tropfen ging. » mehr

Um 6.21 Uhr erblickte der 3760 Gramm schwere Lennox am 1. Januar als erster neuer Haßbergler 2020 in der Station Gynäkologie/Geburtshilfe im Haus Haßfurt der Haßbergkliniken das Licht der Welt. Über den neuen Landkreisbürger freut sich neben der glücklichen Mama Denise Melber (rechts) auch die verantwortliche Hebamme Carola Lutsch.	Foto: Naumann

01.01.2020

Das erste Haßberge-Baby 2020 heißt Lennox

Der kleine Breitbrunner kam am Neujahrsmorgen um 6.21 Uhr zur Welt. Das Jahr 2019 beschließen die Haßberg-Kliniken mit stolzen 406 Geburten. » mehr

Unter Applaus schritten die jungen Stars den roten Teppich entlang zur Premiere. Hier Mia-Sophia Diehm, deren Papa in mühevoller Kleinarbeit den Film aus unzähligen Einzelteilen zusammen gesetzt hat.

14.07.2020

Kleine Stars ganz groß

Das traditionelle Singspiel in Zeil sieht heuer ganz anders aus, als bisher. Statt auf der Bühne findet das diesjährige Stück auf der Leinwand statt. » mehr

Im Rahmen der Feier zum 60-jährigen Bestehen der Berufsfachschule für Pflegeberufe wurde der langjährige Leiter Udo Burger verabschiedet. Im Bild (vorne von links) Sebastian Remelé, Wiltrud und Udo Burger, Landrat Wilhelm Schneider und der leitende Medizinaldirektor Dr. Rainer Schuà sowie (hinten von links) der neue Schulleiter Dirk Niedoba, die Chefärztin Dr. Hildrun Schättin und der leitende Regierungsschuldirektor Norbert Kornder. Fotos: Langer

06.11.2019

60. Jahre Dienst am Nächsten

Pflegen will gelernt sein. Damit künftige Pfleger sicher wissen, was zu tun ist, gibt es unter anderem die Berufsfachschule für Pflegeberufe in Haßfurt. Diese feiert nun großes Jubiläum. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Parking Day in Coburg

Parking Day in Coburg | 18.09.2020 Coburg
» 23 Bilder ansehen

Schaeffler Aktionstag in Eltmann Eltmann

Schaeffler Aktionstag in Eltmann | 16.09.2020 Eltmann
» 7 Bilder ansehen

WG: Totschlags-Prozess Coburg

Gerichtsprozess in Coburg | 14.09.2020 Coburg
» 16 Bilder ansehen

Autor

Von Tanja Kaufmann

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
16. 04. 2013
00:00 Uhr



^