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Hassberge

Haßfurt wird Hochschulstandort

In der Landkreishauptstadt soll bis 2023 ein Zentrum für Kunststofftechnologie. entstehen. Das dortige Studium soll jungen Menschen und Unternehmen im Landkreis gleichermaßen zugute kommen.



Rund 4800 Arbeitskräfte in Mainfranken sind im Bereich Kunststoffverfahrenstechnik tätig - 4000 davon im Kreis Haßberge. Wellrohre oder Leitungskanäle werden hier konzipiert, produziert und teils in die ganze Welt verkauft. In einem Technologietransferzentrum (TTZ) in Haßfurt sollen in Zukunft bis zu 60 Studenten jährlich einen Hochschulabschluss erlangen. Landrat Wilhelm Schneider konnte am Montagabend die positiven Beschlüsse unterzeichnen.	Fotos: Schuster
Rund 4800 Arbeitskräfte in Mainfranken sind im Bereich Kunststoffverfahrenstechnik tätig - 4000 davon im Kreis Haßberge. Wellrohre oder Leitungskanäle werden hier konzipiert, produziert und teils in die ganze Welt verkauft. In einem Technologietransferzentrum (TTZ) in Haßfurt sollen in Zukunft bis zu 60 Studenten jährlich einen Hochschulabschluss erlangen. Landrat Wilhelm Schneider konnte am Montagabend die positiven Beschlüsse unterzeichnen. Fotos: Schuster   » zu den Bildern

Haßfurt - Ein seltener Anblick hat sich am vergangenen Montag in der Stadthalle in Haßfurt geboten: Dicht gedrängt tummelten sich Mitglieder sowohl des Kreistages als auch des Stadtrates Haßfurt zu einer gemeinsamen Sitzung in dem großen Saal. Mit dabei: Vertreter namhafter Unternehmen aus der Region, der Handwerkskammer, der Regierung von Unterfranken sowie der Banken und auch der Fachhochschule (FH) Würzburg/Schweinfurt. Diese hatten Plätze als Beobachter eingenommen, um das Ergebnis einer wegweisenden Abstimmung mitzuerleben. Denn das Votum der beiden Gremien stellte die Weichen für den Hochschulstandort Landkreis Haßberge.

Schon im vergangenen Jahr hatte Landrat Wilhelm Schneider (CSU) angekündigt, dass man den Landkreis als Bildungsregion noch weiter festigen wolle (wir berichteten). Besonders das fehlende Hochschulangebot begünstigte in den vergangenen Jahren, dass junge Menschen für ein Studium den Landkreis verlassen und sich dann auch andernorts nach einer Beschäftigung umsehen.

Da rund ein Viertel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Landkreis im Bereich Kunststofftechnologie und Rohrsystemen tätig sind, hatte man mit den ansässigen Unternehmen nach einer Möglichkeit gesucht, um gleichzeitig den Bedarf in den Feldern Forschung, Fortbildung, duale Ausbildung und berufsbegleitende Studiengänge zu decken. Nun stimmten Kreis- und Stadträte einstimmig für die Errichtung eines sogenannten Technologietransferzentrums (TTZ) für Werkstoff- und Kunststofftechnologie und die damit einhergehende Finanzierung von Räumlichkeiten und einer Professorenstelle.

Letztere soll zunächst befristet über den Zeitraum von fünf Jahren mit Hilfe einer Stiftungsprofessur des Stifterverbandes für die Deutsche Wirtschaft entstehen. Die Kosten hierfür von rund 130 000 Euro jährlich teilen sich die Unternehmen, Handwerkskammer, IHK und Kreditinstitute zu rund 60 Prozent. Die übrigen 50 000 bis 60 000 Euro teilen sich die Stadt Haßfurt und der Landkreis. Nach der fünfjährigen Testphase folgt eine Evaluation des Wissenschaftsministeriums. Wird diese positiv beschieden, übernimmt der Freistaat die Kosten für die Professur.

Die Einrichtung selbst ist im Herzen der Stadt Haßfurt auf den Gelände der Heinrich-Thein-Berufsschule geplant. Dort wird derzeit umfassend saniert, danach soll im nördlichen Gebäudekomplex aber genügend Platz für die technische Ausrüstung sein. Die Kosten für Sanierung und Umbau des Berufsschul-Gebäudes belaufen sich nach einer ersten Berechnung des Landratsamts auf rund 5,3 Millionen Euro, die sich die Stadt und der Landkreis teilen werden.

Studierende sollen dort an Projekten arbeiten, die von Unternehmen aus dem Landkreis begleitet werden und dabei einen Hochschulabschluss erlangen. Die Kombination von Wissenschaft und Wirtschaft soll somit einerseits der heimatnahen Aus- und Weiterbildung junger Menschen im Landkreis dienen, für Nachschub an Fachkräften sorgen und die Expertise der Wirtschaftspartner weiter beflügeln. Langfristig soll ein Kompetenzzentrum für den Bereich Kunststoff entstehen.

Marco Siller, Leiter Entwicklung und Produktmanagement bei Fränkische Rohrwerke, erläuterte, dass bei diesem Projekt vor allem der Erfindergeist von Bedeutung sei. Im Gegensatz zu Siemens oder Bosch habe man hier keine "riesigen, outgesourcten Forschungsabteilungen". Hochschulen mit diesem Fachgebiet befänden sich meist weit entfernt. Gerade junge Menschen, die sich neben der Arbeit im Sinne lebenslangen Lernens weiterbilden, könnten so kaum eine Familie aufbauen.

Natürlich biete das TTZ einerseits Vorteile im Wettbewerb für die Unternehmen. Im Bereich Kunststofftechnik habe eine solche Einrichtung aber auch umweltpolitisch eine große Wirkung. Mit Kunststoffrohren könne man neben den Verwendungszwecken in Haushalt, Automobilbranche und kommunaler Infrastruktur bei versiegelten Flächen gegen die Auswirkungen von Sturmfluten vorbeugen oder durch die stärkere Verwertung von Materialien auch den CO2-Verbrauch reduzieren. Dabei werde die Qualifizierung in Bachelor- oder Masterstudiengängen immer wichtiger, so Siller

Prof. Dr. Volker Herrmann als Vertreter der FH Würzburg/Schweinfurt ging zudem auf die technische Ausstattung der Einrichtung ein. Rund 8 Millionen Euro innerhalb der ersten fünf Jahre lautete der Kostenvoranschlag des Fachmann für die Aufbereitung von Kunststoffen und Kautschuktechnologie. Als einzelne Bausteine nannte er drei Produktionslinien für Glatt- und Wellrohre, eine Mühle, eine Recyclinganlage sowie Prüf- und Messgeräte. "Was bisher fehlt, ist ein gelebter Austausch von Wissen und Technologie", bekräftigte auch er. Die Räume in Haßfurt seien dafür aber bestens geeignet.

Nach jetzigem Planungsstand wird das TTZ zum Wintersemester 2023 in Betrieb genommen. Allein die Sanierung des Berufsschulgebäudes wird dabei noch mit mindestens zwei Jahren angesetzt. Ab 2020 ist mit der Haushaltsberechnung des zuständigen Ministeriums für 2021/22 zu rechnen und ab Herbst 2021 könnte der Stifterverband die Suche nach einem geeigneten Lehrstuhlinhaber beendet haben. Anfang 2022 könne die Ausschreibung für die Ausstattung beginnen.

Laut eines ministerialen Schreibens, aus dem Landrat Schneider am Montag zitierte, hat der bayerische Wissenschaftsminister Bernd Sibler bereits signalisiert, dass er das "vielversprechende" Projekt "gern unterstütze" - sofern das Gesamtkonzept stimmig sei. Auch Landrat Wilhelm Schneider hakte nach der Abstimmung an dieser Stelle ein. "Jetzt geht es erst weiter", so Schneider und wies damit indirekt auf die vielen noch ausstehenden Gespräche und Anträge an, die es benötigt, bis Haßfurt tatsächlich ein Hochschulstandort ist.

Autor

Christian Schuster
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Veröffentlicht am:
22. 10. 2019
17:46 Uhr

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Autor

Christian Schuster

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Veröffentlicht am:
22. 10. 2019
17:46 Uhr



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