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Hassberge

Horror-Jahr für Sammler

Erst die Trockenheit, nun Radioaktivität: Die schlechten Nachrichten für Pilzfreunde reißen heuer nicht ab. Doch Eberner Experten geben Entwarnung.



Heuer bleiben die meisten Körbe leer. Die Trockenheit hat ihnen den Garaus gemacht.	Symbolfotos: Pierre/Eric Isselée/Adobe Stock
Heuer bleiben die meisten Körbe leer. Die Trockenheit hat ihnen den Garaus gemacht. Symbolfotos: Pierre/Eric Isselée/Adobe Stock   » zu den Bildern

Ebern – "Der Eberner Pilzherbst fällt nicht ins Wasser sondern ist schlichtweg ausgetrocknet", resümiert Klaus Mandery, Vorsitzender der Kreisgruppe Haßberge des Bund Naturschutz auf Anfrage der Neuen Presse. Auch wenn es hier und dort einmal geregnet hat, für die Speisepilze in der Region war es jedoch immer noch zu wenig Wasser.

Strahlen-belastetes Wild

Neben den Pilzen stehen auch immer wieder die Wildschweine im Verdacht, auch 32 Jahre nach der Katastrophe noch radioaktiv belastet zu sein. Ein Grund: Hirschtrüffel lagern das radioaktive Cäsium 137 besonders stark ein und sind eine Leibspeise des Schwarzwildes. Doch auch Eicheln, Kastanien und anderes Futter führt dazu, dass die Tiere die Radioaktivität mit der Nahrung aufnehmen. In der Regel ist das Fleisch hierzulande jedoch unbedenklich, da es kontrolliert wird. Das bestätigt auch Klaus Mandery, Vorsitzender der Kreisgruppe Haßberge des Bund Naturschutz: "Vom Wild, insbesondere Wildschweinen, werden regelmäßig Stichproben untersucht." Es sei aber zu bemängeln, dass die Ergebnisse nicht öffentlich gemacht werden. "So bleibt der Argwohn, es müsste etwas vertuscht werden", erklärt der Fachmann.

 

"So ein schlechtes Pilzjahr wie das Jahr 2018 hatten wir noch nie, es wird sich auch nicht mehr viel ändern", bestätigt auch Herbert Stang, Pilzexperte aus Ebern. "Das gilt für fast die gesamte Mitte Deutschlands, wo es viel zu wenig geregnet hat. Ich selbst habe fast nur Pilze gefunden, die mit Holz in Verbindung stehen beziehungsweise auf Holz wachsen." So habe er Hallimasch, Krause Glucke oder Stockschwämmchen gesichtet. "Gelegentlich wurde auch ein einzelner Pilz, beispielsweise ein Parasol, gefunden, was aber nicht zu einer Pilzmahlzeit reichte", so Stang.

 

Kein gutes Jahr für Pilzsammler also und es wird, wenn man den Forschern und ihren Voraussagen bezüglich des Klimawandels Glauben schenken darf, nicht besser werden. Doch was dann? Bleiben die Körbe der Sammler künftig immer leer? "Unsere üblichen Pilze werden sich nicht anpassen, es wird bei Wassermangel immer so schlecht aussehen", prognostiziert Stang. Es gebe Pilze, welche die Wärme und Trockenheit besser vertragen und sich eventuell hier ausbreiten könnten, beispielsweise der Ölbaumpilz. Doch der ist, fügt Stang hinzu, giftig.

Apropos giftig: Messungen des Bundesamtes für Strahlenschutz haben ergeben, dass auch die Speisepilze nicht unbedenklich sind. So seien, dem Amt zufolge, auch 32 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl weiterhin höhere Werte an radioaktivem Cäsium 137 in Waldpilzen nachweisbar. Beispielsweise würde der Rotbraune Semmelstoppelpilze in bestimmten Regionen bis zu einigen tausend Becquerel Cäsium 137 pro Kilogramm Frischpilz aufweisen. Noch einmal: einige tausend. Im Handel jedoch dürften Pilze den Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm nicht überschreiten.

Erst Trockenheit und Dürre, nun verstrahlte Pilze. Den Sammlern in der Region bleibt heuer auch nichts erspart. Oder ist vielleicht doch alles nur halb so schlimm? "Die Belastung mit radioaktivem Cäsium beschränkt sich auf den Maronenröhrling", erklärt Klaus Mandery. Dies gelte auch für Ebern. "Im Rahmen eines Untersuchungsprojektes der Pilzkundlichen Arbeitsgemeinschaft Coburg mit der Hochschule Fulda hatte ich vor zwei Jahren Proben verschiedener Pilzarten aus Ebern zusammengestellt und mit untersuchen lassen. Dabei konnten nur beim Maronenröhrling erhöhte Werte festgestellt werden", führt er weiter aus. "Verzehrt man diese Pilze aber nicht regelmäßig und in großen Mengen, ist keine größere Beeinträchtigung durch das radioaktive Material zu erwarten", beruhigt der Fachmann.

Auch Herbert Stang sieht im Konsum heimischer Pilze, so man denn welche findet, keine Gefahr. "Diese Meldung betrifft uns das zwar auch, aber unsere Region deutlich weniger", erklärt der Pilzexperte. "Ich habe keine neuen Daten aus unserem Bereich, aber die Werte lagen meist unter den zulässigen Grenzwerten. Nahe an den Grenzwerten lagen in den vergangenen Jahren der Reifpilz und der Maronenröhrling", stimmt er Mandery zu.

Doch wie sieht es mit den Pilzen aus, die man im Restaurant oder im Supermarkt erhält? Bei denen man nicht sicher sein kann, ob sie auch aus der Region oder nicht doch aus wesentlich belasteteren Gegenden stammen? "Das weiß ich nicht. Bei gekauften Pilzen steht aber oft eine Expertise des Institutes Fresenius auf dem Etikett. Ich glaube, dass hoch belastete Pilze bei uns nicht verkauft werden", erklärt Stang und Mandery fügt an, dass Importware stets überprüft werde.

Stang, der selbst einen Sammler kennt, der regelmäßig Proben zur Kontrolle einschickt erklärt: "Ich habe diesen Sammler in diesem Jahr noch nicht gesprochen, aber an den Ergebnissen der früheren Jahre konnte man einen Abwärtstrend der Belastung erkennen."

Was also sollte der Pilzliebhaber berücksichtigen? "Ich glaube, dass eine Pilzmahlzeit pro Woche unbedenklich ist. Zur Zeit dürfte es selbst dazu nicht reichen, höchstens man kauft Pilze. Vollkommen unbelastet sind da natürlich alle Zuchtpilze wie Champignon, Austernseitling, Braunkappe und andere."

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Katja Paczynski
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Veröffentlicht am:
22. 10. 2018
00:00 Uhr

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Katja Paczynski

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22. 10. 2018
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