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ISEK ebnet den Weg in die Zukunft

Reckendorf will schöner, lebens- und liebenswerter werden. Helfen soll dabei das Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept. Über den aktuellen Stand informierte nun Bürgermeister Manfred Deinlein.



Der Friedhofsparkplatz mit den Spuren der aktuellen Vermessung, im Hintergrund das renovierte Leichenhaus. Foto: Adelheid Waschka
Der Friedhofsparkplatz mit den Spuren der aktuellen Vermessung, im Hintergrund das renovierte Leichenhaus. Foto: Adelheid Waschka  

Reckendorf - Zur Zwischenbilanz des Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts, kurz ISEK, für Reckendorf hatte Bürgermeister Manfred Deinlein (SPD) die Bevölkerung zu einer Sondersitzung eingeladen. Es sollten die "Hotspots", also "heißen Punkte", beleuchtet werden, so führte Diplomingenieur Leonhard Valier vom gleichnamigen Büro für Städtebau und Bauleitplanung (Bamberg) in die Thematik ein. Zur Seite standen ihm Architektin Christiane Werthmann (Büro Städtebau, Bamberg) sowie Gunter Schramm (Büro Planwerk, Nürnberg), der sich für die Analyse der Haushaltsbefragung verantwortlich zeigte.

Ergebnisse der Haushaltsbefragung

Gunter Schramm vom zweiten beteiligten Büro Planwerk aus Nürnberg ging auf die Ergebnisse der Haushaltsbefragung vom Herbst 2019 ein. Man durfte sich über 30,8 Prozent Rückläufe freuen, dass waren 267 Haushalte, zuzüglich 16 ausgefüllter Online-Fragebögen, die sich beteiligt hatten.

Als Stärken sah man im Ort die gute Verkehrsanbindung (101 Stimmen), gute Nahversorgung (88) und lebendiges Vereinsleben (74) sowie die Naturnähe und Landschaft (50). Als Schwachpunkt wertete man die fehlende ärztliche Versorgung (133!), das starke Verkehrsaufkommen (61) sowie fehlende ausgebaute Geh- und Radwege (28) und die Parksituation im Ort (25). Fast jeder Rücklauf vermisste Ärzte und Fachärzte (176). Die Versorgungssituation für den sonstigen Einzelhandel (ohne Lebensmittel) wurde von 19 Prozent, Kultur von 20 Prozent und Gesundheit von 12 Prozent) als sehr schlecht eingestuft, wogegen das Freizeitangebot mit wenigen Ausnahmen, nämlich Mangel an Spiel- (6 Prozent) und Sportplätzen (5 Prozent) verhältnismäßig gut abschnitt.

Als beliebteste Aufenthaltsorte wurde der Dorfplatz mit Kirche (39 Stimmen) sowie der Wald/Natur (34) zuzüglich fünf Meldungen zum Areal Judenfriedhof/Wasserhäuschen angegeben.

Ein Verbesserungsbedarf an diesen Lieblingsplätzen wurde mit Aufstellen von Sitzgelegenheiten, Verschönerungs-/Gestaltungsarbeiten sowie Modernisierung gesehen. 59 Prozent der Befragten hatten eine Verlangsamung des Verkehrs am Ortsein- und -ausgang gewünscht. Eine Ortsentwicklung wünschte man sich mittels Sanierung der Straßen (120 Nennungen), Angebote für Jugendliche (119), Ausbau der Nahversorgung (119) sowie eine Ansiedlung weiterer Betriebe (117). Angebote für ältere Menschen, auch im Bereich für seniorengerechte Wohnungen und Barrierefreiheit lagen im Mittelfeld. Eine Zufriedenheit herrschte im ‚sozialen Miteinander‘, schloss Schramm.


Die Wünsche, Anregungen und Bedürfnisse der Bürger wurden von den beiden Büros zunächst gesammelt und ausgewertet. Das gemeinschaftlich erarbeitete Konzept soll dann die Basis der kommenden Gemeinderatssitzungen bilden, in denen dann die weiterführenden Beschlüsse gefasst werden müssen. Dies wäre die Handlungs- und Entscheidungsgrundlage für die nächsten zehn bis 20 Jahre, betonte Valier, wobei ein großer Rahmen mit langer Zeitperspektive nicht außergewöhnlich sei. Die vorbereitenden Untersuchungen setzen das Sanierungsgebiet fest, welches sich in Reckendorf auf den Altbereich bezieht. Eine Satzung soll privaten Grundstücksbesitzern helfen, bei einer anstehenden Renovierung des schützenswerten Altbestands erhöhte steuerliche Vergütungen zu erhalten.

Zwei Drittel der Planungsphase seien jetzt schon erreicht, erklärte Architektin Christiane Werthmann (Bamberg). Nach Abschluss der Expertenrunde und Haushaltsbefragung steht jetzt die Überprüfung und Bewertung von Seiten der Kommune und Planer an. Werthmann ging auf die themengebundenen Handlungsfelder ein, welche man fokussieren sollte. Eine Machbarkeitsstudie zum Thema "Bürgertreff" mit möglicher Nutzung des "Stolbinger-Areals" sei, so Werthmann, in Aussicht zu stellen, nämlich mit Seniorenbetreuung, -wohnen, medizinischer Versorgung, Café, Anlaufstelle für Schüler, Nachbarschaftshilfe, Vereine, Quartiersmanagement und vielem mehr. Weitere Schwerpunkte lägen auf dem Leerstandsmanagement, wofür der Allianzmanager zuständig sei, und die öffentliche Nachnutzung kommunaler leer stehender Einrichtungen. Auch das Wiederauflebenlassen des vor 30 Jahren gepflegten kommunalen Fassadenprogrammes sei zu empfehlen, um das innerörtliche Erscheinungsbild aufzuwerten. Wünschenswert wäre der Erhalt historischer Fußwegverbindungen, eine erhöhte Verkehrssicherheit durch eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 km/h, Gehwegverbreiterungen und Barrierefreiheit. Für letzteres wäre ein Termin "in größerer Runde" angebracht, da auch Baunach diese Probleme äußert. Die innerörtliche Radwege-Führung könnte durch Anzeigen von Alternativrouten verbessert werden. Ein weitere Ziel sollte es sein, die Aufenthaltsqualität in der "Reckendorfer Mitte" (Dorfplatz) zu stärken.

Bezüglich des Fragebogens zur Nachbarschaftshilfe wünscht man sich ein Bürger-Mobil, kleine technische Hilfeleistungen, einen Besuchsdienst sowie Hilfe bei der Grabpflege, im Umgang mit den Neuen Medien, in Haushalt und Garten oder bei der Kinderbetreuung, Nachhilfeunterricht und Lese-Patenschaften, was unter anderem über einen Bürgertreff organisiert werden könnte. Hinzufügend erwähnte Gunter Schramm, dass es hierfür das Zuschussprogramm "soziale Stadt" gebe. Eine Fahrradstation am Bahnhof, alternative Wohnformen, ein Umwandeln der Pfarrjugend in einen öffentlichen Jugendtreff, so lauteten die weiteren Vorschläge. Ein Quartiersmanagement vor Ort könne eine enge Kooperation mit lokalen Akteuren voranbringen, was bis zu 60 Prozent gefördert werde, so der Planer.

Bürgermeister Manfred Deinlein erinnerte, dass der örtliche Einzelhandel mittlerweile in neuen Händen sei: "Würde sich zusätzlich ein kleiner Laden rentieren? Wäre der Markt dafür da? Oder graben wir uns da nicht das Wasser ab?" Hierauf erinnerte Schramm, dass alles in enger Abstimmung stattfinden müsse, möglich wäre ein Schwerpunkt auf regionale Bioprodukte oder neue Dienstleistungs-Vorschläge. Das Angebot könne aber auch im Lebensmittelmarkt untergebracht werden, ergänzte Städteplaner Leonhard Valier. Indem Gemeinderat Andreas Knab daran erinnerte, dass "viele außerhalb kaufen" und bei dem Stolbinger-Areal Parkplätze für eine angedachte Arztpraxis fehlen würden, erinnerte Valier daran, dass mit diesem Konzept lediglich die Bandbreite dargestellt werde, "die städtebauliche Entwicklung hängt von Ihnen ab." Daraufhin stellte Gemeinderat Ludwig Blum die Frage in den Raum: "Für den ‚Stolbinger‘ gibt es Zuschüsse, doch wie trägt sich das bei 2000 Einwohnern im laufenden Betrieb?", worauf der Städteplaner antwortete: "Sie müssen sich immer zuerst die Frage stellen, wie viel können Sie sich leisten? Eine Wohngemeinschaft für Demenzkranke trägt sich!" Auch bemängelte Kommunalpolitiker Blum, dass das bestehende Jugendprogramm JAM gar nicht erwähnt wurde.

Gemeinderat Markus Sippel (WBFW) erinnerte an die von den Bürgern gewünschte Verkehrsberuhigung und stellte mit Bezug auf die geplante Querungshilfe die Frage: "Sehen Sie Chancen einer Verbesserung?" Städteplaner Schramm meinte hierzu, dass Modellversuche mit 30 km/h bei Staatsstraßen durchgeführt werden, "es bewegt sich etwas, der Druck muss aber von unten kommen, von der Kommune", und Herr Valier ergänzte: "Die Gehwege hier sind eine reine Katastrophe!"

Gemeinderat Knab (SPD) brachte schließlich mit seinem Kommentar alles auf einen Punkt: "In der Umfrage haben die Reckendorfer geantwortet, die Gemeinschaft und die Natur seien das wichtigste, der Erhalt der ländlichen Idylle und eine gute Erreichbarkeit, nicht das Wachstum."

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Adelheid Waschka
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Veröffentlicht am:
22. 01. 2020
14:32 Uhr

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Autor

Adelheid Waschka

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Veröffentlicht am:
22. 01. 2020
14:32 Uhr



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