Lade Login-Box.
Topthemen: Loewe-InsolvenzNP-FirmenlaufGlobe-TheaterMordfall OttingerHSC 2000 CoburgStromtrasse

Hassberge

In die Heimat der Ahnen

Eine Nachfahrin der jüdischen Familie Walter besucht Reckendorf. Sie kommt von Neuseeland.



Morag Baruch vor dem Grabsteinvon Nathan und Rosa Walter auf dem jüdischen Friedhof in Reckendorf. Foto: Adelheid Waschka
Morag Baruch vor dem Grabsteinvon Nathan und Rosa Walter auf dem jüdischen Friedhof in Reckendorf. Foto: Adelheid Waschka  

Reckendorf - Was veranlasst eine Neuseeländerin, auf ihrer Fahrradtour entlang der schönsten Flüsse Deutschlands - Mosel, Rhein, Main - samt Ehemann einen Abstecher an die Baunach zu machen? Der Name verpflichtet: Die Ärztin Dr. Morag Baruch aus Tauranga im nördlichen Teil der Nordinsel von Neuseeland ist Nachfahrin der Familie Walter.

Emanuel Walter hatte vor 110 Jahren in Reckendorf die Nathan-und-Rosa-Walter'sche-Kinderheimstiftung gegründet. In den USA zu Vermögen gekommen, überließ er kurz vor seinem Tod im Sommer 1905 sein Elternhaus zur Gründung eines Kindergartens für alle Kinder, "gleich welcher Religion". Da sich das Stiftungsvermögen hauptsächlich aus Grundbesitz zusammensetzte, überstand es im Gegensatz zu anderen Fonds auch das Inflationsjahr 1923.

Das Anwesen in der Bahnhofstraße besteht aus dem barocken Fachwerkhaus und einem kleineren Häuschen, das Emanuel seinem Cousin Hermann für den Stiftungszweck abgekauft hatte. Die Scheune der einstigen Viehhändler mit Hopfendarre wurde 1953 abgerissen, an der Stelle errichtete die Gemeinde das heutige Rathaus. Bis zur Gründung des Caritas-Kindergartenvereins St. Nikolaus im Jahr 1974 war die Stiftung Träger des Kinderheims.

Viele jüdische Familien, die Mitte des 19. Jahrhunderts in das Gelobte Land ausgewandert waren, halten noch heute die Tradition aufrecht und besuchen regelmäßig den Ort ihrer Wurzeln. Verband man vor dem zweiten Weltkrieg die Reise mit einem Kuraufenthalt in den renommierten Bäderstädten, so bilden heute die europäischen Weltkulturerbe-Stätten ein beliebtes Ziel.

Besuch auf dem Friedhof

Während der Rast in Reckendorf erfolgte die offizielle Begrüßung der Eheleute Baruch Hudson durch Bürgermeister Manfred Deinlein und Altbürgermeister Klaus Etterer, die eine Dokumentation zur Reckendorfer Geschichte übergaben. Archivarin Adelheid Waschka überraschte die Gäste mit der Ausstellung, die anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Kinderheimstiftung zusammengestellt worden war.

Anschließend führte der Weg auf den jüdischen Friedhof, der mittlerweile von Nicole Grom wissenschaftlich erforscht ist. Die Erinnerung an die Walter-Namen auf den Grabsteinen wird noch heute in der Familientradition hoch gehalten. Denn in der Heimat war die Vernetzung der Reckendorfer Juden bereits so engmaschig, dass man sich in der neuen Welt ganz auf die Verwandtschaft und die ehemaligen Nachbarn verlassen konnte.

In Amerika kamen "die Reckendorfer" einer aristokratischen Gesellschaftsschicht gleich, die vor allem im kulturellen Leben, im Banken-, Bildungs- und Gesundheitswesen als großzügige Förderin auftrat. Neben der Familie Walter werden die Namen Haas, Hellmann, Goldmann, Fleischmann, Schiffer noch heute ehrenhaft erwähnt.

Dem Vater von Morag, Donald Walter Baruch, waren diese familiären Verbindlichkeiten zu viel des Guten und er wanderte 1952 von Kalifornien nach Neuseeland aus. Die in der Überlieferung hochgehaltenen kulturellen Werte gab er an die Tochter weiter.

Die Ausstellung

Die Genisa-Ausstellung im Reckendorfer "Haus der Kultur - Ehemalige Synagoge" über die jüdische Gemeinde in Reckendorf ist jeden ersten Sonntag im Monat von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. aw

Autor

Von Adelheid Waschka
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
06. 08. 2015
00:00 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Aristokratie Ehegatten Ehemänner Friedhöfe Gesellschaftsschichten Grabsteine Heimat Judentum Radtouren Vorfahren
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Vor über einem Jahr fiel die Entscheidung im Eberner Stadtrat, sich nicht grundsätzlich gegen einen Waldfriedhof im Stadtgebiet zu entscheiden. Eine Grundsatzentscheidung stand auch am Donnerstag an: kommunaler oder privater Betrieb? Richtig sicher ist dies noch immer nicht. Foto: dpa

24.05.2019

Grundsätzlich verschiedener Meinung

Es sollte eine Grundsatzentscheidung für einen Waldfriedhof in kommunaler Eigenregie werden, heraus kam ein Votum für den privaten Betrieb - und eine Menge Fragen. » mehr

Um diesen vor einiger Zeit neu gepflanzten Baum besteht rundum in dem von Bürgermeister Wolfram Thein angezeigten Bereich die Möglichkeit für Urnenbestattungen.

02.05.2019

Letzte Ruhe unter sattem Grün

Baumbestattungen auf dem Kirchenfriedhof in Maroldsweisach sollen künftig möglich sein. Das hat der Bauausschuss einstimmig beschlossen. » mehr

Den Dachreiter des Rathauses von Ebern hat Zimmerermeister Anton Schobert um 1900 kunstvoll aufgemessen.	Repro: Günter Lipp

17.04.2019

Über die Knallerbsen der Kirchen

Der Legende nach fliegen die Glocken in den Kartagen nach Rom. Zumindest schweigen sie dann - obwohl sie doch so viel zu erzählen hätten ... » mehr

Mit einem neuen Haus will die Lebenshilfe Ebern bezahlbaren Wohnraum für junge Erwachsene mit Handicap in Ebern schaffen.	Foto: Lebenshilfe Ebern

18.12.2018

"Wir werden hier noch gebraucht"

Nach dem Aus für die Tagesstätte will sich die Lebenshilfe Ebern mehr den Bedürfnissen ihrer ehemaligen Schüler zuwenden und in Immobilien investieren. » mehr

Christian Raehse erläutert, dass auch die Hecken zu viel Arbeit machen. Auf einer Teststrecke sollen im Laufe des Jahres Alternativen entstehen.

14.02.2019

Die Allee soll jünger werden

Die Pflege alter Gewächse auf dem Eberner Friedhof lastet schwer auf den Mitarbeitern des Bauhofs. An der Erarbeitung einer Lösung sollen die Bürger teilhaben. » mehr

Die Spannung steigt! Weinbaupräsident Artur Steinmann verkündet gleich den Namen der 64. Fränkischen Weinkönigin. Es ist Carolin Meyer aus Castell im Landkreis Kitzingen (Mitte). Die 23-jährige Winzerin setzte sich bei der Wahl in der Grafenrheinfelder Kulturhalle gegen ihre Mitbewerberinnen Eva-Maria Keller aus dem Landkreis Main-Spessart (rechts) und Elisabeth Goger aus Sand am Main (links) durch. Fotos: Christian Licha

24.03.2019

Die Sander Königin der Herzen

Elisabeth Goger ist zwar nicht die neue Fränkische Weinkönigin. In ihrer Heimat in den Haßbergen ist man aber dennoch stolz auf die 24-jährige Kandidatin der diesjährigen Wahl. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Demo Loewe Kronach

Demo Loewe Kronach | 25.06.2019 Kronach
» 64 Bilder ansehen

Burgfest in Lauenstein Lauenstein

Burgfest in Lauenstein | 23.06.2019 Lauenstein
» 59 Bilder ansehen

Picknick im Schlossgarten Rosenau

Picknick im Schlossgarten Rosenau | 23.06.2019 Unterwohlsbach
» 14 Bilder ansehen

Autor

Von Adelheid Waschka

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
06. 08. 2015
00:00 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".