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Hassberge

Nächste Runde im Gleusdorf-Prozess

Unterschiedliche Aussagen: Tochter einer verstorbenen Heiminsassin erhebt schwere Vorwürfe, Mitarbeiter äußern sich beim Prozess positiv über das Seniorenheim.



Was geschah wirklich im Seniorenheim Schloss Gleusdorf? Foto: dpa
Was geschah wirklich im Seniorenheim Schloss Gleusdorf? Foto: dpa  

Gleusdorf/Bamberg - "Ich war entsetzt von dem Haus", entfuhr es am Donnerstag einer Zeugin, die am Landgericht Bamberg zu dem Tod ihrer Mutter im Jahr 2015 in der Seniorenresidenz Gleusdorf aussagte. Im vierten Anklagepunkt des Prozesses um Missstände in der Senioreneinrichtung soll die 74-jährige Heimbewohnerin - die Mutter der Zeugin - laut Anklage nach einem Schlaganfall nicht richtig behandelt worden sein. Als sich ihr Gesundheitszustand im Mai 2015 verschlechterte, hätten die drei Angeklagten nichts unternommen, um die Beschwerden zu lindern oder sie in ein Krankenhaus zu verlegen, sodass die Seniorin verstarb. In die Todesbescheinigung trug der Hausarzt als Todesursache "Lungenembolie" ein.

Laut Aussage der Tochter der Verstorbenen sollte die Mutter nur für vier Wochen zur Kurzzeitpflege in Gleusdorf bleiben. Sie sei in "stabilem Zustand" eingeliefert worden. Als sie ihre Mutter besuchte, sei ihr ein Pfleger aufgefallen, der mit einem Eimer herumging und Wasser in die Trinkbecher der Heimbewohner spritzte. Da sie selbst nicht als Betreuerin eingetragen war, habe sie keine Informationen durch die Heimleitung erhalten. Sie habe den Pflegekräften gesagt, dass sie sofort angerufen werden wolle, wenn sich der Gesundheitszustand ihrer Mutter verschlechtere. Die Mutter sei nachts um 1 Uhr verstorben. Die Tochter sei jedoch erst vormittags um 10 Uhr telefonisch darüber informiert worden und daraufhin sofort ins Heim gefahren, um ihre tote Mutter noch einmal zu sehen. Als sie im Zimmer der Mutter war, habe eine Schwester die Bettdecke des Totenbettes gehoben und gesagt, es sei "etwas heraus gelaufen". Das habe sie irritiert, da die Mutter ja keine Wunden gehabt habe. Als die Mutter noch lebte, sei sie in ihrem kleinen Heimzimmer auf ihrem Rollstuhl zwischen Bett und Schrank hilflos eingeklemmt gewesen und habe geschrien. Die Zimmertür sei geschlossen gewesen. Als sie sich darüber beschwerte sei sie "fast rausgeschmissen worden". Sie arbeite selbst als Krankenschwester in einer anderen Einrichtung, wo es "ganz anders" sei. Am Tag vor ihrem Tod habe die Mutter Fieber gehabt. Der mitangeklagte Pflegedienstleiter habe ihr gesagt, sie solle "die Kirche im Dorf lassen". Der anwesende Arzt habe ihr eine Tablette gegeben.

Ganz anders äußerte sich der 20 Jahre jüngere Ehemann der Verstorbenen. Er habe das Pflegeheim Gleusdorf nicht negativ empfunden. Seine Frau habe am Ende keinen Lebenswillen gehabt und habe kapituliert. Eine Pflegerin, die bis heute in Gleusdorf arbeitet, zeigte sich im Zeugenstand "geschockt über die Zeitungsberichte", in denen auch sie selbst als Mitglied des Personals beschuldigt worden sei. Die Hauptbelastungszeugin sei jahrelang mit der Heimleiterin gut ausgekommen und habe sich von heute auf morgen gewandelt. Ein Pflegehelfer, der bis März vergangenen Jahres in Gleusdorf arbeitete, äußerte sich ähnlich.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte ein weiterer Zeuge, der bereits am Mittwoch vernommen wurde. Er hatte vor drei Jahren mit anonymen Schreiben an den Medizinischen Dienst der Krankenkassen erst dafür gesorgt, dass Anklage gegen das Trio erhoben wurde. "Es geht um Menschen, die ein Leben lang gerackert haben und die misshandelt wurden. Das ist doch unterste Schublade. Sie möchten später nicht so gepflegt werden", sagte er vor Gericht. Stein des Anstoßes war das Vorgehen des ehemaligen Pflegedienstleiters, der im Jahr 2011 einem Bewohner eine Insulinspritze verabreichte, der kurz darauf verstarb. "Ich wollte Beweise sammeln, um diese Leute zur Strecke zu bringen", so der Zeuge.

Der ehemalige Co-Geschäftsführer der Seniorenresidenz, dessen Verfahren eingestellt wurde, machte vor Gericht auf Anraten seines Anwalts keine Angaben, da die Gefahr bestehe, dass sich sein Mandant selbst belaste und ihm eine Geldbuße wegen einer oder mehrerer Ordnungswidrigkeiten ins Haus stehe in der Größenordnung von rund 25 000 Euro.

—————

Der Prozess wird nach einer kurzen

Verhandlung am kommenden Montag erst im Januar fortgesetzt.

Autor

Martin Schweiger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
31. 10. 2019
17:10 Uhr

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Autor

Martin Schweiger

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Veröffentlicht am:
31. 10. 2019
17:10 Uhr



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