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Hassberge

Radeln mit dem Wow-Effekt

Gastgewerbe im Kreis Haßberge sollen noch mehr vom aufstrebenden Radtourismus profitieren. Der Weg dahin ist geebnet, an der gemeinsamen Umsetzung hapert es noch.



Der Wirtschaftsfaktor Tourismus und Freizeit wächst im Haßbergkreis. Vor allem die Erkundung der Region mit dem Rad wird zunehmend beliebter. Beim Tourismustreffen 2019 des Landkreises sprach man jedoch auch über Probleme und Herausforderungen, die dem Sektor noch immer anhaften. So ist es noch immer schwierig, an manchen Tagen während einer Radtour einen Gastronomen zu finden.	Symbolfoto: Tobias Hase/dpa
Der Wirtschaftsfaktor Tourismus und Freizeit wächst im Haßbergkreis. Vor allem die Erkundung der Region mit dem Rad wird zunehmend beliebter. Beim Tourismustreffen 2019 des Landkreises sprach man jedoch auch über Probleme und Herausforderungen, die dem Sektor noch immer anhaften. So ist es noch immer schwierig, an manchen Tagen während einer Radtour einen Gastronomen zu finden. Symbolfoto: Tobias Hase/dpa   » zu den Bildern

Birkenfeld - Am Montagabend wurde es eng am Straßenrand des kleinen Maroldsweisacher Ortsteils Birkenfeld. Wo sonst gerade einmal etwas mehr als 100 Einwohner ein ruhiges Dorfleben rund um das dortige Barockschloss führen, hatten sich am Montagabend mehr als 50 Gastronome und Anbieter von Hotelzimmern, Ferienwohnungen und Apartments aber auch Bürgermeister der Landkreiskommunen zum diesjährigen Jahrestreffen des Haßberge Tourismus eingefunden. Das erklärte Ziel: "Umsatz und vor allem glückliche Gäste", wie es Landrat Wilhelm Schneider als Vorsitzender des Vereins zu Beginn des Abends auf den Punkt brachte.

Verleihung DTV-Sterne

Die Sterne-Klassifizierung des Deutschen Tourismusverbands (DTV) ist eine freiwillige Qualitätskontrolle für Anbieter im Gastgewerbe. Folgende Betriebe wurde in 2018 und 2019 neu oder erneut mit drei bis fünf Sternen zertifiziert:

Bauhaus, Ferienwohnung Quelle im Brauhaus und das Ferienhaus Böttcher Königsberg; Ferienwohnung Ebner und Arnolds Ferienhof Bad Königshofen; Ferienhaus Christina und Landhaus Rosenrot in Zeil; Ferienwohnung Schloss Fischbach, Ferienwohnungen Lindenhof, Ferienhaus Villa Korn und Bramberger Mühle Ebern; Ferienwohnung Berghäusle Stadtlauringen; Ferienwohnungen Lindleshof Sulzfeld; Ferienwohnung Frau Klara und Ferienwohnung Hohler Hofheim; Mägdekammer im Kilians-Hof Sulzdorf; Krug-Apartments Ebelsbach; Ferienwohnung Rita Haßfurt; Ferienhaus Glashaus Kirchlauter; Ferienwohnung Toskana, Ferienwohnung Stettfeld und Ferienwohnung kleine Perle Stettfeld; Ferienwohnung Alte Schmiede Burgpreppach; Ferienhaus Thereser Erholungsgebiet Theres und Kimmelsbacher Hof Kimmelbach.


Als Gastgeberin hatte Mirjam Gräfin zu Ortenburg das Obergeschoss des Barockschlosses, das sich seit 1952 im Besitz ihrer Familie befindet, zur Verfügung gestellt. Ungewöhnlich: Neben historischen Porträts, antikem Mobiliar und Stuckdecken zierten die Räume an diesem Abend auch zwei brandneue E-Bikes - was das Thema des Abends schon im Treppenaufgang eröffnete.

Erst kürzlich hatte das Fachbüro absolutGPS aus Leipzig seine Analyse des Radtourismus in Unterfranken veröffentlicht ( NP vom 5. November). Dabei schnitt der Landkreis Haßberge mit einem gut ausgebauten Radwegenetz mit hoher Qualität ab. Auf Schloss Birkenfeld ging nun Gastredner Dr. Peter Zimmer, Tourismusberater des Fachbüros Futour, darauf ein, wie das Gastgewerbe in der Region davon profitieren könne.

Bisher erfolgreich hat man laut Zimmer im Kreis Haßberge die Radwege stetig ausgebaut, die Beschilderung ausgebaut und biete inzwischen auch Themenrouten für Radwanderer an. Noch mehr als bisher müsse man jedoch die Schwerpunkte Kultur und Kulinarik mit dem Thema Rad verbinden.

Ganz konkret sprach Zimmer dabei die Regelungen der einzelnen Betriebe bezüglich deren Ruhetage an. Beinahe alle Wirtshäuser und Restaurants hätten ihren wohlverdienten freien Tag. Den brauche es auch. Allerdings hätten die Gastronome nahezu alle am selben Tag geschlossen, so dass Besucher in der Region mit knurrendem Magen vor verschlossenen Türen ständen. Zimmer selbst hatte 2017 mit dem E-Bike einige Tage das Radnetz im Landkreis erkundet und besucht die Region seitdem regelmäßig. "Wie oft ich schon beim Metzger in Rügheim gegessen habe, kann ich gar nicht sagen."

Woran es in Haßberge noch "krankt", so Zimmer, sei die Vernetzung der einzelnen Gastronomen und Gastgeber untereinander. Speziell was die Verpflegung der Gäste angehe, sprach er sich für die Einrichtung eines "gastronomischen Notdienstes" aus. Das sei simpel: Wirtshäuser könnten sich mit den Ruhetagen abwechseln und an ihren freien Tagen auf den jeweils anderen verweisen. "Viele machen das nicht, weil sie glauben, sonst Gäste zu verlieren. Das ist ein Irrglaube", stellte Zimmer richtig. Der Service sei das entscheidende und bleibe den Gästen in Erinnerung.

Die Ansprüche von Zielgruppen hätten sich laut Zimmer verändert. Urlauber würden generell auch den Faktor Nachhaltigkeit mehr und mehr in ihrer Freizeit registrieren und danach ihre Ausflüge ausrichten. Das beginne mit der Anreise per Bus und Bahn, die viele Gastgewerbe noch immer nicht auf ihren Webseiten vermerkt hätten, und könne bis zu einem Päckchen regional produzierter Apfelchips führen, das bei Ankunft der Gäste auf dem Kopfkissen im Hotelzimmer liege.

Zwar gebe es bereits mit dem Slow-Food-Zertifikat, dem Siegel "Natürlich von hier" oder den Fairtrade-Städten Ebern und Eltmann gute Beispiele aber das Thema Nachhaltigkeit müsse man noch mehr besetzen, so Zimmer. "Man muss Greta nicht mögen, aber an diesem Thema kommen wir nicht mehr vorbei", unterstrich er.

Laut Zimmer gelte es Erlebnisse zu schaffen. Positiv sehe er diesbezüglich die Entwicklung bei der Nutzung der Schlösser als Standorte für Konzerte und andere Ereignisse. Man könne jedoch auch mit viel weniger Aufwand ähnliches erreichen: Etwa mit einer Atelierbesichtigung beim örtlichen Bildhauer oder einem Spaziergang mit dem Bürgermeister - auch bei "Wildwetter". Wichtig dabei: Die Angebote müssten online sichtbar und buchbar sein. Und nicht nur auf der eigenen Homepage, sondern auch auf Facebook und anderen Plattformen. Wer Geld verdienen wolle, müsse in den Medien aktiv sein.

"Wir sind nur gut, wir müssen aber begeistern", fasste Dr. Peter Zimmer zusammen. Gastronomen müssten bei ihren Gästen einen "Wow-Effekt" schaffen. Das günstigste Marketing sei noch immer, wenn sich die Menschen gegenseitig von deren Urlauben erzählen. Grundvoraussetzung dafür sei, betont Tourismusberater Zimmer, dass die Gastgeber, Hoteliers und Vermieter von Privatzimmern die angesprochenen Punkte auch umsetzen.

Autor

Christian Schuster
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Veröffentlicht am:
19. 11. 2019
17:54 Uhr

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Autor

Christian Schuster

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Veröffentlicht am:
19. 11. 2019
17:54 Uhr



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