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Hassberge

Redselige Kundin wird Dealer zum Verhängnis

Ein 19-jähriger Drogendealer erhielt zu Beginn dieser Woche vor Gericht eine Bewährungsstrafe. Beamte hatten bei ihm 23 Gramm Haschisch gefunden.



Hassfurt - Vier Gramm Haschisch fanden Polizeibeamte am 9. Februar vergangenen Jahres bei einer jungen Frau, als sie diese in Schweinfurt kontrollierten. Als die Beamten nachfragten, woher die Frau die Drogen habe, machte diese nicht von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Im Gegenteil, sie zeigte sich äußerst redselig. Die junge Frau nannte den Beamten den Namen des Verkäufers aus dem Haßbergkreis, der ihr gegen 14 Uhr nachmittags den berauschenden Stoff in der Nähe einer Kirche in einem Haßbergdorf verkauft hatte.

Bei der anschließenden Durchsuchung des Zimmers des 19-jährigen Dealers, der noch bei seiner Mutter wohnt, fanden die Ermittler gegen 22 Uhr abends 123 Gramm Haschisch, das der 19-Jährige in einer Kiste aufbewahrte.

Am Montag erhielt er dafür die Quittung am Amtsgericht, das ihn wegen des Besitzes einer "nicht geringen Menge" des Rauschgifts und Handeltreibens zu einer zehnmonatigen Freiheitsstrafe verurteilte, die das Schöffengericht für drei Jahre zur Bewährung aussetzte. Als Auflage muss er 800 Euro an den Kreisjugendring berappen. Die 50 Euro aus dem Drogengeschäft mit der jungen Dame unterliegen dem "Wertersatz". Vor Gericht räumte der Angeklagte über seinen Verteidiger Alexander Wessel alle Vorwürfe ein.

Auf den Anklagebank saß er am Montag bereits zum vierten Mal in seinem jungen Leben. Bereits als 15-Jähriger musste er sich im Jahr 2016 wegen eines Drogendelikts und Nötigung verantworten. Damals wurde er zu einer Woche Jugendarrest verurteilt. Im selben Jahr war er auch wegen versuchter Sachbeschädigung angeklagt, ein Jahr darauf wegen gefährlicher Körperverletzung und verbotenem Schusswaffenbesitz.

Seine kriminelle Karriere steht im Widerspruch zu dem Bild, das Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich vor Gericht von seinem Mandanten zeichnete: Gesprächstermine habe er zuverlässig wahrgenommen. Er sei ruhig und kooperativ und stehe kurz vor Abschluss seiner Ausbildungszeit, sagte Heinrich. Schädliche Sozialkontakte und eine allein erziehende Mutter, die durch zwei schwere Krankheiten mit sich selbst zu kämpfen hatte, ließen den Angeklagten wohl auf die schiefe Bahn geraten.

Heinrich sah Reife-Defizite vorliegen. Er empfahl daher die Anwendung von Jugendstrafrecht. Dieser Empfehlung folgte das Gericht. Der Staatsanwalt forderte eine 15-monatige Bewährungsstrafe für den einschlägig Vorbestraften. Verteidiger Wessel hielt neun Monate auf Bewährung plus 500 Euro Auflage für ausreichend. Die zweieinhalbfache Überschreitung der "nicht geringen Menge" an Rauschgift bezeichnete er als "überschaubar". Zudem handele es sich um eine weiche Droge.

Das Gericht hielt zehn Monate auf Bewährung für angemessen. Als weitere Auflage darf der Angeklagte zwei Jahre lang keine Betäubungsmittel mehr konsumieren und muss dies durch die Abgabe von Urinproben kontrollieren lassen.

Richter Martin Kober empfahl dem Verurteilten sich Gedanken zu machen. "Irgendwann ist Schluss mit lustig." Für ein Nebeneinkommen mit einem dreistelligen Euro-Betrag eineinhalb Jahre Ebrach (Jugendknast) zu riskieren, lohne sich nicht, schrieb er ihm hinter die Ohren. Bei offener Bewährung reiche auch der Besitz von einem Gramm Haschisch für einen Bewährungswiderruf, warnte der Vorsitzende den Verurteilten. "Sie riskieren damit auch ihren Arbeitsplatz. Bleiben Sie für drei Jahre sauber. Es steht so viel auf dem Spiel", sagte Kober. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Autor

Martin Schweiger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
09. 03. 2020
15:50 Uhr

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Martin Schweiger

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09. 03. 2020
15:50 Uhr



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