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Hassberge

Sternsinger sind wieder unterwegs

Während sich Jugendliche an diesem Wochenende freudig auf den Weg von Tür zu Tür machen, sieht es bei manch Erwachsenem anders aus. Einige reagieren auf den Besuch ablehnend oder sogar böse.



Aus Lorenz wird Kaspar. Um das Schminken kümmert sich Mama Claudia Reinwand persönlich.
Aus Lorenz wird Kaspar. Um das Schminken kümmert sich Mama Claudia Reinwand persönlich.   » zu den Bildern

Ebelsbach - "Ich freue mich jedes Jahr darauf. Es ist eine Tradition", sagt der 15-jährige Lorenz Reinwand, während der zwei Jahre jüngere Franz die "Anstrengung" an diesem Tag hervorhebt. Für den elfjährigen Moritz dagegen ist es "am wichtigsten, etwas für andere Kinder zu machen". Und der neunjährige Lukas? Er ist einfach nur "froh, bei den Großen dabei sein" zu können. Die Rede ist vom "Dreikönigstag", an dem die Geschwister ihre Namen in "Kaspar", "Melchior" und "Balthasar" tauschen.

Keine Sternsinger in Eyrichshof und Heubach

Die Sternsinger Aktion 2019 steht unter dem Motto "Wir gehören zusammen, in Peru und weltweit".

"Auch dieses Jahr kann die Bevölkerung im Stadtgebiet Ebern und Fierst mit einem Besuch der Sternsinger rechnen", teilt Patrick Hanus mit.

Insgesamt haben sich wieder 50 freiwillige Könige gemeldet, die den Segen Gottes in die Haushalte bringen möchten. Dies sind jedoch so wenige wie in den letzten zehn Jahren noch nicht. Aus diesem Grund werden auch in diesem Jahr weder Eyrichshof noch Heubach damit rechnen können, einen Besuch von den Sternsingern zu erhalten. Auch das Bundeswehrgelände wird nicht

mit eingeplant. "Lediglich sporadisch ist es möglich, diese Gebiete abzudecken", so Hanus. Dies jedoch auch nur, falls die Gruppen im Stadtgebiet Ebern mit ihren eingeteilten Gebieten früher fertig sind und noch Zeit und Lust haben, weiter für eine gute Sache einzustehen.

 

Als Sternsinger verkleidet gehen die vier Reinwand-Brüder in ihrer Heimatgemeinde Ebelsbach am Sonntag nach dem Aussendungsgottesdienst durch viele Straßen, um an beziehungsweise in den einzelnen Häusern um Spenden zu bitten. Das Motto der traditionellen Sternsinger-Aktion lautet in diesem Jahr: "Wir gehören zusammen - in Peru und weltweit". Der mehrstündige und knapp drei Kilometer lange Hausbesuchs-Marathon, unterbrochen nur von einer Mittagspause, ist natürlich der Höhepunkt und gleichzeitig der Abschluss intensiver Vorbereitungen, die bereits kurz vor Weihnachten mit der Einteilung der einzelnen Gruppen sowie der Gebiete begann.

 

In Ebelsbach kümmert sich seit Jahren vor allem Pastoralreferent Johannes Eirich um die Sternsinger, in deren Rolle überwiegend Ministranten der Pfarrgemeinde schlüpfen, aufgrund von "Personalmangel" aber auch einige Kommunionkinder des Jahres 2019. Woran liegt das? "Ich denke, dass viele in Urlaub sind oder in den Ferien einfach mal keine Termine wollen", meint Franz. "Es sind ja doch einige Termine zur Vorbereitung." Außerdem spiele wohl die oftmals ablehnende Resonanz in der Bevölkerung eine Rolle. "Nicht jeder freut sich auf die Sternsinger", ergänzt er nachdenklich und nennt negative Beispiele aus den Vorjahren. "Jedes Jahr kommt man auch an Häuser, wo die Menschen die Türen nicht öffnen und uns über die Sprechanlagen fortschicken. Manche Leute regen sich sogar auf. Einer hat sich mal beschwert, dass wir geklingelt haben, weil wir ihn geweckt haben", kann er nur mit dem Kopf schütteln, während seine Brüder ihm beipflichten.

Trotz allem empfindet er die personelle Situation in Ebelsbach noch in Ordnung. "Bei meinen Freunden aus anderen Ortschaften ist das teilweise echt schlimm." Eine mögliche Lösung: "Man könnte vielleicht die ganzen Vorbereitungen auf einen Tag legen. Dann wären nur zwei Tage betroffen", verweist Lorenz auf den zeitraubenden Ablauf, der mit der Weihnachtsfeier der Ministranten kurz vor Weihnachten beginnt. Nach der Gruppen- und Gebietseinteilung gibt es Zettel mit den Texten. Für die vier Geschwister kein Problem. "Es gibt den gleichen Text wie jedes Jahr. Tradition", betont der Erfahrenste der Reinwands.

Am Tag vor Dreikönig steht ein weiterer aufregender Termin auf dem Vorbereitungsprogramm: die große Kleiderprobe in der Kirche. Fleißige Helferinnen legen die Gewänder aus und es geht zu wie in einem Bekleidungsgeschäft. An und wieder aus. Das Nächste an. Etwas kürzer bitte. Vielleicht doch etwas länger? Passt. Noch den Namenszettel mit einer Sicherheitsnadel angebracht und auf die Stühle in der Steinkapelle gelegt. Fertig. Und wenn Jeder und Jede - es sind schließlich auch viele Königinnen oder weibliche Sternträger dabei - das passende Gewand hat, gibt es eine Probe für den Gottesdienst am Sonntag.

Ein Punkt ist noch ganz wichtig: Wer wird zu Beginn des Gottesdienstes ausgesandt, um den Segen in die evangelische Kirche nach Gleisenau zu bringen? "Das machen wir seit ein paar Jahren so, weil sich das der evangelische Pfarrer so gewünscht hat", freut sich Lorenz über die gelungene und gelebte Ökumene. "Wir nehmen dann auch immer Weihrauch mit." Am 6. Januar selbst heißt es für die Kinder und Jugendlichen: Früh aufstehen. Ab 8.30 Uhr beginnt für die insgesamt neun Gruppen in der Sakristei die Verwandlung.

Spätestens bei den Glockenschlägen um 10 Uhr verfliegt die größte Anspannung bei den Vier. "Es ist einfach ein tolles Gefühl, mit so vielen anderen Sternsingern gemeinsam einzuziehen", freut sich Moritz sehr auf diesen Augenblick, gleichzeitig der Beginn des Gottesdienstes. Nach dessen Ende geht es gleich los. Der Wunsch von Lorenz, "wir hoffen immer, dass wir Brüder zusammenbleiben können", hat sich derweil leider nicht ganz erfüllt: Während Moritz und Lukas gemeinsam im Bereich "Siedlung" unterwegs sind, dürfen Lorenz und Moritz ihre Erfahrung im Berggebiet an Jüngere weitergeben.

"Meistens brauchen wir bis 16.30 Uhr, bis wir unser Gebiet fertig haben", sagt Moritz, der auf eine große Tüte verweist, die neben der Spendenbüchse oder der Kreide unbedingt dabei sein muss. Die ist notwendig für die Süßigkeiten, "weil es von ganz vielen Leuten auch etwas als Belohnung für uns gibt." "Manchmal", meint Franz, "hängen die Leute, wenn sie nicht daheim sind, sogar eine Tüte an die Haustür, um uns etwas zu geben." Der schwierigste Teil sind unterdessen nicht die am Ende oft prallgefüllten Tüten. Für Moritz gleicht das Aufteilen der Naschereien einer Sisyphusarbeit. Doch auch darin haben die Reinwands bereits Routine: "Wir breiten bei uns auf dem Küchentisch alles aus und es darf sich jeder der Reihe etwas nehmen. Lorenz fängt immer an. Das machen wir dann so lange, bis wir alles aufgeteilt haben." Und sind wirklich alle "Gaben" kinder- und jugendfrei? "Na ja", räumt Lukas ein, "einmal war auch was mit Alkohol dabei. Das hat dann die Mama bekommen", grinst der Grundschüler.

Damit ist der Sternsingertag aber noch nicht ganz vorbei, denn um 17.15 Uhr treffen sich alle Gruppen nochmals im Pfarrsaal. "Dort geben alle ihre Kasse ab sowie die Gewänder", erklärt Lorenz, der natürlich auch auf die Sammelergebnisse der anderen gespannt ist. Erst dann neigt sich "Dreikönig" langsam dem Ende entgegen.

Einer hat sich mal beschwert, dass wir geklingelt haben, weil wir ihn geweckt haben.


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Sternsinger Franz Reinwand

 

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Ralf Naumann
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Veröffentlicht am:
04. 01. 2019
20:48 Uhr

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Ralf Naumann

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04. 01. 2019
20:48 Uhr



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