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Hassberge

Tierschützer empört über Rettung von "Hasi"

Eine Familie mit Hund aus Sand hat den Feldhasen "Hasi" adoptiert. Die vermeintliche Rettung hat den Hoppler am Ende aber wohl das Leben gekostet. Tierschützer im Landkreis sprechen von Tierquälerei.



Australian-Shepherd-Mischling Lasko hat sein "Adoptivkind", den Feldhasen Hasi, nicht aus den Augen gelassen, was Menschen häufig als rührig und aufopfernd empfinden. Laut Tierschutzinitative Haßberge bedeutete die ständige Anwesenheit eines "potenziellen Beutegreifers" jedoch Dauerstress für das kleine Wesen.	Archivfoto: Christian Licha
Australian-Shepherd-Mischling Lasko hat sein "Adoptivkind", den Feldhasen Hasi, nicht aus den Augen gelassen, was Menschen häufig als rührig und aufopfernd empfinden. Laut Tierschutzinitative Haßberge bedeutete die ständige Anwesenheit eines "potenziellen Beutegreifers" jedoch Dauerstress für das kleine Wesen. Archivfoto: Christian Licha  

Sand a.Main/Knetzgau - Diese Geschichte war wohl zu schön, um wahr zu sein: Ende Mai fand Familie Mahr aus Sand in ihrem Garten ein vermeintlich "unterkühltes und durchnässtes" Feldhäschen und nahm sich dessen an. In der Hauptrolle: Mischlingshund Laslo, der sich gemeinsam mit seinen Besitzern rührig um die Aufzucht des kleinen Fellknäuels kümmerte. Die Medien der Region (auch die NP am 10. Juni) berichteten von der vermeintlichen Rettungsaktion eines von der Mutter verlassenen Tierbabys, das vor dem Hungertod bewahrt wurde - und von einer ungewöhnlichen Tierfreundschaft zwischen Hund und Hase.

Aber die Geschichte endet tragisch: Hasi stirbt nach nur wenigen Wochen, ein Tierarzt hatte ihn zuvor ins Tierheim nach Zell gebracht. Dessen Betreiberin Britta Merkel hatte sich bereits zu jener Zeit wenig erfreut über die den Zustand des Tieres gezeigt. "Völlig aufgebläht" sei Hasi gewesen, wird Merkel in mehreren Medien zitiert. Von falscher Fütterung war die Rede und Dauerstress durch den Umgang mit dem Hund. Abgesehen davon verbiete es das Gesetz, Wildtiere in private Obhut zu nehmen.

An diesem Freitag schiebt die Tierschutzinitiative (TI) Haßberge noch einmal nach. Die Presseberichte von Hasi und Lasko hätten Merkel in den vergangenen Wochen den Atem stocken lassen, heißt es in einer Mitteilung der TI am Freitag. "Fachlicher Unsinn" habe in den Berichten gestanden, was sie nun dazu veranlasst habe einige der Darstellungen richtigzustellen. "Selbstverständlich hätte Hasi ohne den fürsorglichen Hund Lasko überlebt", heißt es in dem Schreiben. "Ein Junghase muss nirgendwo kuscheln und sich aufwärmen."

Feldhasen seien als Nestflüchter von Natur aus dafür gemacht, dass sie den ganzen Tag alleine verbrächten. Die Lebensstrategie der Tiere sehe vor, dass die Mutter nur zwei Mal täglich zum Säugen "vorbeischaut". Ein neugeborener Feldhase müsse - anders als Kaninchen, die als Nesthocker nackt in ihrem trockenen Bau geboren werden - gleich vom ersten Tag an mit allen Situationen alleine zurechtkommen. Das Fell der Tiere sei dabei für jedes Wetter ausgestattet und halte sogar Schneefall aus. Folglich könne es gar nicht der Fall gewesen sein, dass Hasi unterkühlt aufgefunden worden sei.

Auch bei der Fütterung habe die Familie wohl falsch gehandelt, fährt Merkel, die sich seit Jahren um Fundtiere und den Betrieb des einzigen Tierheims im Landkreis kümmert, fort. Die Bilder der Journalisten hatten in den Berichten gezeigt, dass der Hase bei der "wohlmeinenden Familie" ähnlich einem Kind rücklings gehalten wurde, während man ihm die Flasche gab. "Wenn die Familie sich bei Fachleuten kundig gemacht hätte, hätte man ihnen gesagt, dass die Positionierung des Tieres beim Füttern auf keinen Fall in Rückenlage geschehen darf", führt die Tierschützerin aus. Wildtiere würden generell bäuchlings gefüttert.

Laut Britta Merkel sei außerdem nicht geklärt, mit welcher Milch die Familie das Tier gefüttert habe. Hier vermutet die TI-Vorsitzende jedoch zumindest einen der Gründe, warum das junge Häschen frühzeitig verstorben ist. Die gehaltvolle Hasenmilch bei der Flaschenaufzucht zu ersetzen, bedürfe großer Erfahrung und notwendiger Ersatzstoffe. Würde falsche Milch gegeben, könne dies "schnell zum Tod führen".

Unwahr sei laut Britta Merkel nämlich in einigen Zeitungs-Berichten die Darstellung, dass Hasi dem Tierarzt zur Erstuntersuchung vorgestellt worden sei. "Vielmehr wurde Hasi aufgrund mehrtägiger Nahrungsverweigerung und Blähungen schließlich zum Tierarzt gefahren", so die Darstellung der Tierschützerin. Als der Junghase schließlich im Tierheim angekommen sei, sei er "hochgradig abgemagert" und gleichzeitig "kugelrund aufgebläht" gewesen und hätte keinerlei Saugreflexe mehr gezeigt. "Die medienwirksame ‚Aufzucht‘ von ‚Hasi‘ war ein langanhaltendes Martyrium für den kleinen Junghasen: gestresst durch den Hund, mit untauglicher Flüssigkeit gefüllt in unnatürlicher, krankmachender Haltung. Die Geschichte von ‚Hasi‘ grenzt eher an Tierquälerei als an eine letztendlich gescheiterte Rettungsaktion."

Immer wieder Thema in den früheren Berichten war auch die rechtliche Einordnung des Geschehens. Denn in Deutschland kann es strafbar sein, ein Wildtier aufzunehmen. Nach Paragraph 45, Absatz 5 des Bundesnaturschutzgesetzes ist es nur in offensichtlicher Not erlaubt, Wildtiere "vorbehaltlich jagdrechtlicher Vorschriften ferner zulässig, verletzte, hilflose oder kranke Tiere aufzunehmen, um sie gesund zu pflegen". Aber dann nur nach Absprache mit der Polizei oder dem Jagdpächter.

Während Familie Mahr angab, das die zuständige Jagdpächterin informiert gewesen sei, was sogar Landtagsabgeordneter Steffen Vogel als Anwalt und Vorsitzender der Kreisgruppe Haßfurt des Landesjagdverbandes Bayern bestätigte, stellt Britta Merkel dies offen in Frage. Zumindest die zuständige Person sei ihres Wissens nach nicht involviert gewesen, folglich habe auch ihr Einverständnis gefehlt. Ob die vermeintlich wohlgesinnte Rettungsaktion von Hasi nun also auch rechtliche Folgen hat, bleibt derzeit offen.

Britta Merkel betont in diesem Zusammenhang allerdings: "Wildtiere sind kein Allgemeingut." Nur weil der Hase in den Garten der Familie gelaufen sei, gehe dieser nicht automatisch in deren Eigentum über. Und die meisten Wildtiere würden entgegen der allgemeinen Auffassung sehr wohl wieder von deren Eltern angenommen - auch nach einem kurzzeitigen Kontakt mit Menschen. Völlig unabhängig davon müsse das Ziel einer jeden Aufzucht im Notfall sein, das Tier nach der Genesung wieder in die Natur zurück zu führen.

Damit die Bürger aus der Geschichte um den verstorbenen Hasi und Hund Laslo zumindest die richten Lehren ziehen und das Fehlverhalten aus früheren Berichten nicht Schule mache, richtet die Tierschutzinitiative im Kreis Haßberge eine Bitte an alle: " Wenn man ein vermeintlich verwaistes Wildtier findet, sollte man es erst über mehrere Stunden beobachten, um zu sehen, ob das Muttertier kommt. Wenn ein Tier verletzt ist oder apathisch wirkt, bitte nehmen Sie Kontakt mit einer Wildtierauffangstation auf. Die Fachleute werden sie dann über die weitere Vorgehensweise beraten und unterstützen."

Autor
Christian Schuster

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Veröffentlicht am:
03. 07. 2020
17:18 Uhr

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Christian Schuster

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Veröffentlicht am:
03. 07. 2020
17:18 Uhr



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