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Hassberge

Uneins in der Schulbus-Frage

Kinder aus Gräfenholz müssen mittags die Bundesstraße queren, weil der Bus nicht im Ort hält. Die Eltern fordern eine Haltestelle, das Landratsamt empfiehlt Schulwegshelfer.



Dunkle Wolken schweben seit Jahren über der Schulbus-Frage in Sendelbach und Gräfenholz. Während die Eltern aus Gräfenholz einen Bushalt in ihrem Ort fordern, verweist das Landratsamt auf den möglichen Einsatz von Schulwegshelfern beim Weg der Kinder an dieser Stelle über die Bundesstraße. Foto: Kaufmann
Dunkle Wolken schweben seit Jahren über der Schulbus-Frage in Sendelbach und Gräfenholz. Während die Eltern aus Gräfenholz einen Bushalt in ihrem Ort fordern, verweist das Landratsamt auf den möglichen Einsatz von Schulwegshelfern beim Weg der Kinder an dieser Stelle über die Bundesstraße. Foto: Kaufmann   Foto: Thomas Neumann

Gräfenholz - "Es ist traurig, dass man sich um den Ameisenbläuling mehr sorgt, als um unsere Kinder": Der Satz, gefallen bei einem Ortstermin der Rentweinsdorfer Überparteilichen Wählergemeinschaft (ÜWG) vor wenigen Wochen in Gräfenholz ( die Neue Presse berichtete ) von der Mutter eines Schulkindes, hat es in sich. Unter anderem das Vorkommen des Schmetterlings erschwert im Marktgemeindeteil das mögliche Bauvorhaben eines Wendehammers am örtlichen Bushäuschen, da dafür die Straße bis in den Wiesengrund hinein erweitert werden müsste. Ein solcher Wendehammer wiederum käme nach Ansicht der Gräfenholzer aber den Kindern zugute: Durch ihn, so die Hoffnung, könnten Busse die Haltestelle im Dorf (wieder) anfahren - wodurch den Schulkindern am Mittag der Weg über die Bundesstraße B 279 erspart bliebe.

Druckfehler

Dass 2012 bzw. 2016 anstelle von "Abzweigung Gräfenholz/Sendelbach" der Halt "Gräfenholz" im Fahrplan erschienen sei, sei übrigens ein Druckfehler gewesen, wie Landratsamtssprecherin Monika Göhr auf NP-Anfrage erklärt: "Im offiziell von der Regierung genehmigten Fahrplan war der Ort bei den Rückfahrten nie enthalten und wurde auch nicht bedient."

 

Derzeit werden am Morgen alle neun Schulkinder der 38-Seelen-Ortschaft am Bushäuschen aufgesammelt und Richtung Rentweinsdorf zur Schule gefahren. Die Grundschüler fährt dann am Mittag ein Kleinbus dorthin wieder zurück. Doch die Kinder der weiterführenden Schulen nutzen die öffentliche Buslinie 942 des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg (VGN), die mittags auf ihrem Weg Richtung Bamberg lediglich an der Haltestelle in Sendelbach anhält: Die Kinder müssen also für ihren Weg zurück ins Dorf die Bundesstraße überqueren.

 

Ein Unding, finden die Eltern. Angeführt von den Eheleuten Christine und Bernd Iffland sowie Katrin und Ralf Hegen fordern sie eine Bedienung der Bushaltestelle in Gräfenholz, wie sie auch im Fahrplan vom Dezember 2012 notiert ist: an allen Schultagen um 13.20 Uhr sowie montags bis donnerstags auch 15.45 und 17.25 Uhr. Auch 2016 tauchte der mittägliche Halt "Gräfenholz" noch im VGN-Plan auf. Eine Überraschung bot sich den Eltern dann beim Blick in den aktuellen Fahrplan: Der Halt wurde ersatz- wie kommentarlos gestrichen, offiziell bleibt nur "Sendelbach, Abzweigung Gräfenholz". Daraufhin mobilisierten die Eltern im Februar dieses Jahres die gesamte Ortschaft. Mit Unterschriftenlisten fordern sie die "Wiederherstellung der Bushaltestelle laut Linienfahrplan 942 vom 9.12.2012". "Uns Bürgern geht es um die Sicherheit unserer Kinder", schreiben die Gräfenholzer in ihrer Begründung, die sie samt Unterschriftenliste sowie einem bereits im August letzten Jahres gestellten Antrag auf einen Wendehammer dem Rentweinsdorfer Bürgermeister Willi Sendelbeck (SPD) zukommen ließen. Was die Gräfenholzer besonders stört: Die VGN-Linie sei mit öffentlichen (ÖPNV-)Geldern gefördert, werde aber offenbar nur den Forderungen "größerer" Dörfer gerecht, während die "kleinen" buchstäblich auf der Strecke blieben. Weitaus erfolgreicher vernetzt sei beispielsweise der Landkreis Bamberg - wo von Laimbach bis Mauschendorf oder Godelhof eigene Haltestellen der VGN-Linie 942 besitzen. Der Vorwurf in die Runde: "Warum schauen Gemeinde, Schulverband und Landkreis Haßberge nur tatenlos zu?"

Über den Bürgermeister und die VG in Ebern erreichte das Problem letztlich auch das Landratsamt in Haßfurt. "Die Situation in Gräfenholz, bzw. Sendelbach ist dem Landratsamt Haßberge bekannt", bestätigt Pressesprecherin Monika Göhr auf Anfrage der Neuen Presse: "Die Eltern aus Gräfenholz und Sendelbach beschweren sich regelmäßig." Die Bussituation sei auch bereits mehrfach bei runden Tischen mit den Schulen und Elternsprechern, schriftlich und in persönlichen Vorsprachen erläutert worden.

Tatsächlich sei die Gräfenholzer Ortsmitte, wie auch die in Sendelbach, für die Anfahrt mit einem großen Bus, von der B 279 aus, mit schwierigen Wendemanövern verbunden und deswegen ungeeignet. Deshalb sei die Haltestelle an der B 279 errichtet worden. Die dortige Situation wiederum sei "unter Beachtung der verkehrssicherheitsrechtlichen Belange im Zusammenwirken mit der Polizei, dem Staatlichen Bauamt und der Verkehrsbehörde wiederholt geprüft" worden, so Monika Göhr. Das Ergebnis: "Die Strecke ist übersichtlich, die erforderlichen Sichtweiten sind vorhanden. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit wurde, ausschließlich wegen der Bushaltestelle, auf 70 km/h beschränkt. Es finden dort regelmäßig Radarkontrollen statt. Übermäßige Geschwindigkeitsüberschreitungen wurden insgesamt nicht festgestellt." Das Amt kommt zu dem Schluss: "Die Haltestelle ist mit vielen Haltestellen im öffentlichen Linienverkehr vergleichbar."

Bei dem Bus handle es sich eben nicht um einen "Schulbus", sondern um eine öffentliche Linie, die eigenwirtschaftlich betrieben wird. Der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) ist dafür aber nur bedingt verantwortlich - im Grunde genommen nur für die Veröffentlichung der Fahrpläne, wie VGN-Sprecher Manfred Rupp erklärt. "Für den Inhalt wiederum sind genau genommen nur zwei Parteien zuständig: das Verkehrsunternehmen, das die Linie betreibt, und zum anderen die Schülerbeförderung am Landratsamt." Gemeinsam werde von diesen in der Regel ein Konzept erstellt und die nötigen Linien besprochen, der VGN setze die Fahrpläne dann lediglich online. Mit dem Busunternehmer aus Kirchlauter, der die Linie in seinen eigenen Fahrbetrieb integrieren muss, habe es durchaus Absprachen gegeben, die dem Ortsteil entgegenkämen, heißt es aus dem Landratsamt. Dass der Bus morgens in den Ort fährt und die Kinder abholt, so dass sie nicht zur außen liegenden offiziellen Haltestelle laufen müssen, war vor Jahren mit Bürgermeister Willi Sendelbeck und dem Busunternehmen vereinbart worden. "Eigentlich nur während der Wintermonate, der Bus fährt aber morgens immer in den Ort", erinnert Landratsamtssprecherin Monika Göhr. Gräfenholz sei für die Anfahrt mit einem großen Bus aufgrund seiner Lage schlicht ungeeignet. Es bestehe zwar eine mündliche Vereinbarung mit einem Speditions-Unternehmer am Ortseingang, dass der Linienbus morgens auf dem Privat-Anwesen wenden dürfe. "Allerdings war der Platz auch schon oft zugeparkt oder im Winter nicht geräumt", so Göhr. Die Abholung am Morgen beruhe lediglich auf der Kulanz des Verkehrsunternehmers, der für sein Entgegenkommen keine Vergütung erhalte.

Auf den Rückfahrten fahre der Bus Gräfenholz nicht direkt an, "weil dies aus zeitlichen Gründen nicht möglich ist, da die Busse in Baunach Anschlussbusse erreichen müssen, die ebenfalls Umsteigebeziehungen zu anderen Linien haben", erklärt Monika Göhr weiter. Eine zeitliche Verlegung der Anschlussbusse sei schwierig, "da die Fahrzeiten bereits jetzt sehr lang sind". Und: "Außerdem gibt es, wie oben schon erwähnt, keine ausgewiesene, öffentliche Haltestelle/Wendeplatz in Gräfenholz."

Damit bleibt das Problem, dass die Kinder ab der 5. Klasse (zehn Jahre und älter) aber die Bundesstraße überqueren müssen - ohne jegliche Querungshilfe. Eine solche wiederum war durch das Staatliche Straßenbauamt auf Wunsch der zuständigen Verkehrsbehörde bei Sendelbach schon einmal aufgestellt worden, nach kurzer Zeit aber wieder abgebaut. Die Anwohner selbst hatten darauf gedrängt, da insbesondere Landwirte erhebliche Schwierigkeiten hatten, bei verkürzter Abbiegespur mit ihren großen Zugmaschinen Richtung Sendelbach abzubiegen. Ohnehin keine gute Lösung für Kinder, die dann inmitten vorbeirauschender Lastwagen stehen würden, befürchten die Eltern.

Alternativen gäbe es dennoch, betont das Landratsamt. "Es wurden auch Lösungen gefunden, die unter Mithilfe der Marktgemeinde Rentweinsdorf durchaus praktikabel umsetzbar sind", formuliert es Sprecherin Monika Göhr. "Zum Beispiel hat Landrat Wilhelm Schneider den Eltern beider Ortsteile vorgeschlagen, Schulweghelfer zu stellen, die den Schülern gegebenenfalls abwechselnd bei der Querung der B 279 zur Seite stehen." Bürgermeister Willi Sendelbeck zeigte sich ebenfalls gerne bereit, wie bereits in Rentweinsdorf üblich, eine finanzielle Anerkennung für diesen Dienst zu gewähren. Doch: "Leider hat aber niemand die Bereitschaft gezeigt, als Schulweghelfer tätig zu werden", so Göhr.

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Tanja Kaufmann

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Veröffentlicht am:
17. 07. 2018
18:48 Uhr

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Tanja Kaufmann

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17. 07. 2018
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