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Hassberge

Vermeintliche Todesdrohung bleibt ohne Folgen

Das Amtsgericht in Haßfurt stellt das Verfahren gegen einen 21-Jährigen ein. Laut Angeklagtem sei alles ein großes Missverständnis.



Haßfurt - Die Trennung von seiner Freundin hat ein 21-Jähriger aus dem Maintal wohl nicht so richtig verkraftet. Gegenüber einem Bekannten soll er die Absicht geschildert haben, seine Ex-Freundin und deren neuen Liebhaber mit Gift umzubringen. Er plane, das Paar mit einem Giftpfeil oder mittels eines Giftcocktails umzubringen. Es interessiere ihn, "wie es sich anfühlt, jemanden umzubringen". Falls der Bekannte sein Vorhaben weitererzählt, habe er ihm damit gedroht, ihn ebenfalls umzubringen. Der Bedrohte nahm die Drohung ernst und ging zur Polizei, um den 21-Jährigen anzuzeigen. Der musste sich in der Folge am Montag vor dem Jugendgericht wegen Bedrohung verantworten.

Auf der Anklagebank wies er die Schuld von sich. Er habe seinen Bekannten, mit dem er ab und zu mal seinen Hund ausführte, niemals bedroht. "Der muss etwas verwechselt oder falsch interpretiert haben", gab er zu Protokoll. Der Bedrohte selbst konnte zur Klärung des Sachverhalts nichts beitragen. Er war zwar als Zeuge geladen, erschien jedoch nicht zur Gerichtsverhandlung wegen eines plötzlichen Arzttermins.

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe zeichnete ein düsteres Bild vom bisherigen Leben des Angeklagten. Er sei mit fünf Geschwistern in einer Familie aufgewachsen, die dem Jugendamt seit Jahren bekannt sei. Beleidigungen und Bedrohungen stünden in der Familie an der Tagesordnung. Die Mutter habe seit langem Drogen- und Alkoholprobleme. Immer wieder habe sie sich von ihrem Mann trennen wollen. In den Trennungsphasen sei es immer wieder zu Polizeieinsätzen gekommen. Auch der Vater sei für den Angeklagten nie eine Vertrauensperson gewesen.

Im Alter von sieben Jahren habe der Angeklagte Opfer einen schweren Unfall erlitten. Dies habe zu bleibenden Hirnschäden und einer 50-prozentigen Behinderung geführt. Der Angeklagte weise massive Entwicklungsdefizite auf. Die Jugendgerichtshelferin schlug daher eine Einstellung des Verfahrens vor. Der Angeklagte solle sich bei seinem Opfer entschuldigen und eine Geldauflage an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen. Richter und Staatsanwalt einigten sich auf eine Einstellung des Verfahrens ohne Auflagen. "Gehen Sie dem Geschädigten künftig aus dem Weg", riet der Vorsitzende, Richter Martin Kober, dem bislang unbescholtenen Angeklagten.

Autor

Martin Schweiger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
30. 06. 2020
10:50 Uhr

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Martin Schweiger

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Veröffentlicht am:
30. 06. 2020
10:50 Uhr



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