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Hassberge

Vor der Einschulung nach Haßfurt

Zur Vorschuluntersuchung sollen Eltern mit ihren Kindern künftig nach Haßfurt fahren. Bisher fanden diese in den Kindergärten vor Ort statt. Der Aufschrei ist groß.



Die verpflichtenden Vorschuluntersuchen in den Kindergärten sollen künftig alle in Haßfurt stattfinden. Das Gesundheitsamt gibt planerische Gründe und Personalmangel als Gründe an. In Ebern und der Baunach-Allianz will man sich damit nicht abfinden. Foto: Patrick Pleul/dpa
Die verpflichtenden Vorschuluntersuchen in den Kindergärten sollen künftig alle in Haßfurt stattfinden. Das Gesundheitsamt gibt planerische Gründe und Personalmangel als Gründe an. In Ebern und der Baunach-Allianz will man sich damit nicht abfinden. Foto: Patrick Pleul/dpa   » zu den Bildern

Ebern/Kreis Haßberge - Der Aufschrei in Ebern war groß. Für die Einschuluntersuchung für das Schuljahr 2018/19 wurden die Eltern der kirchlichen Kindertagesstätte "Arche Noah" in Ebern gebeten, mit ihren Kindern ins Gesundheitsamt nach Haßfurt zu fahren. Bisher gängige Praxis war ein Besuch der Amtsärzte direkt in den Kindertageseinrichtungen vor Ort. "Die Kita wäre die erste aus Ebern gewesen, obwohl alle anderen Kindergärten vorher noch vom Gesundheitsamt angefahren wurden", sagt Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD), der sich sofort für die aufgebrachten Eltern einsetzte: Beim Landrat fand er ein offenes Ohr, so dass die Haßfurt-Fahrt für dieses Jahr noch einmal abgewendet werden und die Untersuchung vor Ort stattfinden konnte. "Wir möchten, dass die Untersuchungen weiter in Ebern an den Einrichtungen stattfinden", wünscht sich der Bürgermeister jedoch, der dabei von den Vertretern der örtlichen SPD sowie Bürgermeisterkollegen aus der Baunach-Allianz unterstützt wird.

Kinderarzt-Sprechstunde in Ebern?

Ebern wünscht sich einen Kinderarzt: Barbara Hahnlein, selbst Mutter kleiner Kinder mit leidvollen Erfahrungen, hatte vor einem Dreivierteljahr online und in Geschäften eine Unterschriftenaktion gestartet, bei der sich letztlich über 400 Unterzeichner aus dem nordöstlichen Kreis für Kinderarzt oder zumindest -sprechstunden in Ebern aussprachen. Vertreter des Ortsvereins der SPD Ebern trafen sich in nun der Cafeteria der Haßberg-Kliniken Haus Ebern mit Landrat Wilhelm Schneider (CSU) zur Übergabe der Listen.

Nach Aussage des Landrats komme es sehr auf das Wohlwollen des in Haßfurt ansässigen Kinderarztes an, dass in naher Zukunft ärztliche Betreuung für Kinder auch in den nördlichen Haßbergen möglich wäre. In Vorgesprächen mit dem Kinderarzt habe er die Aussage bekommen, dass, "wenn alle Kinderarztstellen in der Praxis in Haßfurt besetzt sind, eine Sprechstunde in Ebern möglich sein kann", so Schneider. Ein Ort müsse dann noch gefunden werden. Vielleicht gäbe es die Möglichkeit mit einer der in Ebern ansässigen Hausarztpraxen, wie Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann vorschlug. Das sei zu ermöglichen.

Die Kassenärztliche Vereinigung in Bayern (KVB) stellt für den Landkreis Haßberge bereits eine "Überversorgung" an Kinderärzten fest. Wie KVB-Sprecherin Birgit Grain der Neuen Presse auf Anfrage erklärte, kommen hier - rein rechnerisch - 4,5 Kinderärzte auf 14 351 Einwohner unter 18 Jahren: Das ergibt eine Versorgung von 122,7 Prozent. Dies gilt allerdings für den gesamten Kreis; wo die Mediziner ansässig sind, ist nach derzeitiger Bedarfsermittlung durch den Bund irrelevant. Aktuell soll der tatsächliche Bedarf ermittelt und eine neue Bedarfsplanung angegangen werden. tnk


Der Grund liegt vor allem im Tank: Allein in diesem Jahr betreffe dies 79 Schüler für Ebern und Rentweinsdorf - und somit also 79 Fahrten nach Haßurt nur für die Grundschule Ebern. "Das macht aus unserer Sicht keinen Sinn, dass alle einzeln nach Haßfurt fahren sollen", erklärt SPD- Ortsvereinsvorsitzender Eckart Roeß, "weder ökologisch noch ökonomisch". Zudem bliebe viel zu viel Zeit auf der Strecke. Fahrgemeinschaften seien aufgrund der jeweils langen Untersuchungsdauer kaum möglich; dazu komme die schlechte Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Haßfurt.

Die Umstellung, die das Gesundheitsamt "aus planerischen Gründen und wegen Personalmangel" durchführt, wie die Bürgermeister nun in der jüngsten Bürgermeisterdienstbesprechung erfuhren, betrifft den gesamten Landkreis. Beschwerden habe es bislang aber nur aus dem Eberner Raum gegeben, berichtet Dr. Jürgen Reimann, Leiter des Gesundheitsamtes in Haßfurt. Dass ein paar Termine noch vor Ort ausgemacht waren, andere dann aber in Haßfurt laufen sollten, sei aber durchaus suboptimal gelaufen: "Das war ein bisschen unglücklich", so Reimann.

Positives Feedback habe es aber auch gegeben. Organisatorisch läuft es nun so, dass das Gesundheitsamt Termine mit den Kindergärten abspricht, die wiederum die Ansprechpartner für die Eltern sind. Wobei es kein Problem sei, untereinander oder auch mit einem Anruf im Amt einen Termin zu tauschen. Zwei Damen sind für die rund halbstündigen Untersuchungen im Einsatz.

Für Jürgen Reimann ist die Umstellung notwendig, um die Pflicht-Untersuchungen weiter "gut und sinnvoll" durchführen zu können. Personell sind dem Gesundheitsamt nach Aussage des Leiters Engpässe entstanden, die im "erheblichen Mehraufwand in der Heimaufsicht" begründet liegen. Da seien die Fahrten quer durch den Landkreis nicht mehr zu stemmen, die pro Schuljahr zwischen 800 und 900 Kinder betreffen. "Da geht viel Zeit drauf mit der Fahrerei", sagt Jürgen Reimann: "Das ist schon eine erhebliche Belastung." Für die Kinder respektive ihre Eltern sei es nur eine Belastung von "einmal im Leben", "wir müssen aber ständig raus", erklärt er.

Der Gesundheitsamtsleiter geht davon aus, dass die Regelung auf Dauer beibehalten wird. Vor allem, da sich weitere Planungen in Bayern ankündigen, die Vorschuluntersuchung der Sechsjährigen um eine weitere bei den Vierjährigen zu erweitern. "Inwieweit wir das personell noch stemmen können, muss man sehen", sagt Jürgen Reimann über den von München aus verwalteten Stellenplan in seinem Amt. Schon jetzt seien die Untersuchungen ausgedehnt und schwieriger geworden. "Wir haben lange versucht, den Vor-Ort-Termin beizubehalten", beteuert Jürgen Reimann, andere Gesundheitsämter hätten dies längst schon umgestellt.

Den Eberner Eltern gefällt die Lösung in Haßfurt nicht. Laut Patricia Walter haben sich Wartezeiten von 20 Minuten als realistisch herausgestellt. Im Kindergarten dagegen, wo das Personal gut einschätzen könne, welche Eltern flexibel sind, seien die Termine so organisiert worden, dass kein Leerlauf für die Ärzte des Gesundheitsamtes bei ihren Untersuchungen vor Ort entstanden seien. Für die Kinder sei dies zudem ideal, da sie für die Untersuchung direkt aus ihrer Kindergartengruppe geholt und diese gleich nach der Untersuchung wieder besuchen können. Dazu komme die sofortige Reflexion von Gesundheitsamt, Erziehern und Eltern beträfe. "Es wäre schade, wenn sich die Qualität durch Verlagerung ins Gesundheitsamt nach Haßfurt, wie angedacht, verschlechtern würde."

Genau dies sei die Gefahr, würde man die Umstellung nicht vornehmen, befürchtet hingegen Dr. Jürgen Reimann. "Ich verstehe ja die Eltern und auch die Bürgermeister, aber das ist eine organisatorische Entscheidung, die sollte man uns überlassen", sagt der Amtsleiter: "Wir machen das ja auch nicht aus Spaß an der Freude."

Landrat Wilhelm Schneider (CSU) habe den Eberner SPD-Vertretern nach deren Aussage indes in Aussicht gestellt, dass man für Ebern und Untermerzbach eine Lösung in Kindergärten im Raum Ebern anstrebe, da diese Orte im Vergleich zu andern die weiteste Anfahrt hätten. Für Lösungen aller Art zeigt sich auch der Chef des Gesundheitsamtes weiter offen: "Sag niemals nie", sagt Jürgen Reimann.

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Tanja Kaufmann

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Veröffentlicht am:
12. 07. 2018
18:10 Uhr

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12. 07. 2018
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