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Hassberge

Warten, bis der Arzt kommt

Zum Jahresende hört der Eberner Allgemeinarzt Hans Merkl auf. Ein Nachfolger für die Praxis ist nicht in Sicht. Doch es bahnt sich eine andere Lösung an.



Hausarzt, dringend gesucht: Eine Versorgungslücke tut sich Ende des Jahres in Ebern auf, wenn Hans Merkl zum 31. Dezember seine Praxis schließt.	Foto: dpa
Hausarzt, dringend gesucht: Eine Versorgungslücke tut sich Ende des Jahres in Ebern auf, wenn Hans Merkl zum 31. Dezember seine Praxis schließt. Foto: dpa  

Ebern - Im Juni dieses Jahres standen 900 Patienten in Reckendorf ohne Hausarzt da: Der Allgemeinmediziner Dr. Egbert Müller, der die Reckendorfer Hausarztpraxis 1986 von seinem Vater übernommen hatte, setzte sich zur Ruhe, Nachfolger konnte bis heute keiner gefunden werden. Dieser Umstand betrifft nun auch irgendwie die Eberner, die sich bislang mit vier Hausarztpraxen in ihrer Stadt glücklich schätzen durften. Laut Kassenärztlicher Vereinigung Bayern gilt Ebern damit in diesem Punkt sogar als "überversorgt".

Zum Jahresende aber werden aus vier nun drei: Hans Merkl schließt seine Praxis am Marktplatz und hängt das Stethoskop aus Altersgründen an den Nagel. Auch seine Patienten müssen sich nun also nach einem anderen Mediziner umsehen. Dies aber sieht schon jetzt schlecht aus, da die Eberner Kollegen ihrerseits, auch durch die Aufnahme von Patienten aus Reckendorf, bereits voll sind. Die Sorge, dass in Ebern also bald Patienten "auf der Straße" stehen, beschäftigt die Bürger - und auch den Bürgermeister.

Er selbst sei von einigen Patienten angesprochen worden und von der Ankündigung Merkls, "zum jetzigen Zeitpunkt und mit wenig Vorlauf", überrascht gewesen, so Jürgen Hennemann. "Die Sache ist leider kompliziert und nicht in unserem Einflussbereich", bedauert der Bürgermeister. Denn zunächst einmal seien Ärzte privat und regeln ihre Angelegenheiten selbst, "auch die Praxisweitergabe und deren Verkauf".

Dann liege es in der Zuständigkeit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), wie viele Arztsitze in einer Region sein dürften und ob sie wiederbesetzt werden. "Hier gilt die Hausarzt-Region Ebern als überbesetzt, obwohl jetzt schon die Hausärzte keine Patienten mehr aufnehmen, da schon einige Reckendorfer Patienten aufgenommen wurden", bestätigt Hennemann.

Die "Hausarzt-Region Ebern" erstreckt sich von Hofheim über Burgpreppach, Maroldsweisach, Ebern, Untermerzbach bis Kirchlauter/Breitbrunn, nach Hausarztsitzen geht die KVB hier von einer Versorgung von 130 Prozent aus. Würde also nun der Arztsitz von Hans Merkl nicht wieder besetzt, würde er eingezogen werden. "Deswegen ist es wichtig, diesen zu halten, um die Patienten zu versorgen, gerade die, die nicht mobil sind", betont Jürgen Hennemann. Das möchte auch der Kreis.

Der Landkreis und sein Kommunalunternehmen, die Haßberg-Kliniken, hatten wiederum vor Jahren entschieden, über die medizinischen Versorgungszentren (MVZ) in Haßfurt und Ebern im fachärztlichen Bereich tätig zu werden, weil man festgestellt hatte, dass es hier immer schwieriger wird, Fachärzte aufs flache Land zu bekommen. "Aus dem hausärztliche Bereich haben wir uns bewusst herausgehalten, weil dort immer eine gute Versorgungssituation geherrscht hat", erklärt Wilfried Neubauer gegenüber der Neuen Presse. Aktiv habe man dort nie tätig werden wollen, wenn allerdings eine Notsituation eintreten sollte, würde man natürlich Hilfe anbieten.

Diese Situation ist nun eingetreten - erstmals im Landkreis Haßberge. "Uns haben Patienten von Herrn Merkl angerufen", berichtet Wilfried Neubauer. Deswegen habe man nun das Gespräch mit den niedergelassenen Ärzten gesucht. Denn: Sollte Hans Merkl keinen Nachfolger finden, was bis jetzt nicht geschehen ist, ist der Sitz in Ebern unwiderruflich weg. Das will keiner, auch die niedergelassenen Ärzte in und um Ebern nicht, die sich am Mittwochabend gemeinsam mit Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann, Landrat Wilhelm Schneider sowie Wilfried Neubauer und Stephan Kolck von den Haßberg-Kliniken zum gemeinsamen Gespräch getroffen haben.

Die Ärzte sind selbst an der Belastungsgrenze, dabei hat die Grippe-Welle noch gar nicht richtig angefangen. Nachdem sie die Merkl‘schen Patienten nicht in vollem Umfang aufnehmen können, zeigten auch sie sich einverstanden damit, dass sich nun das Kommunalunternehmen der Haßberg-Kliniken einschaltet.

Eine endgültige Lösung ist noch nicht in trockenen Tüchern, "aber wir werden uns jetzt darum kümmern", erklärte Wilfried Neubauer am Donnerstag im Gespräch mit der Neuen Presse. Konkret heißt das, dass zunächst die Gremien von MVZ und Haßberg-Kliniken über das weitere Vorgehen beraten, danach ist es am Landkreis, dazu Stellung zu nehmen - schließlich handelt es sich um die erste Versorgungslücke im hausärztlichen Bereich. Wenn es grünes Licht gibt, kann sich das Medizinische Versorgungszentrum ab Januar auf die dann ausgeschriebene Arztstelle bewerben. Wenn man sich dann auch noch mit dem Vorgänger über die mögliche Übernahme und deren Konditionen einig wird, "dann könnten wir im April mit der hausärztlichen Patientenversorgung beginnen", sagt Neubauer. Möglich ist, dass der KV-Sitz dann zunächst am MVZ in Ebern angesiedelt ist. Sollte sich dann doch irgendwann ein Nachfolger für eine niedergelassene Praxis finden, könnte man diesen Sitz auch teilweise wieder herauslösen.

Fakt ist: Für die Monate Januar bis März müssen die Patienten vorerst irgendwo unterkommen. Für alle Notfallbehandlungen in dieser Zeit haben sich am Mittwoch alle anwesenden Hausärzte bereiterklärt.

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Tanja Kaufmann

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Veröffentlicht am:
22. 11. 2018
22:12 Uhr

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Tanja Kaufmann

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22. 11. 2018
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