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Hassberge

Wertstoffhöfe haben sich bewährt

Wie soll der Landkreis mit Leichtverpackungen künftig umgehen - sie holen, die Wertstoffhöfe beibehalten oder die Systeme kombinieren? Der Umweltausschuss wägt die Modelle ab.



Bei Mariaburghausen wird Bioabfall zu wertvollem Kompost verarbeitet. Foto: Geiling
Bei Mariaburghausen wird Bioabfall zu wertvollem Kompost verarbeitet. Foto: Geiling  

Kreis Haßberge - Möglicherweise soll noch in diesem Jahre eine Entscheidung darüber fallen, wie zukünftig die Abfallbeseitigung im Landkreis aussehen soll. In einer mehrstündigen Sitzung und Diskussion befasste sich der Umweltausschuss des Kreistages mit einem neutralen Gutachten. Das Gremium informierte sich dazu über eine gelungene Kombination von Hol- und Bringsystem des Abfallwirtschaftsbetriebes des Landkreises Böblingen.

Bringt man die zahlreichen Diskussionsbeiträge der Kreisräte auf einen Punkt, dann will die Mehrheit das funktionierende System der Wertstoffhöfe in den Gemeinden auf jeden Fall beibehalten. Ob es alternativ dazu noch ein Holsystem oder eine "Kombi-Lösung" für die Leichtverpackungen geben wird, darüber werden Umweltausschuss und Kreistag im Herbst noch beraten.

Landrat Wilhelm Schneider brach eingangs eine Lanze für Gutachten:: "Wenn man Gutachten in der Presse schon vorneherein als nicht glaubwürdig darstellt, wo kommen wir denn dann hin? Wir bemühen uns um Objektivität, und wenn man im Vorfeld schon kritisiert, ist das eigentlich schade." Diese Aussage zielte wohl in Richtung "Junge Liste".

Laut dem Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebes Wilfried Neubauer gehe es darum, wie künftig die Leichtverpackungen (LVP) abgerechnet werden: Ob die Wertstoffhöfe und das System, das es seit 1992 gebe, bleiben oder ob auf ein Holsystem geändert werde. Wunsch der Jungen Liste (JuLi) sei gewesen, das jetzige System mit einem neutralen Gutachten zu bewerten. Dies sei durch das Bifa-Umweltinstitut geschehen, "und wir erkennen uns in diesem Gutachten".

Der Landkreises Böblingen praktiziert ein ähnliches System wie der Kreis Haßberge. Wolfgang Hörmann vom Abfallwirtschaftsbetrieb Böblingen stellte die seiner Meinung nach "gelungene Kombination von Hol- und Bringsystem" in seinem Landkreis vor. Man sei seit 26 Jahren von diesem System überzeugt, und es gebe keine Bestrebungen, dieses in Frage zu stellen. Natürlich müssten auch hier ab Januar 2019 die Leichtverpackungen nach dem Gesetz neu organisiert werden.

Die Philosophie des Landkreises Böblingen sei es, alles in Eigenregie zu betreiben und die Gebühren stabil zu halten. In Zusammenhang mit dem Verpackungsgesetz habe man eine Analyse auch wegen der Wertstofftonne in Auftrag gegeben. Vom Vergleich her habe es aber keinen Grund dafür geben, das Wertstoffhofsystem mit 32 Abgabeplätzen aufzugeben. Aus rechtlicher Sicht bestehe kein Handlungsbedarf, zumal das Verpackungsgesetz größeren kommunalen Gestaltungsspielraum eröffne.

Keine Tonne in Böblingen

Er empfahl, eine Umfrage auf die Akzeptanz der Wertstoffhöfe abzustellen. Man habe sich trotzdem für eine "Wertstofftonne" ausgesprochen, für die sich der Bürger individuell entscheiden könne. Diese koste zusätzlich 3,50 Euro pro Monat bei einer Leerung im Rhythmus von vier Wochen. Allerdings hätten sich nur 13 000 Haushalte von 278 000 dafür entschieden, und das wären nicht einmal acht Prozent. Für den Kreis sei dies ein Zeichen gewesen, dass die Nachfrage sehr zurückhaltend sei und das Wertstoffsystem als gut erachtet wurde.

Markus Hertel vom Bifa-Umweltinstitut betonte die Neutralität seiner Institution in der Frage Bring- oder Holsystem. "Wir können durch unsere Arbeit mit dem Dualen System oder mit den Kommunen alle Aspekte in der Tiefe beleuchten." Umweltingenieurin Sarah Tschachtli befand das derzeitige Bringsystem im Landkreis als sehr gut und mit dem Restmüllaufkommen von knapp 75 Kilogramm pro Einwohner (kg/Ew) im Jahr liege man deutlich am unteren Ende. Dies liege auch an der "ausgeprägten Trennmentalität der Bürger im Landkreis Haßberge". Über die Kontrolle durch Wertstoffhof-Personal würden auch Fehlwürfe weitestgehend unterbunden.

Den viel diskutierten ökologischen Aspekt hielt Thorsten Pitschke für sehr überschaubar, denn eine Entlastung von 448 Tonnen Kohlendioxid (CO2) entspreche dem jährlichen Pro-Kopf-CO2-Ausstoß von etwa 49 Personen. Dies nahmen auch die Ausschussmitglieder mit Verwunderung auf, und Landrat Wilhelm Schneider ergänzte: "Ich hatte gedacht, das wäre ein sehr viel höherer Wert".

Natürlich wurde dies alles dann sehr intensiv diskutiert. Kreisrat Alexander Ambros (JuLi) erwähnte, dass Haßberge der einzige Landkreis in Unterfranken mit einem Bringsystem sei. Dabei müsse man sich die Frage stellen, wie viel Geld es dem Bürger wert sei, und manches könnte man auch an den Wertstoffhöfen einsparen.

Nahezu alle übrigen Kreisräte plädierten für eine Beibehaltung des seit 1992 bewährten Systems der Wertstoffhöfe. Selbst Kreisrat Rainer Baumgärtner (ÖDP) fand die "Ökobilanz beim Holsystem nicht so toll" und sah die hohe Sortenreinheit bei der jetzigen Erfassung im Bringsystem als einen viel höheren Wert an.

Christoph Winkler (FW) sprach beim jetzigen Wertstoffhofsystem von einem "gut funktionierenden System. Dagegen sind die Vorteile und die Ökobilanz beim Holsystem erschreckend." Er gab auch zu bedenken, dass mancherorts 80 Prozent der gelben Säcke verbrannt würden, weil sie nicht mehr recycelbar seien. Somit sei es besser, das bestehende System zu erhalten und vielleicht noch zu verbessern. Das Problem der Störstoffe brachte auch Günther Geiling (CSU) zur Sprache. Er sah die angesetzten Zahlen bei der Wertstofftonne zu niedrig angesetzt. Die Wertstoffhöfe hätten hier einen großen Vorteil hinsichtlich der Sortenreinheit. Harald Pascher (FDP) zeigte sich offen für Veränderungen, "aber das Gutachten bestätigt mir, bei dem alten System zu bleiben". Dieter Möhring (FW) sah sich durch den Vortrag von Böblingen in seiner Meinung gefestigt, die Wertstoffhöfe zu erhalten. Das Thema werde heiß diskutiert und die Bürger fragten nach Argumenten. Er nannte das Holsystem nur eine "Komfortumstellung", schlug aber vor, sich auch noch einmal mit einem Landkreis zu beschäftigen, der auf ein Holsystem umgestellt habe. Reinhold Giebfried (CSU) drängte auf eine schnelle Entscheidung, weil manche Wertstoffhöfe schon aus den Nähten platzten und man wissen wolle, wie es weiter gehe und Willi Sendelbeck (SPD) fragte nach dem Stand eines Bürgerbegehrens.

Landrat Wilhelm Schneider meinte, dass es das System "Kombi" mit Wertstoffhöfen und Wertstofftonne selten gebe. Dennoch wurde der Landkreis Starnberg genannt, wo der gelbe Sack über den Wertstoffhof entsorgt werden könne. Die Ausschussmitglieder waren damit einverstanden, dass noch eine weitere Diskussion stattfinden solle, in der dann auch noch mehr die Kalkulation und Kosten beleuchtet würden (Wolfram Thein, SPD). Hinsichtlich der Kosten geht es auch darum, dass beim Holsystem der Landkreis rund 300 000 Euro an Mitbenutzungsentgelt verliere, aber auch die Gemeinden rund 30 000 Euro durch die Entgelte für die Wertstoffinseln. Dazu komme die Frage der Reduzierung der Öffnungszeiten der Wertstoffhöfe. Wenn man den "Status quo" beibehalten wolle, könnte man dies nur über die Müllgebühren finanzieren.

Holsystem ist teurer

Geschäftsleiter Wilfried Neubauer sprach in diesem Zusammenhang von einer Erhöhung der Müllgebühren beim Holsystem von rund zwölf Euro im Jahr pro Grundstück.

Autor

Günther Geiling
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Veröffentlicht am:
26. 07. 2018
00:00 Uhr

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Günther Geiling

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