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Wir sind Europa

Als Unesco-Projektschule gestaltete das Eberner Gymnasium jährlich einen Projekttag. Thema diesmal "Europa und Frieden". Ein weites Feld, wie sich in vielen Workshops zeigt.



Am Ende des Unesco-Projekttages versuchten alle Schülerinnen und Schüler am Friedrich-Rückert-Gymnasium, gemeinsam die Europaflagge nachzustellen. Fotos: Rudolf Hein
Am Ende des Unesco-Projekttages versuchten alle Schülerinnen und Schüler am Friedrich-Rückert-Gymnasium, gemeinsam die Europaflagge nachzustellen. Fotos: Rudolf Hein   » zu den Bildern

Ebern - Einmal blau in die Schule gehen - nach dem Altstadtfest-Montag ein nicht einmal so ferner Gedanke. Freilich galt der Farbwunsch, der am Dienstag den Schülern des Eberner Friedrich-Rückert-Gymnasiums (FRG) aufgetragen wurde, lediglich der Oberbekleidung, und noch dazu hatte er einen Sinn: Gemeinsam mit einigen "gelben" Kameraden samt Stern-Schablonen stellten die Gymnasiasten sich gemeinsam als und zur europäischen Flagge auf. Die Aktion bildete den Abschluss des diesjährigen Unesco-Projekttages, den die Unesco-Projektschule in jedem Jahr in der letzten Schulwoche abhält.

"Alle zwei Jahre ist das Thema vorgegeben", erklärt Simone Wittko, gemeinsam mit Kollege Thomas Beck Unesco-Schulkoordinatorin am FRG. "Schau Hin - Misch dich ein" lautete das Motto etwa im vergangenen Jahr. Diesmal hatte die Schule wieder freie Hand und entschied sich, "aufgrund der aktuellen Situation", so Simone Wittko, für "Europa und Frieden". Unterstützt bei der Erarbeitung und Gestaltung der Workshops wurden die beiden Lehrkräfte durch die Unesco-AG der Schule, die Schülermitverantwortung (SMV) und Schüler der 11. Jahrgangsstufe. Anders als etwa im Vorjahr blieben die Themenbereiche diesmal quasi "im Klassenzimmer": Jede Jahrgangsstufe hatte ihr eigenes Thema, das im Klassenverbund bearbeitet wurde.

Spielerisch ging es los in der 5. Klasse, die sich an Europa und dessen Grenzen erst einmal heran arbeiten mussten. Schon viel spezieller war es in den 6. und 7. Klassen: Das "Grüne Band Europa", ein hochaktuelles Thema auch in der Region, stand hier auf dem Stundenplan. Das Grüne Band meint den früheren Todesstreifen entlang der ehemaligen Grenze zwischen der DDR und der Bundesrepublik, im Gegensatz zu früher heute ein Idyll. Das gilt auch für die Artenvielfalt: Das Grüne Band gilt heute als der größte Biotopverbund Europas. Obendrein ist der frühere Kolonnenweg, auf dem nur die Fahrzeuge der Grenztruppen fuhren, mittlerweile ein beliebter Wanderweg. Überhaupt erst einmal die "innerdeutsche Grenze" auf einer Landkarte zu finden sei für die Schüler heute schon eine Herausforderung, beobachtete Christian Seibold, dessen Klasse gerade die Steckbriefe der seltensten Exemplare in Flora und Fauna in jenem Grenzgebiet erarbeitete. Historisch, geographisch und biologisch wurde das Thema also hier beleuchtet.

Ein wenig ernster wurde es eine Jahrgangsstufe höher: "Kriege und Konflikte" standen für die 8. Klassen an - und damit auch die ganz persönliche Frage: "Was bedeutet für euch Frieden?" Philosophisch, sachlich und persönlich kamen daraufhin die Antworten, die die Schülerinnen und Schüler auf Plakaten auch für alle anderen festhielten.

Für die 9. K lassen hatte sich das P-Seminar aus der Q11 etwas Besonderes einfallen lassen: Bei einer Debatte der Nato über die europäische Flüchtlingspolitik ging es heiß her. Gleiches galt für die 10. Jahrgangsstufe, die mit der Q11 zum Planspiel angetreten war: "Festung Europa" hieß das Motto, simuliert werden sollte eine Sitzung des Europarates. "Die Schüler sollen versuchen, eine gemeinsame Flüchtlingspolitik zu entwerfen", erklärte Simone Wittko.

Wie im richtigen Leben gestaltetet sich das erwartungsgemäß schwierig - was umso lehrreicher und interessanter anzuschauen war. In "Ländergrüppchen" mussten die Schüler für ihr "eigenes Land" Standpunkte und Statements finden, sich Verbündete in ihrer Meinung suchen und im besten Fall abschließend einen Konsens finden. "Finnland, ihr seid doch so ein großes Land", hieß es da etwa, "Wieso nehmt ihr nicht mehr Flüchtlinge auf?" Woraufhin sich Finnland wehrte: Viel Fläche nehme schließlich der Wald ein, den für Unterkünfte zu roden so viel Geld kosten würde, das man lieber in die Herkunftsländer investieren wolle. Bei allen Kontroversen - und davon gab es einige, teils sehr leidenschaftliche - war das doch ein Ansatz, mit dem viele Länder etwas anfangen konnten. Einfach ist es eben nicht, doch irgendwie muss Europa ja zusammenhalten.

Das tat Europa dann auch, in Form der Eberner Gymnasiasten, die sich zur europäischen Flagge aufstellten - und dafür ganz dicht zusammenrücken mussten.

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Tanja Kaufmann

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Veröffentlicht am:
25. 07. 2017
19:33 Uhr

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25. 07. 2017
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