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Zu viele Kinder: eine Notgruppe in Ebern soll helfen

In Rentweinsdorf gibt es viele Kinder - zu viele für den Kindergarten. Der baut zwar nun an, doch für das kommende Kindergartenjahr ist das zu spät.



Die alte Berufsschule in Ebern bietet derzeit bereits Kindergartenkindern aus Ebern Platz und kindgerechte Räume, nun könnte hier möglicherweise auch eine Gruppe als "Außenstelle" des Rentweinsdorfer Kindergartens - ebenfalls unter Trägerschaft des Diakonievereins - einziehen.	Fotos: Tanja Kaufmann/Martin Lang
Die alte Berufsschule in Ebern bietet derzeit bereits Kindergartenkindern aus Ebern Platz und kindgerechte Räume, nun könnte hier möglicherweise auch eine Gruppe als "Außenstelle" des Rentweinsdorfer Kindergartens - ebenfalls unter Trägerschaft des Diakonievereins - einziehen. Fotos: Tanja Kaufmann/Martin Lang   » zu den Bildern

Rentweinsdorf - In Zeiten des demografischen Wandels mag das wie ein Luxusproblem scheinen: Rentweinsdorf wächst, die Baugebiete florieren und die Nachfrage gerade junger Familien ist enorm. Viele Kinder beschert das der Marktgemeinde, mehr als noch vor ein paar Jahren, als man aus der Not heraus gar eine Schulkindbetreuung mit in den Kindergarten "Budenzauber" aufnahm, um die Plätze zu füllen. Doch nun ist die Bude voll.

"Einschulungs-Korridor" stellt vor Probleme

Zum kommenden Schuljahr 2019/2020 können in Bayern Kinder, die zwischen 1. Juli und 30. September sechs Jahre alt werden, wegen des neuen "Einschulungs-Korridors" auf Wunsch ihrer Eltern um ein Jahr zurückgestellt werden. Bisher galten alle Kinder mit sechstem Geburtstag bis zum 30. September als schulpflichtig. Eltern konnten eine Zurückstellung beantragen, über deren Bewilligung entschied bisher aber die zuständige Grundschule. Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Simone Fleischmann, befürwortet zwar die angekündigte Flexibilisierung des Einschulungsalters, hält die Einführung für eine professionelle Umstellung jedoch für zu kurzfristig: Kindergärten haben plötzlich mehr, Schulen weniger Kinder zu betreuen als bisher gedacht. 13 Kinder fallen in Rentweinsdorf im nächsten Kindergartenjahr in diesen "Korridor", sagt Kindergartenleiterin Katja Streng. Damit seien auch diese Plätze wieder "unsicher geworden", worüber man die Eltern der Neuangemeldeten informieren wollte. "Wir hatten nicht die Absicht, Panik zu machen", beteuert Katja Streng. tnk

 

Die Eltern von neun Krippen- und drei Kindergartenkindern (man spricht hier auch von "Regelkindern") haben vergangene Woche von der Kindergartenleitung einen Brief erhalten, der vielen von ihnen schlaflose Nächte bescherte: Ihre Anmeldung für das Kindergartenjahr 2019/2020 könne nicht garantiert werden, hieß es. Gleiches galt für Eltern, die schon jetzt für 2020/21 buchen wollten. Doch auch die Empfehlung, den Nachwuchs stattdessen in Ebern anzumelden, brachte nichts - auch hier hagelte es Absagen, wie in den umliegenden Einrichtungen in Gerach, Reckendorf oder Mürsbach: Jede Gemeinde sorgt natürlich erst einmal für die "eigenen" Kinder.

 

Wieso aber gelang dies in Rentweinsdorf nicht? Geplant ist die Erweiterung des dortigen Kindergartens schon lange, der erhöhte Bedarf kommt nicht überraschend. Doch "heute beschließen, morgen bauen - das haut nicht hin", erklärte sich Bürgermeister Willi Sendelbeck am Donnerstagabend bei einem Elternabend, der wegen der aktuellen Situation einberufen worden war. Schließlich wolle man einen Kindergarten schaffen, "in dem sich alle wohl fühlen", so Sendelbeck. Die entsprechenden Planungen erforderten ebenso ihre Zeit, wie die massiven Vorgaben, die mit so einem Projekt verbunden seien, insbesondere, wenn man wie hier eine 90-prozentige Förderung der förderfähigen Kosten in Anspruch nehmen wolle.

Bauamtsleiter Martin Lang stellte diese Planungen vor, die bis etwa Juni spruchreif und damit antragsfähig sein sollen. Über den Winter könne dann ausgeschrieben werden, so Martin Lang, womit im Frühjahr 2020 - nach positivem Förderbescheid - letztlich der Spaten angesetzt werden könnte. Nötige Baugrundsondierungen erschweren die Planungen und erhöhen die Gesamtkosten, die mittlerweile bei geschätzten 1,7 Millionen Euro liegen. Und selbst das werde wohl nicht reichen, mutmaßte Bürgermeister Sendelbeck, der mit zwei Millionen Euro rechnet. Der erweiterte Kindergarten in verfügt nach Fertigstellung dann über 75 (bisher 60) Regelplätze und 24 (bisher 12) Plätze für Krippenkinder und entspricht dem neuen großzügigeren Raumprogramm, das beispielsweise auch ein "Kinder-Bistro" vorsieht. "Es kommen nicht nur zwei neue Gruppen dazu, auch die Qualität steigt", so Martin Lang.

Ein anvisiertes Bauende bis zu Beginn des Kindergartenjahres 2020/21 erschien einigen Eltern angesichts der bisherigen Dauer fraglich. Zunächst einmal gehe es aber um das Kindergartenjahr 2019/2020 , sagte Gemeindediakonin Katrin Schiller vom Diakonieverein Rentweinsdorf-Ebern, Träger des Kindergartens. Sie stellte sich gemeinsam mit Leiterin Katja Streng und Pfarrer Bernd Grosser den Fragen der Eltern. Dass nun zum Teil bereits mündlich zugesagte Plätze wieder fraglich geworden sind, liegt an der neuen "Korridor"-Regelung zur Einschulung der in den Sommermonaten Geborenen ( siehe Info-Kasten ): Sollten Vorschulkinder doch nicht eingeschult werden, weil sie von der Möglichkeit der Rückstellung Gebrauch machen, belegen sie ihren Kindergartenplatz logischerweise weiter.

Alle von den Eltern eingebrachten Möglichkeiten - von der Unterbringung im Schloss, Marktsaal, CVJM-Haus oder Schulgebäude - kämen wegen erforderlicher Auflagen nicht infrage, eine Waldkindergruppe könne nur Zusatzangebot und keine Notgruppe sein, und auch eine Container-Lösung (wie beispielsweise in Memmelsdorf) scheide aus, so der Bürgermeister: "Vom Aufwand fast wie ein Neubau, von der Genehmigung bis zur Erschließung", und mit rund 500 000 Euro für eine Gruppe alles andere als günstig.

Doch was geht? Bereits allen Vorschriften entsprechen würde eine "Außenstelle" in der ehemaligen Berufsschule in Ebern, wo einst die Lebenshilfe residierte und derzeit schon eine Notgruppe des städtischen Kindergartens untergebracht ist. "Die sparsamste und effektivste Lösung", so Willi Sendelbeck. Ab etwa zehn Kindern kommt eine Gruppe zustande. Dafür muss nun aber erneut der Bedarf abgefragt werden. Ein entsprechendes Formular gibt es in Kindergarten und Pfarramt und muss bis spätestens 7. April abgegeben werden (Rückfragen an Diakonin Katrin Schiller, 09531/218 bzw. katrin.schiller@elkb.de ). Erst nach erfolgreichem Rücklauf kann in die Detailplanung gegangen werden: ob Krippenkinder oder (wahrscheinlicher) eine Regelgruppe dann nach Ebern ziehen. Und nächstes Jahr? Katrin Schiller: "Wenn es für 2019/2020 eine Lösung gibt, wird’s für 2020/21 auch eine geben."

In der Berufsschule kann dann allerdings eine weitere Baustelle in die Quere kommen: Das Gebäude soll schließlich dann der Abrissbirne zum Opfer fallen, sobald der Eberner Kindergarten-Neubau unmittelbar daneben steht. Und der Einzug dort ist eigentlich zum Beginn des Kindergartenjahres 2020/21 geplant.

Mittelfristig muss sich die Marktgemeinde weiter mit dem starken Nachwuchs auseinander setzen - etwa was den offenbar hohen Bedarf einer Schulkindbetreuung betrifft. "Das müssen wir künftig mehr im Fokus haben", betonte Zweiter Bürgermeister Kurt Weißheimer.

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Tanja Kaufmann

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Veröffentlicht am:
15. 03. 2019
18:02 Uhr

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15. 03. 2019
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