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Kronach

25 Kronacher dem Vergessen entrissen

Die Verlegung der Stolpersteine gab den Anstoß für ein P-Seminar am KZG. Am Ende stand eine Broschüre, die an das Schicksal jüdischer Mitbürger erinnert. Nun wurde sie vorgestellt.



Die Seminaristen vom Kaspar-Zeuß-Gymnasium stellten ihre Broschüre "Stolpersteine Kronach" in der ehemaligen Synagoge vor.   Foto: Philip Herr » zu den Bildern

Kronach - Zwölf Gymnasiasten am Kaspar-Zeuß-Gymnasium haben in ihrem P-Seminar die Lebensgeschichte von 25 Kronacher Juden beleuchtet, die Opfer des NS-Regimes wurden. Ihre Recherchen hielten sie in einer Broschüre fest, die am Donnerstag in der alten Kronacher Synagoge vorgestellt wurde. "Jeder Stein ein Schicksal, jeder Stein ein Mensch", sagte der Künstler Gunter Demnig, als er im Herbst 2017 und im Sommer 2018 insgesamt 25 Stolpersteine auf Initiative des "Aktionskreises Kronacher Synagoge" verlegte. Der Bundesverdienstkreuzträger will damit das Gedenken aufrechterhalten - an die sechs Millionen ermordeten Juden, aber auch an die Millionen anderen Opfer des NS-Regimes.

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Seminar-Mitglieder "Stolpersteine" sind: Anna Fleischer, Jan Frech, Sophie Hümmer, Lukas Jäkel, Alexandra Kempf, Anna-Lena Lipfert, Philipp Mayer, Lisa Meisner, Kevin Peter, Marco Rebhan, Julien Renner, Joane Sharma, Leitung: Studiendirektorin Ulrike Konrad; wissenschaftliche Leitung: Christian Porzelt.

 

Die Verlegung gab den Anstoß für das P-Seminar am Kaspar-Zeuß-Gymnasium (KZG) und die Erstellung einer Broschüre, die zu den verschiedenen Orten der Gedenktafeln in Kronach führt. Ergänzt werden die Angaben durch kurze Lebensläufe 30 ehemaliger jüdischer Mitbürger der Stadt. Die Seminar-Leitung hatte Studiendirektorin Ulrike Konrad inne wie auch Christian Porzelt, der sich in seinem Studium schwerpunktmäßig mit jüdischer Geschichte beschäftigt hat.

 

Wie die Gymnasiasten bekundeten, wüssten sie um die bisweilen geäußerte Kritik an den Stolpersteinen, man würde damit nun nochmals auf den Opfern "herumtrampeln". "Wir sehen das nicht so. Um die Inschrift lesen zu können, muss man sich bücken - sich quasi verbeugen, wodurch man Respekt zollt", bekundeten die jungen Leute, die beispielsweise im Stadtarchiv sowie im Internet für ihre Broschüre geforscht hatten. Stellvertretend für alle Opfer lasen sie die Kurzbiographien von Julius Strauß, Theodor Bamberger und Herbert Susel vor. Strauß wurde in einer Tötungsanstalt Opfer der Euthanasie, Bamberger im Vernichtungslager Treblinka ermordet, der aus Schlesien stammende Obergefreite Susel - nach der Verurteilung vom Fliegenden Standgericht Erwin Helm - an einem Baum am Breitenloher Berg erhängt.

In dem schlicht gehaltenen Büchlein findet sich auf jeder Seite, soweit vorhanden, ein Bild des Opfers beziehungsweise ein Foto des entsprechenden Stolpersteins. Daneben stehen die Kurzbiographien zur Erinnerung an die Kronacher, die in der NS-Zeit entrechtet und ausgeraubt, verfolgt, zur Auswanderung gezwungen oder ermordet wurden. Alle Seiten zieren goldfarbene Ränder. Das Gold findet sich auch auf dem Umschlag mit der Überschrift "Stolpersteine Kronach" wieder, darunter die stilisierte Festung Rosenberg. Die Büchlein werden in der Tourismusinfo der Stadt ausgelegt, in der alten Kronacher Synagoge sowie im KZG, wo sie - Dank der Unterstützung durch das Bundesprogramm "Demokratie leben" - kostenlos mitgenommen werden können.

Eingangs des kleinen Festakts hatte die Vorsitzende des Aktionskreises Kronacher Synagoge, Odette Eisenträger-Sarter, die Hintergründe des P-Seminars erläutert. Über einen Radiobeitrag sei sie vor vier Jahren auf ein P-Seminar des Coburger Gymnasiums Alexandrinums aufmerksam geworden, wobei Oberstufenschüler eine solche Broschüre über die in Coburg verlegten Stolpersteine erstellten. "Ich dachte, so etwas bräuchten wir in Kronach auch", erinnerte sie sich. Der ehemalige KZG-Schüler Christian Porzelt wandte sich an Ulrike Konrad, die gleich sehr angetan von diesem Vorhaben gewesen sei. "Es fanden sich zwölf tolle junge Menschen, die mit der Broschüre etwas Bleibendes, Wichtiges erschaffen haben", würdigte die Vorsitzende. Ihnen allen galt ihr herzlicher Dank ebenso wie "Demokratie leben" für die Finanzierung. Weiter dankte sie Demnig für die Verlegung der Stolpersteine, deren Spendern, dem Bauhof sowie Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein mit seinem Stadtrat für die Absegnung des Projekts. Einige Gremiumsmitglieder konnte sie an dem Tag willkommen heißen, darunter auch 3. Bürgermeister Markus Wich als Vertreter der Stadt.

Viele lobende Worte für die engagierten Gymnasiasten fanden auch die Gäste. "Ihr habt das Gedenken an die Opfer wieder hergestellt und sie damit ein Stück weit wieder lebendig werden lassen", so AK-Mitglied Franz Kluge. Pastoralreferentin Birgitta Staufer-Neubauer erachtete den Geschichtsunterricht als eines der wichtigsten Fächer überhaupt, wobei sie die Mahnung "Wer 1937 nicht erlebt hat, hat jetzt die Chance nachzulernen" zitierte. An die jungen Leute appellierte sie, ihre Augen auf zu halten angesichts der überall verbreiteten Hetzereien. AK-Mitglied Ingrid Oswald zeigte sich "erschüttert", dass sich von der Bevölkerung gewählte Stadtrats-Mitglieder gegen eine Namensänderung der Gottfried-Neukam-Schule ausgesprochen hätten, obwohl es sich bei ihm um einen bekennenden Nazi gehandelt habe. Musikalisch umrahmt wurde der Festakt von der Seminaristin Alexandra Kempf (Klarinette) und Mario Götz (Klavier), die virtuos Vittorio Montis Csárdás zum Besten gaben.

Autor

Heike Schülein
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Veröffentlicht am:
25. 10. 2018
17:52 Uhr

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Heike Schülein

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Veröffentlicht am:
25. 10. 2018
17:52 Uhr



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