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Kronach

34-jähriger Vergewaltiger aus Kreis Kronach muss hinter Gitter

Der 34-Jährige, der sich an der Freundin seiner Stieftochter vergangen hat, wird zu fünf Jahren und neun Monaten verurteilt. Er zeigt keine Einsicht.



Vergewaltiger muss hinter Gitter  

Coburg - Der 34-jährige Mann aus dem Landkreis Kronach, der die 14-jährige Freundin seiner Ziehtochter vergewaltigt hat, muss für fünf Jahre und neun Monate hinter Gitter. Er muss ferner an die Geschädigte, die durch die Vergewaltigung schwanger geworden war, 10 000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Der Vorsitzende Richter am Landgericht Coburg, Christoph Gillot, sprach von einem sehr außergewöhnlichen Fall: "Es ist eine Ausgangssituation, die Tag für Tag vorkommt. Ein Kind fragt, ob es bei der Freundin übernachten darf. Und natürlich gingen die Eltern davon aus, dass das Kind wohlbehütet sei." Doch plötzlich sei das Kind schwanger, und es sei nichts mehr wie vorher. "Ein Setting der Geborgenheit wird zum Setting eines Albtraums", sagte Gillot. Nach der besagten Nacht sei die Welt des Mädchens gewaltig aus dem Ruder geraten. Er bezeichnet die Geschädigte bewusst als "Kind", denn Zeugenaussagen zufolge war die Schülerin vor der Tat kindlich. Sie und die Elfjährige spielten miteinander. "Heute schiebt sie einen Kinderwagen", sagte der Richter. Ein Leben lang werde sie daran erinnert, dass sie in der Nacht zum Objekt des 34-jährigen Täters geworden sei.

Fakt ist, dass der 34-Jährige an dem Abend den Kindern Nusslikör kredenzt hatte. Ob dem Alkohol ein Schlafmittel beigemischt worden war, konnte letztendlich nicht bewiesen werden. Dafür spricht laut Richter Gillot, dass sich beide Mädchen nicht an die Tat erinnern können. Die Freundinnen übernachteten gemeinsam in einem Bett im Kinderzimmer, als der 34-Jährige sich an der 14-Jährigen verging, die vorher noch keine sexuellen Kontakte gehabt hatte. Möglicherweise, so Gillot, habe das Opfer unbewusst das schreckliche Ereignis verdrängt. Das Mädchen, das nach Aussage seiner Mutter verlässlich jeden Morgen gegen acht Uhr den Hund ausführte, kam demnach an dem Morgen nach der Tat erst gegen 11 Uhr desorientiert nach Hause. Es habe über Kopf- und Bauchschmerzen geklagt; an die Nacht habe es sich nicht erinnert.

In den Folgemonaten litt die 14-jährige Schülerin laut der Mutter unter starker Übelkeit. Als sich eine Schwangerschaft bestätigte, zählte die Mutter eins und eins zusammen und erstattete Anzeige. Das Mädchen entschied sich für das Kind und ist jetzt Mutter einer kleinen Tochter; ein DNA-Test bestätigte die Vaterschaft des 34-jährigen Angeklagten. Wie der Richter ausführte, sei das Mädchen aus seinem Kindsein gerissen worden und müsse psychologisch betreut werden. Welche Folgen dies für die Entwicklung habe, sei noch nicht absehbar.

Die Version des Angeklagten, wonach er stark alkoholisiert gewesen sei, glaubte das Gericht nicht. Der Mann zeigte im Prozess keine Einsicht, sodass beide Mädchen in den Zeugenstand mussten. "Mit einem umfangreichen Geständnis hätte er den Mädchen die Aussagen erspart", sagte Gillot. Die Kammer zweifelte auch an, dass der Mann sich der Tragweite seiner Tat bewusst sei.

Wie der Vertreter der Nebenklage, Rechtsanwalt Frank Jungkunz, anmerkte, sei es ein glücklicher Umstand, dass die 14-Jährige eine tolle und starke Mutter habe, die sich nun um Tochter und Enkelkind kümmere. Mit dem Strafmaß bleibt das Gericht unter den vor der Staatsanwältin Tatjana Winterholer geforderten sechs Jahren und sechs Monaten. Als Pflichtverteidiger Albrecht von Imhoff für eine Bewährungsstrafe plädierte, verließ die Mutter der Geschädigten den Gerichtssaal. "Das war zu viel, das konnte ich nicht aushalten", sagte sie nach der Verhandlung.

Ein Haftbefehl wurde nicht erlassen, der Mann wird zum Haftantritt schriftlich aufgefordert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Symbolfoto: Archiv

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Gabi Arnold
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Veröffentlicht am:
11. 09. 2018
16:02 Uhr

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11. 09. 2018
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