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Kronach

Altes Gotteshaus im neuen Glanz

Pfarrer Teuchgräber ist zufrieden. Die Kronacher Stadtpfarrkirche ist saniert. Es hat länger gedauert als ursprünglich geplant. Und das hatte seine Gründe.



Bauprojektleiter Thomas Beierwaltes (links) und Pfarrer Thomas Teuchgräber in "luftiger Höhe" bei einer Besichtigung kurz vor Ende der Baumaßnahmen. Fotos: Heike Schülein   » zu den Bildern

Kronach - Es ist vollbracht: Die Sanierungsarbeiten an der Kronacher Stadtpfarrkirche sind abgeschlossen. Nicht erwartete Schäden im Bereich des hinteren Kirchenschiffes hatten zu erheblichen Verzögerungen im Bauablauf geführt.

Die aufwändige Sanierung bezog sich auf die Westfassade sowie das Dach des Kirchenschiffes. Das Ingenieurbüro Johann Müller - Büro für angewandte Denkmalpflege - hatte eine Tragwerksuntersuchung zum polygonalen (vieleckigen) Schluss des Westbaus vorgenommen. Der Untersuchungsbericht verdeutlichte zahlreiche Schäden. Zudem empfahl die Firma Donath - Fachbetrieb in der Denkmalpflege - in ihrem Dachbericht dringend eine Sanierung des Sandsteinmauerwerks der Uhrengiebel sowie der Dachanschlüsse in diesem Bereich.

Das Gebäude hat vier wesentliche Bauteile: den Turm, den Chor, das Langhaus sowie den Westbau als Gegenstand des Untersuchungsberichts. Im Auftrag der katholischen Pfarrei wurden darin der konstruktive Zustand des Mauerwerks am Westbau untersucht und entsprechende Sanierungsmaßnahmen vorgeschlagen. Die Errichtung des Westbaus dauerte von 1510/20 bis 1630 - also vom Zeitalter der Spätgotik bis in die Renaissance. "Am Bauwerk waren deutliche Schäden im Bereich des Mauerwerks erkennbar", erläutert Thomas Beierwaltes vom verantwortlich zeichnenden Büro Müller Architekten GmbH. Diese Schäden waren meist oberhalb der Fensterbereiche zu sehen. Als Ursache dieser Schäden kommen vor allem Horizontalkräfte auf die Mauerkrone in Frage, die nicht abgeleitet werden können. "Diese Kräfte verursachen Risse. Die Risse treten dort auf, wo die auftretenden Kräfte den geringsten Widerstand erfahren - sprich im Bereich von Schwächungen im Mauerwerk, so bei Fensteröffnungen und dem Treppenturm", verdeutlicht der Bauprojektleiter.

Das Problem der räumlichen Stabilität ergebe sich dadurch, dass das Gebäude sehr hohe Wände habe, aber keine ausreichende Stabilisierung der Mauerkrone aufweise. Darauf zu vertrauen, dass dieser relativ labile Zustand auch weiterhin funktioniere, wäre fahrlässig gewesen. "Schon ein einzelnes unvorhersehbares Ereignis - wie beispielsweise extreme Windbelastungen - hätten zu weiteren Schäden am Mauerwerk führen können", betont Thomas Beierwaltes. In den Jahren 1976/77 sei die Dachkonstruktion zwar ausreichend stabilisiert worden. Am Umfassungsmauerwerk jedoch hätten keine statisch relevanten Maßnahmen stattgefunden. Die Sanierungsmaßnahmen zielten auf das Schaffen stabiler statischer Systeme ab.

Die im Vorfeld mit der Denkmalschutz- beziehungsweise Denkmalfachbehörde abgestimmte Gesamtmaßnahme untergliederte sich in zwei Hauptabschnitte. Im ersten Abschnitt erfolgte die Beseitigung der Risse, während im zweiten Abschnitt das Mittelschiff sowie die Beseitigung der durch den "Staub der Jahrhunderte" marode gewordenen Hölzer angegangen wurden. Im Zuge der Renovierung traten im Bereich des hinteren Kirchenschiffes nicht erwartete Schäden ans Tageslicht. Nachdem dieser bereits in den 1970er Jahren saniert worden war, konnte nicht von größeren Schäden ausgegangen werden. Nach Öffnen der Traufe wurde jedoch festgestellt, dass bei der damaligen Sanierung Arbeiten im Traufbereich ohne die gebotene Sorgfalt ausgeführt worden waren. Damals war der Dachstuhl statisch ertüchtigt und die Dachfläche neu eingedeckt worden.

"Dabei wurde auf damals schon geschädigte Hölzer aufgebaut. Weiterhin wurde es versäumt, die Traufe zu entschutten", prangert der Diplom-Ingenieur (FH) an. Das Traufholz wurde dabei damals nach innen versetzt, sodass Regenwasser nicht über das Traufholz abtropfen konnte und so in den Auflagebereich der Tragschwellen des Dachstuhls gelangte. Das könnte auch schon vorher so gewesen sein. Diese Hölzer waren zum größten Teil geschädigt, da dieser Bereich, nicht zuletzt wegen des Bauschuttes, nicht austrocknen konnte. Als Folge daraus waren Hölzer mit Schwamm befallen. "Problematisch war", so Thomas Beierwaltes, "dass der Schwamm auch den eigentlichen Dachstuhl befallen hatte, sodass auch hier Balken ausgetauscht werden mussten. Dies war sehr zeitaufwändig." Notwendig wurde auch ein Bearbeiten der Mauerkrone und der Schwellen mit einem Schwammbekämpfungsmittel.

Den Dachbericht erstellte die Firma Donath, die bei sturmbedingten Schieferreparaturarbeiten für die Feststellung des Dachzustands alle Flächen, Kehlen und Seiten des Turmes befahren hatte. Der Fachbetrieb in der Denkmalpflege kam dabei zu dem Schluss, dass eine Sanierung des Sandsteinmauerwerks der Uhrengiebel und damit auch der Dachanschlüsse in diesem Bereich dringend empfohlen wird.

Von September bis Dezember 2018 dauerte die Instandsetzung des hinteren Kirchenschiffes, einschließlich der Überarbeitung des Uhrengiebels am Kirchturm. Von Januar bis Juni 2019 erfolgte die des Mittelbaus. Zunächst war man von einer Renovierungsdauer von lediglich rund drei Monaten, also bis November 2018, ausgegangen. Der Kostenrahmen bewegt sich insgesamt im mittleren sechsstelligen Bereich - fast doppelt so hoch wie ursprünglich veranschlagt.

Der Bauprojektleiter zollt den ausführenden Baufirmen ein großes Lob. Mit dem Ergebnis der Renovierung ist er sehr zufrieden ebenso wie Pfarrer Thomas Teuchgräber, der der Erzdiözese Bamberg und der Oberfrankenstiftung für ihre gewährten Zuschüsse dankt. Dennoch verbleibt noch immer ein sehr hoher Eigenanteil für die örtliche Katholische Kirchenstiftung. Daher wäre man für jegliche Spenden dankbar - zumal mit den Renovierungsarbeiten am Kloster, der Kreuzbergkapelle, der Friedhofskapelle sowie der energetischen Sanierung des Rosenbergkindergartens weitere kostenintensive Maßnahmen anstehen. Die Renovierung der Friedhofskapelle soll noch in diesem Jahr angegangen werden, die Ausschreibungen laufen derzeit.

Kronach verfüge - so Thomas Beierwaltes - über eine Vielzahl prägnanter, stadtbildprägender und identitätsstiftender Gebäude, die es unbedingt zu bewahren gelte. "Glücklicherweise nehmen immer mehr Menschen all die schönen alten geschichtsträchtigen Bauwerke, die uns in der Stadt tagtäglich umgeben, wieder bewusst wahr und investieren in den Erhalt dieses historischen Erbes. Man muss sich nur vorstellen, wie die Stadt ohne ihre historischen Gebäude aussehen würde."

Autor

Heike Schülein
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
14. 06. 2019
17:36 Uhr

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Heike Schülein

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Veröffentlicht am:
14. 06. 2019
17:36 Uhr



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