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Auf Spuren von NS-Verbrechen

Horst Mohr erforscht die nationalsozialistische Vergangenheit von Nordhalben. Jetzt stellt er seine Ergebnisse vor.



Der ehemalige Nordhalbener Horst Mohr stellte bei einer heimatkundlichen Veranstaltung Recherche-Ergebnisse über den "namenlosen Soldaten" vor, der 1945 in Nordhalben hingerichtet worden war. Foto: Norbert Neugebauer  

Nordhalben - Die nationalsozialistische Vergangenheit in seiner alten Heimatgemeinde treibt Horst Mohr um. Der seit Jahrzehnten in Berlin lebende Ex-Nordhalbener untersuchte akribisch Quellen zu Verbrechen, die damalige Machthaber und ihre Handlanger verübt hatten.

Ausgangspunkt für seine Recherche war die Hinrichtung eines aus Österreich stammenden Soldaten, der von einem Standgericht am 10. April 1945, also unmittelbar vor Eintreffen der amerikanischen Alliierten, wegen angeblicher Fahnenflucht hingerichtet worden war. Über dieses Ereignis, das älteren Nordhalbenern unter anderem wegen eines Holzkreuzes auf der Fichterahöhe, wo die Exekution stattgefunden hat, noch in Erinnerung ist, berichten mehrere örtliche Quellen. Jedoch wurde die Tat dem wegen seiner gnadenlosen Hetzjagden in den letzten Kriegstagen berüchtigten "Standgericht Helm" zugeschrieben. Nähere Umstände waren unbekannt. Auch der Name des Getöteten und dessen Verbleib waren zunächst im Ort nicht mehr präsent.

Mohr suchte vor Ort, über das Internet und in Archiven nach Informationen zu dem Fall. Neben dem Namen des damaligen Luftwaffen-Gefreiten Willibald Frischmann fand er 2014 auch heraus, dass ein anderer, nämlich höchstwahrscheinlich der Kriegsrichter Karl Eglseer, für die standrechtliche Verurteilung und Hinrichtung verantwortlich war. Der Leichnam des Soldaten wurde später vom Friedhof in Nordhalben zu einer Kriegsgräberstätte nach Treuchtlingen überführt.

Diese Ergebnisse fügte Mohr in einer Broschüre zusammen, die er bei einer Veranstaltung der Frankenwaldvereins-Ortsgruppe im voll besetzten Gasthaus "Christoph" präsentierte. Dabei stellte er auch Fragen in die Runde, auf die er vor allem von den noch lebenden Zeitzeugen bislang keine Antworten bekommen hatte. Die erhofft er sich jedoch noch - zumal er mit einigen Augenzeugen des Geschehens in Verbindung steht.

Bei seinen Nachforschungen stieß Mohr auch auf andere Verbrechen, die Nazis im Ort verübt hatten: so die Erschießung eines italienischen Zwangsarbeiters bei dessen angeblicher Flucht, ebenso der ungeklärte Tod eines polnischen Zwangsarbeiters, aber auch die wahrscheinliche Ermordung von Menschen im Rahmen des Euthanasieprogramms. Mohr setzte sich auch dafür ein, für das längst abgegangene Holzkreuz in der heutigen Skiabfahrt ein neues Zeichen zu setzen. Dem kam der Nordhalbener Gemeinderat 2016 mit einem neuen Kreuz in der Nähe der Hinrichtungsstelle nach, das jedoch, wie das alte, bislang keine Inschrift trägt. Zudem soll eine Gedenktafel errichtet werden, wenn abschließend geklärt ist, wo die standrechtliche Verurteilung des Österreichers stattgefunden hat.

Mohr will mit seinen Nachforschungen die Erinnerung an die NS-Verbrechen den "nachfolgenden Generationen zur Auseinandersetzung" überliefern. Der Veranstaltung ging eine Wanderung um Nordhalben voraus, die der FWV-Ortsverein unter Leitung von Yvonne Simon über die Fichtera zum Teufelsberg anbot. Auch langjährige FWV-Mitglieder wurden geehrt.

Am Sonntag, 17. September, beteiligt sich die Ortsgruppe an der Sternwanderung des Frankenwaldvereins nach Nurn. Treffpunkt ist um 7.45 Uhr an der Nordwaldhalle. Das nächste Wirtshaussingen findet am Kirchweihsonntag, 1. Oktober, um 19 Uhr im Haus des Gastes statt. nn

Autor

Norbert Neugebauer
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Veröffentlicht am:
13. 09. 2017
18:12 Uhr

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Norbert Neugebauer

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Veröffentlicht am:
13. 09. 2017
18:12 Uhr



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