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Kronach

Auf den Spuren eines Universalgenies

Umweltminister Thorsten Glauber eröffnet die GEO-Tour "Alexander von Humboldt" in Falkenstein. Das länderübergreifende Projekt holt den Ökologen zurück nach Franken



Humboldt und die Nachfahren (von links): Dr. Gerhard Spörl, der Ururenkel des ersten von Humboldt berufenen Lehrers, Alexander von Humboldt alias Marcus Leclair, sowie der Urururenkel des Gelehrten, Georg Freiherr von Humboldt-Dachroeden.   » zu den Bildern

Falkenstein - Der große Naturforscher und Universal-Gelehrte Alexander von Humboldt wäre in diesem Jahr 250 Jahre alt geworden. Der Geopark Bayern-Böhmen und der Geopark Schieferland haben das zum Anlass genommen und gemeinsam die GEO-Tour "Alexander von Humboldt" entwickelt. An insgesamt 18 Standorten, in Falkenstein, Ludwigsstadt, Tettau, Schauberg, Lichtenberg, Bad Steben, Geroldsgrün, Haidberg, Bad Berneck, Brandholz, Goldkronach, Bischofsgrün, auf der Wunsiedler Luisenburg, in Klausen, Arzberg, Steinhaus und an zwei Stationen in Bayreuth werden künftig Infotafeln auf das Wirken Humboldts hinweisen. Jede Tafel ist mit einem "QR-Code" versehen, mit dem Audio-Sequenzen via Smartphone heruntergeladen werden können. In diesen Hörstücken erzählt Alexander von Humboldt "höchstselbst" von seinen Eindrücken aus Oberfranken. Die Stimme lieh ihm Marcus Leclair, Geschäftsführer und stellvertretender Intendant der Bayreuther Studiobühne. Dieser begrüßte in der Gestalt des universalen Wissenschaftlers die zahlreichen Ehrengäste in der Villa Falkenstein bei Lauenstein und gab seine Erinnerungen und Eindrücke an seinen fast vierjährigen Aufenthalt in Oberfranken preis.

Am 12. Juli 1792 betritt der 23-jährige preußische Spitzenbeamte Alexander von Humboldt (1769 - 1859) erstmals Franken - und zwar am "Falkensteiner Hammer" bei Lauenstein. In seinem späteren Bericht schreibt er: "Hinter Probstzella trat ich heute in das Bayreuthische Amt Lauenstein ein. Ein nackter hervorstehender Fels am Falkenstein bezeichnet die Grenze…". Der preußische Minister Friedrich Anton von Heinitz sowie der Gouverneur der neuen preußischen Provinz, Karl August Freiherr von Hardenberg, hatten ihn zu einer Erkundungsreise in die kurz vorher an Preußen abgetretenen Fürstentümer Ansbach und Bayreuth entsandt. Humboldts Aufgabe war es , den Zustand des Bergbaus in der Region zu untersuchen und bereits stillgelegte Bergbauanlagen wieder zu beleben. Als Humboldt in das tief eingeschnittene Tal im Frankenwald kommt, ist es erfüllt von den Klängen der Eisenhütten und Hammerwerke. Alexander von Humboldt verbringt im Juli 1792 nur einen einzigen Tag im Amt Lauenstein. Sein Besichtigungsprogramm ist jedoch immens und reicht vom Stieler Hammer am Falkenstein über den Kupferhammer bei Lauenstein, den Dittmarscher Eisenhammer und Wernershammer in Oberneuhüttendorf. In Ludwigsstadt stehen unter anderem ein Dachschieferbruch, die Fuchseisenfabrik und die Silberschmelze auf dem Programm. Bei Ebersdorf besichtigt er die Löffelfabrik. Das Pensum ist typisch für den rastlosen Vor- und Querdenker.

Auf den Tag genau 227 Jahre später eröffnet Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber die GEO-Tour "Alexander von Humboldt" in Falkenstein bei Ludwigsstadt, gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Geoparks Schieferland und Hofer Landrat Oliver Bär und den weiteren Vertretern des fränkischen Geoparks Schieferland sowie den Gastgebern und Eigentümern der Villa Falkenstein, dem Ehepaar Lenk. Außerdem mit dabei: Humboldts Urururenkel, Georg Freiherr von Humboldt-Dachroeden, sowie der Kronacher Dr. Gerhard Spörl, der Ururenkel des ersten von Humboldt berufenen Berufsschullehrers Georg Heinrich Spörl aus Naila.

In einem kurzen Grußwort betonte Umweltminister Thorsten Glauber, dass gerade in der heutigen Zeit, in der Umweltbewusstsein und Umweltschutz gefordert seien, die Haltung und Erkenntnisse Humboldts aktueller denn je seien. Der Wunsiedler Landrat Karl Döhler dankte stellvertretend für seine Kollegen, allen ehrenamtlichen Helfern, insbesondere den Ludwigsstädter Heimatpflegern Siegfried Scheidig und Martin Weber. Er skizzierte Humboldt als globalen Denker und frühen Ökologen, der Grundlagen der Klimaforschung gelegt hat; als interdisziplinär und vernetzt denkenden Naturforscher sowie praktischen Pädagogen, der Bergbauschulen gründete und als Menschen, den die Arbeitsbedingungen der Bergleute ebenso beschäftigten wie deren Gesundheit. "In den Biografien werden die fränkischen Jahre kaum erwähnt", so Döhler. "Aber aus über 250 Briefen, amtlichen Schreiben und Berichten können wir schließen, dass seine Zeit in Oberfranken prägend für seine spätere Karriere war." Hier habe Humboldt seine "berufliche Gesellenzeit" verbracht und die Grundlagen für sein Wirken als Forschungsreisender und universaler Wissenschaftler gelegt.

Mit der Errichtung der GEO-Tour wolle man Alexander von Humboldt "wieder zurück nach Franken holen", so Döhler. Ziel sei es, die Erinnerung an Humboldt und an sein geistiges Erbe wach zu halten.

Das Umweltministerium fördert das Projekt mit 58 000 Euro. Der Hofer Landrat und Vorsitzende des Geoparks Schieferland, Oliver Bär, bedankte sich bei Minister Glauber und fügte an, man möge das Projekt langfristig unterstützen. "Der Geopark Schieferland, unsere Natur und unsere Geologie sind ein großer Schatz, den wir mit der GEO-Tour ans Licht bringen - und ganz im Sinne Humboldts - sehbar, fühlbar und erlebbar machen möchten."

Alexander von Humboldt blieb mit einigen längeren Unterbrechungen fast vier Jahre der Region treu. Zunächst als Oberbergmeister, der rastlos von Revier zu Revier reiste und sich unter anderem um die vielen Gruben und Hüttenwerke kümmerte; später als Oberbergrat, der neben seiner Tätigkeit für die Regierung eine gewisse Freiheit für Forschung und Reisen genoss. Bezüglich des Amtes Lauenstein empfahl Humboldt die Wiederaufnahme alter Stollen für Eisenerz und die Wiedereröffnung eines alten Kupferkies-Vorkommens am Sommerberg. In Ludwigsstadt fand er drei Hammerwerke vor, die ihren Bedarf von "4000 Seidel Eisenerz" aus dem sächsischen Kamsdorf deckten. Um sie von den Importen aus Sachsen unabhängig zu machen und wieder mehr Menschen in der Region Arbeit zu geben, sollte nach Meinung Humboldts der Bergbau im Amt Lauenstein unbedingt wieder aufgenommen werden.

Im Dezember 1796 scheidet Humboldt auf eigenem Wunsch aus dem Bergdienst aus. 1799 tritt er seine berühmte Forschungsreise durch Süd- und Mittelamerika an.

Autor

Sabine Raithel
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
14. 07. 2019
17:06 Uhr

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Sabine Raithel

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Veröffentlicht am:
14. 07. 2019
17:06 Uhr



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