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Kronach

Backstage beim Freischießen

Besonders erfolgreiche Mittelschulabsolventen bekommen einen Einblick hinter die Kulissen des Kronacher Schützenfestes. Sie freuen sich über die Ankündigung eines Frühlingsfestes.



In den Genuss eines exklusiven Gangs über das Kronacher Freischießen kamen erfolgreiche Absolventen der Mittelschulen in Kronach und Küps. Platzmeister Charly Wittig führte sie über den Platz und viele Schausteller standen ihnen Rede und Antwort. Foto: Rainer Glissnik  

Kronach - Kürzlich ehrte der Landkreis Kronach die erfolgreichsten Absolventen der Mittelschulen. Diese kamen von der Gottfried-Neukam-Mittelschule Kronach und der Mittelschule Küps. Charly Wittig, Platzmeister der Schützengesellschaft Kronach, war dabei und spontan lud er die jungen Leute zu einem Rundgang beim Freischießen ein - dabei ging es auch hinter die Kulissen. Die Schausteller ließen die jungen Leute an ihren Arbeitsplatz und auch in ihre privaten Bereiche blicken.

Der Vorsitzende des Süddeutschen Schaustellerverbandes Lorenz Kalb betreibt mit seiner Frau "Heidis Bar" und ist auch der Manager vom Nürnberger "Strand". "Wir haben mit Charly Wittig einen Platzmeister vor Ort, der für Ordnung sorgt, aber auch das Gespür hat, hier ein so großes Fest richtig gut zusammenzustellen." Es nütze ja nichts, wenn es nur Hightech-Geschäfte für die Jugend geben würde. Alle Altersgruppen müssen sich auf solch einem Fest wohlfühlen können.

Als Erstes durften die jungen Leute hinter die Kulissen der Firma Eis-Müller am südlichen Eingang blicken. Karl-Heinz Hartnagel empfing die jungen Gäste an seinem Breznhaus. Er ist auch Vizepräsident des Süddeutschen Schaustellerverbands. "Ich kann euch eins sagen, ich habe den schönsten Beruf den es gibt. Ich bin immer an der frischen Luft, ich lerne immer neue Menschen kennen." Seine Familie macht diesen Job seit Generationen, er seit mehr als 30 Jahren. "Das Schöne ist bei uns, wenn heute Abend das Licht angeht und die Leute auf die Festwiese strömen, dass nur wir Schausteller eine so großartige Atmosphäre schaffen. Das schaffen kein Unifest und keine Automobilausstellung, das machen nur wir", freute sich Hartnagel. Weiter ging es zu Michael Wolf, der Schaschlik herstellt, an die Stände "An der Ecke bei Lore" und "Karlis Bar" und zu Raimund Meister und seinem Pizzastand. Charly Wittig erklärte die vielen Fluchtwege, bevor Raimund Krug senior den Autoscooter vorstellte. Seine Mitarbeiter hatten einen Autoscooter auf die Seite gelegt, so dass die Unterseite zu sehen war. Krug erläuterte die Wirkung zweier Magnete. Der erste wird aktiv beim Einwurf des Chip, der zweite wird aktiv wenn der Strom ausgeschaltet wird und lässt den Chip durchfallen. Große Sorgfalt braucht das Gleichstromnetz.

"Mein Krake ist schon ziemlich alt", erklärte Besitzer Maximilian Hans Müller aus Berlin. Das Fahrgeschäft stammt aus dem Jahr 1971, wird aber stetig erneuert. Es hat hundert Tonnen Gesamtgewicht, drei Schwertransporter mit Tieflader sind für den Transport notwendig.

"Warum er nach Kronach kam", wollten die jungen Leute wissen. Es mache wenig Sinn, kreuz und quer durch das Land zu fahren. Er fahre heuer nach Nürnberg zum Herbstvolksfest. Da sei er daran interessiert, logistisch praktisch zu arbeiten. Kronach liegt auf der Strecke. "Ein sehr bekanntes Traditionsfest. Wir suchen uns natürlich Traditionsveranstaltungen, weil die auch an den Wochentagen gut besucht sind."

Vorbei am Fotoschießen ging es zu Jacqueline Müller vom "Eispalast". Sie erinnert sich noch an ihre Kindheit, als sie alle zwei Wochen an einer neuen Schule war. Ständig neue Freunde bekam. Sie erklärte viele Hintergründe. Von der Wilden Maus, zum Flip Fly und dem Riesenrad ging es in den Hintergrund zu den Stellplätzen der Wohnwagen der Schausteller. Manche haben dabei eher fahrbare Häuser.

Der Breakdance war der Hit bei den jungen Leuten. "Den Breakdance gibt es jetzt seit 32 Jahren", erklärte Michelle Wolf, Tochter von Michael Wolf. Gemeinsam mit ihrem Mann Nico Schulz betreibt sie den Breakdance. "Breakdance ist ein Kultgeschäft." Ein Fahrgeschäft auf dem jeder gefahren ist, selbst Eltern und Großeltern. Dabei hat sich beim Breakdance von Wolf in den letzten Jahren enorm viel geändert. Der Breakdance wurde für 200 000 Euro erneuert. LED-Beleuchtung, Neubemalungen und die Erneuerung der Mittelsäule erfolgten. Eine Fahrt dauert dreieinhalb Minuten. Beim Breakdance gibt es sogar eine Rollstuhlauffahrt.

"Können wir in Kronich nicht öfters so ein Fest veranstalten", wollten die begeisterten jungen Leute beim Freischießen-Rundgang mit den Jahrgangsbesten der Mittelschulen wissen. Charly Wittig erinnerte an das Frühlingsfest beim Turnerheim oder das spätere Maifest auf dem Schützenplatz. "Ein Fahrgeschäft brauchen wir da auf jeden Fall." "Am liebsten den Breakdance", meinten die jungen Leute. "Zwei Feste auf einem Platz sind immer ein Problem", erklärte Charly Wittig. Die Leute würden immer an das schöne und große Freischießen denken. Ein Frühlingsfest sei dagegen immer klein. Dann werde dieses nicht so angenommen und es sei noch mehr vom Wetter abhängig.

Dennoch will Wittig im kommenden Jahr einen erneuten Versuch für ein Kronacher Frühlingsfest starten, kündigte er an. Beruflich hat er in der Wilhelmshöhe seinen Auto-Elektro-Dienst. Aber er engagiert sich auch bei der Handwerkskammer: Seit 1988 ist er Mitglied im Gesellenprüfungsausschuss für das Kfz-Elektrikerhandwerk der Kfz-Innung Oberfranken. Seit 1989 ist er als Arbeitnehmervertreter Mitglied der HWK-Vollversammlung, seit 1999 im Vorstand und im Gewerbeförderungsausschuss der HWK. Seit 2004 ist Charly Wittig Vizepräsident der Handwerkskammer von Oberfranken für die Arbeitnehmerseite. Als Platzmeister ist er seit 21 Jahren aktiv und kennt nahezu alle Schausteller persönlich, die zum Kronacher Freischießen kommen. Die Wilde Maus steht beispielsweise im Doppelpack zusammengebaut auf dem Oktoberfest. Wenn deren Besitzer ihm zusage, nach Kronach zu kommen, könne er sich darauf verlassen. Mittlerweile haben er und die Schützen sich deshalb auf Leute konzentriert, deren Zusage für Kronach auch wirklich gelten und ist froh darüber, ein zuverlässiges Team zu haben.

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Rainer Glissnik
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Veröffentlicht am:
18. 08. 2019
17:16 Uhr

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Autor

Rainer Glissnik

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Veröffentlicht am:
18. 08. 2019
17:16 Uhr



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