Lade Login-Box.
Topthemen: Autonomes Fahren in OberfrankenDie Videos der WocheDer BachelorCotubeBlitzerwarner

Kronach

Bauerndemo gegen neue Düngeregeln

Die Landwirte gehen auf die Barrikaden. Rund 400 Traktoren rollen im Protestzug durch Kronach. Bei der anschließenden Kundgebung fordern die Teilnehmer auch mehr Planungssicherheit.



400 Traktoren machten mit einer fahrt von Ruppen nach Kronach auf sich aufmerksam. Foto: Maria Löffler  

Kronach - "Wir Landwirte haben es satt. Die Düngeverordnung ist unpraktikabel und nicht einhaltbar. Und wir fordern, dass nicht immer alles auf unserem Rücken ausgetragen wird. Wir übernehmen unseren Teil der Schuld, aber eben nicht mehr." In vielen Orten gehen Landwirte gerade aufgrund der neuen Düngeverordnung auf die Barrikaden und in Kronach gipfelte dieser Protest in einer Fahrt von etwa 400 Traktoren, die bei Ruppen starteten und durch die Stadt Richtung Schützenplatz fuhren. Im "Kaiserhöfer" gab es eine Kundgebung und CSU-Europaabgeordnete Monika Hohlmeier versprach den aufgebrachten Landwirten Rückendeckung.

11.01.2020 - Bauernproteste in Kronach - Foto: Frank Wunderatsch

Bauernproteste in Kronach
Bauernproteste in Kronach
Bauernproteste in Kronach
Bauernproteste in Kronach
Bauernproteste in Kronach
Bauernproteste in Kronach
Bauernproteste in Kronach
Bauernproteste in Kronach
Bauernproteste in Kronach
Bauernproteste in Kronach
Bauernproteste in Kronach
Bauernproteste in Kronach
Bauernproteste in Kronach
Bauernproteste in Kronach
Bauernproteste in Kronach
Bauernproteste in Kronach
Bauernproteste in Kronach
Bauernproteste in Kronach
Bauernproteste in Kronach
Bauernproteste in Kronach
Bauernproteste in Kronach
Bauernproteste in Kronach
Bauernproteste in Kronach

"Land schafft Verbindung - wir rufen zu Tisch." Diese relativ junge Vereinigung aus Landwirten organisiert seit einiger Zeit Protestaktionen überall in Deutschland. Veranstaltungsleiter in Kronach war Markus Koch, selbst Landwirt, der mittlerweile zweifelt, ob er nicht den falschen Beruf ergriffen hat. "Ich liebe das, was ich tue, aber ich bin inzwischen gezwungen, Dinge zu tun, die überhaupt keinen Sinn ergeben." Und damit steht er nicht alleine. Auch Michael Fischer weist auf die Missstände hin: "Bei den Messstellen sind wir Deutschen das Schlusslicht, denn es gibt viel zu wenige, um wirklich aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten. Wir haben ausschließlich nach geltenden Regeln gedüngt, aber bei zwei trockenen Jahren hintereinander konnte ja nicht viel passieren."

Die Landwirte, egal ob Bio oder konventionell, haben "keinen Bock mehr", sind frustriert, bestätigen die beiden. Markus Koch: "Die Sperrfristen werden immer kürzer und auch die Zeiträume, in denen etwas ausgebracht werden darf. Wir müssen uns nach den Lohnunternehmern richten, denn alleine schaffen wir das gar nicht. Und wenn der Unternehmer dann halt nur abends um 20 Uhr kann, dann ist das so. Nach dem Kalender, der Uhr oder gar nach der Pflanze können wir uns schon lange nicht mehr richten und das macht keinen Sinn." Dazu käme, dass die Gelder der EU um rund sechs Prozent gekürzt worden seien, den Bauern also immer weniger zum Leben oder zum Überleben bleibe.

Den Rücken der Landwirte stärkte Europaabgeordnete Monika Hohlmeier. Sie zeigte Verständnis für die Empörung: "Es ist gut, dass Ihr Euch rührt und dabei fachlich und sachlich bleibt." Sie versprach "brutal hartnäckig" in puncto Messstellen zu bleiben und möchte vor allem eine differenzierte Betrachtung der Agrarlandschaft von Hamburg bis München. "Hier herrschen doch total unterschiedliche Grundlagen. Eine einheitliche Lösung macht also überhaupt keinen Sinn." Und fast ganz nebenbei ließ sie noch eine Bombe platzen: "Ich kämpfe für ein ‚Anti-Oligarchengesetz‘. Die, die industrielle Landwirtschaft betreiben und politisch verwoben sind, sollen gar nichts mehr bekommen. Es kann nämlich nicht sein, dass die, die eine politische Spitzenstellung einnehmen, sich selbst das Geld zuteilen. Da hört es für mich auf." Hohlmeier bezog sich dabei ausdrücklich nicht auf "kleine Familienbetriebe", sondern auf industrielle Konglomerate und sie erntete dafür Beifall der Landwirte. "Das Geld muss an die Mehrheit der Bevölkerung gehen, nicht an einige wenige."

Zum Ende ihrer Rede bekam Hohlmeier aus den Händen von Landwirt Klaus Siegelin unter anderem einen Fragenkatalog überreicht. Hier waren die Anliegen der Landwirte zusammengefasst, Antworten erhofften sie sich unter anderem vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder. Darin ist vor allem immer wieder von Planungs- und Rechtssicherheit die Rede, die sich die Landwirte wünschen. "Ist es nach Ihrer Meinung einem Bundesland wie Bayern würdig, seine Landwirte immer wieder rechtlich in der Schwebe zu halten?" fragen die Landwirte. Sie sprechen darin auch von "schlampigen Umsetzungsgrundlagen" und fragen konkret: "Was wollen Sie unternehmen, damit in Zukunft Landwirte zum Zeitpunkt der verpflichtenden Umsetzung nicht ohne verbindliche Informationen dastehen?" Zudem wünschen sie sich eine Kombination aus Natur- und Umweltschutz mit aktiver Erzeugung. Eine weitere Frage war: "Wie wollen Sie verhindern, dass sich die Einkommen der aktiven Bauernfamilien in Folge von Förderprogrammen schmälern?"

SPD-Landtagsabgeordneter Klaus Adelt stand an diesem Abend ebenfalls auf der Bühne im "Kaiserhöfer". Er zeigte sich überwältigt von der Anzahl der Fahrzeuge, die an dieser Protestaktion teilgenommen hätten. Dieser Umstand sei eine Messlatte für das Ausmaß der Empörung unter den Landwirten. Er räumte aber auch gleichzeitig ein, dass "eine Diskussion, die in Bayern geführt wird, erst einmal auch in Europa umgesetzt werden muss." Dabei solidarisierte auch er sich mit den Bauern: "Die Landwirtschaft steht derzeit zu Unrecht unter Beschuss." Trinkwasserschutz sei ein Anliegen von allen, aber es könne nicht sein, dass schlampige Umsetzungen, die auf veraltetes Kartenmaterial oder falschen Messsystemen basierten, die Grundlagen für Beschlüsse darstellten. "Wir müssen erst einmal verlässliche Zahlen schaffen, dann sehen wir, was hinten rauskommt." Dazu brauche es ein "Frühwarnsystem der Landwirte", die rechtzeitig auf solche Missstände hinweisen. "Ihr wisst am besten, wo es hakt", so Adelt.

Autor

Maria Löffler
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
12. 01. 2020
17:36 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Abgeordnete des europäischen Parlaments Barrikaden Bayerische Ministerpräsidenten Demonstrationen Europäische Union Industrie Klaus Adelt Landwirte und Bauern Landwirtschaft Markus Koch Markus Söder Michael Fischer Monika Hohlmeier Sozialer oder politischer Protest Traktoren
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema

13.01.2020

Bauern haben selbst auf Protestzug verzichtet

Der Traktoren-Tross vom Samstag hat einen Bogen um Markus Söder gemacht. Nun ist klar: An zu hohen Auflagen lag das nicht. » mehr

10.01.2020

Ein schwieriges Geschäft

Landwirt Michael Fischer wollte Bewegung in den Konflikt mit der CSU bringen. Nun fühlt er sich missverstanden. CSU- Kreischef Baumgärtner spricht von einem Spagat. » mehr

07.01.2020

Söder kommt - Bauern demonstrieren

Die Landwirte wollen den Ministerpräsidenten-Besuch am Samstag nutzen, um das Ruder bei der Gülleverordnung noch rumzureißen. Dafür haben sie genau fünf Minuten. » mehr

19.12.2019

Spontaner Protest der Kronacher Landwirte

Mit Plakaten und Traktoren-Kolonnen machen die Bauern auf sich aufmerksam. Von der Politik sind sie enttäuscht. » mehr

Bauernproteste in Kronach

11.01.2020

Protest: Leuchtende Traktoren empfangen Söder in Kronach

Die Bauern sind sauer: Wegen der geplanten Düngemittelverordnung protestierten am Samstag weit über 300 Landwirte beim Besuch von Ministerpräsident Söder in Kronach. » mehr

12.01.2020

Söder sorgt für gutes Klima

Der Ministerpräsident trifft auf Umweltschützer ebenso wie auf protestierende Landwirte. Verständnis äußert er hier wie dort. Aus einem Kronacher Konflikt aber hält er sich raus. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Joseph Hannesschläger

Diese Prominenten sind 2020 schon gestorben |
» 7 Bilder ansehen

Büttensitzung Zeiler Narrenzunft

Büttensitzung Zeiler Narrenzunft | 20.01.2020 Ralf Naumann
» 12 Bilder ansehen

Büttenabend Wallenfels

Büttenabend in Wallenfels | 20.01.2020 Wallenfels
» 30 Bilder ansehen

Autor

Maria Löffler

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
12. 01. 2020
17:36 Uhr



^