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Kronach

Bewährung für Stalker

Mehr als ein halbes Jahr lang schikanierte ein 36-Jähriger seine einstige Freundin. Die Liste der Obszönitäten ist lang.



Kronach - Es war das unrühmliche Ende einer Partnerschaft: Weil seine Ex-Freundin nach dem Beziehungs-Aus einige seiner Habseligkeiten nicht mehr herausgeben wollte, verlor ein 36-jähriger, im Landkreis Kronach wohnhafter Mann gänzlich die Contenance. Von September 2017 bis April 2018 bescherte er der Verflossenen durch fortwährendes Stalking einen Nervenzusammenbruch; dabei bediente er sich eines umfangreichen Repertoires an sexuellen Schlüpfrigkeiten und persönlichen Diffamierungen. Nicht nur das Posten von Nacktbildern der Dame im Internet, sondern auch 74 Beleidigungen der Kategorie "unterste Schublade" über Messenger-Dienste bescherten ihm am Donnerstag eine Vorstellung bei Strafrichter Christoph Lehmann vor dem Kronacher Amtsgericht. Unter anderem wegen Beleidigung, Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches, Verbreitung pornografischer Schriften und zweier Verstöße gegen das Gewaltopferschutzgesetz verurteilte dieser den Mann zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten auf Bewährung. Außerdem muss er 1000 Euro an eine Gewaltopferschutzorganisation bezahlen.

Die Vorwürfe aus der umfangreichen Anklageschrift, deren Verlesung alleine fast eine Viertelstunde in Anspruch nahm, räumte der Beklagte zu Prozessbeginn ein: Dabei bildeten Nachstellungen und die Zurschaustellung von Nacktbildern der schlafenden Geschädigten über soziale Medien Anfang September 2017 nach dem Ende der Partnerschaft und im Zuge eines Streits um Wohnungsinventar lediglich die Spitze des Eisberges.

Weit schwerer wog in der Folgezeit die Erstellung eines Fake-Accounts auf einem Dating-Portal unter dem Namen der ehemaligen Freundin. Das Resultat: Die Frau bekam zu Hause mehrmals unerwarteten Besuch von Männern, die ihr sexuelle Angebote unterbreiteten. Flankiert wurde dieses Treiben des Angeklagten durch ein via WhatsApp abgebranntes, wahres Feuerwerk an Obszönitäten und Beleidigungen gegenüber der Ex. Insgesamt 74 Nachrichten, gespickt mit Schimpfwörtern, Todeswünschen und Sex-Offerten nebst einem Video, das den 36-Jährigen beim Masturbieren zeigte, schlugen am Ende zu Buche. Die Geschädigte erlitt infolge all dieses Psychoterrors einen Nervenzusammenbruch und musste sich im Februar 2018 in psychiatrische Behandlung begeben.

Doch damit nicht genug: Während ihres Aufenthalts in einer Nervenklinik stiftete der Angeklagte dann zwei Männer gegen Bezahlung an, zwecks sexueller Interaktionen Kontakt zum Opfer aufzunehmen. Die Verlesung einer Messenger-Nachricht vom sichergestellten Handy des Beschuldigten war eindeutig: "Machst du es, wenn ich dir Geld gebe? Ich meine es ernst." Dies alles geschah, obwohl bereits ein gerichtlich angeordnetes Kontaktverbot bestand.

Die eigenen Missetaten bezeichnete er im Prozess reumütig im Stil der versandten WhatsApp-Nachrichten: "Es war ein absolutes Scheiß-Verhalten von mir." Zu seiner Verteidigung brachte er im weiteren Prozessverlauf ausführlich Verfehlungen der ehemaligen Lebensgefährtin vor. Sein Resümee: "Es hat sich damals von beiden Seiten nicht viel gegeben."

Die sachbearbeitende und auch mit der Vorgeschichte vertraute Polizistin stützte diese Einschätzung teilweise. "Ich habe das als Kindergarten zwischen zwei Erwachsenen empfunden", gab sie zu Protokoll - nicht jedoch ohne auf die seelische Ausnahmesituation der Geschädigten zu verweisen: "Sie war am Boden zerstört und hat nicht mehr ein noch aus gewusst." Das Verhalten des Angeklagten habe sie im Verlauf der Ermittlungen als unkooperativ, ja gar feindselig empfunden.

Dass dem zehnfach vorbestraften, unter laufender Bewährung stehenden Beklagten letzten Endes der Knast erspart blieb, lag neben seinem Geständnis auch an der Fürsprache seines Bewährungshelfers, der ihm einen Sinneswandel und ein Dasein in geordneten sozialen Verhältnissen mit einem festen Arbeitsplatz bescheinigte. "Er steht jetzt voll im Leben. Sein Wandel im letzten Dreivierteljahr hat mich positiv überrascht", so sein Fazit.

Staatsanwalt Philip Pasch plädierte auf eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten zur Bewährung sowie eine Geldauflage von 1000 Euro. Verteidiger Till Wagler stellte die Strafe in das Ermessen des Gerichts. "Die Geschädigte musste über einen längeren Zeitraum in einer unerträglichen Weise leiden", verdeutlichte Richter Christoph Lehmann und folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft weitestgehend. "Sie sollen jeden Monat daran denken, dass Sie so einen unnötigen Mist nicht mehr machen", begründete er die Geldauflauflage abschließend.

Autor

Jürgen Malcher
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
10. 05. 2019
17:12 Uhr

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Jürgen Malcher

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Veröffentlicht am:
10. 05. 2019
17:12 Uhr



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