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Kronach

Bewährungsstrafe für Lügen vor Gericht

Eine junge Frau macht vor Gericht falsche Aussagen. Wegen positiver Sozialprognose lässt der Richter Milde walten.



Kronach - Dass man die Justiz nicht zum Narren halten sollte, bekam eine 29-Jährige aus dem Landkreis Kronach nun zu spüren: Im März 2018 machte die Frau eine falsche Aussage, um ihrem Ehemann, der während einer laufenden Bewährung selbst in einem Betrugsprozess vor dem Kronacher Amtsgericht unter Anklage stand, den möglichen Gang ins Gefängnis zu ersparen. Außerdem versuchte sie, sich im November desselben Jahres durch das Fälschen einer Quittung Vermögensvorteile von 9000 Euro in einem Prozess vor dem Arbeitsgericht Bamberg zu verschaffen.

Am Donnerstag musste sie deswegen erneut vor dem Richterstuhl in Kronach unter Vorsitz von Strafrichter Christoph Lehmann erscheinen. Dieser verurteilte die Frau wegen uneidlicher Falschaussage, versuchten Betrugs und Urkundenfälschung zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten.

Die angeklagte Mutter von zwei Kindern bekannte sich zu Prozessbeginn schuldig, was dem Gericht eine umfangreiche Beweisaufnahme ersparte. Ihr zufolge habe sie im Verfahren gegen ihren Mann um die Bestellung und Nichtbezahlung eines Trauerkranzes im Wert von 650 Euro (die NP berichtete) ausgesagt, den Grabschmuck anstelle ihres Gatten bestellt zu haben. Ihre Aussage konnte durch Zeugen und Korrespondenzen mit der beauftragten Gärtnerei aber als falsch entlarvt werden. Als Hauptmotiv gab die Beschuldigte an, dass sie ihrem Mann - Haupternährer der vierköpfigen Familie - habe helfen wollen, "sonst hätte er doch ins Gefängnis gemusst". Nicht nur rechtswidrig, sondern auch unnötig: Der Ehemann kam mit einer Geldstrafe davon.

Zu den Anklagepunkten des Betrugs und der Urkundenfälschung machte die Beklagte ebenfalls umfangreiche Angaben: Im Zuge einer rechtlichen Auseinandersetzung mit einem ehemaligen Teilhaber am familieneigenen Gastronomiebetrieb vor dem Arbeitsgericht Bamberg habe sie im November 2018 eine Quittung über die Zahlung der Summe von 10 000 Euro an diesen geltend gemacht. Mit einer nachträglich angefügten Null hatte sie den ursprünglich von ihr quittierten Betrag von 1000 Euro im Handumdrehen verzehnfacht. Auch diese Fälschung konnte jedoch enttarnt werden.

Ihr Handeln begründete die 29-Jährige mit finanziellen Engpässen und der Enttäuschung über das damals plötzliche Ausscheiden des Teilhabers aus dem Unternehmen. "Es war eine Kurzschlussreaktion. Ich wollte ihm eins auswischen. Dass das kriminell war, weiß ich. Es tut mir leid", zeigte sie sich reumütig.

Staatsanwalt Daniel Killinger hob in seinem Plädoyer das umfangreiche Geständnis der Beschuldigten, ihre bisherige Unbescholtenheit und eine günstige Sozialprognose strafmildernd hervor. Mit neun Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, forderte er eine Strafe am unteren Ende des möglichen Strafrahmens. Eine Geldstrafe unter 90 Tagessätzen wollte Verteidigerin Anett Raumschüssel erreichen.

Mit acht Monaten zur Bewährung und moderaten Bewährungsauflagen folgte Richter Lehmann den Forderungen der Staatsanwaltschaft weitestgehend. Eine solche Strafe sei mit viel Wohlwollen und Fantasie vertretbar, so der Vorsitzende abschließend.

Autor

Jürgen Malcher
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
16. 05. 2019
17:48 Uhr

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16. 05. 2019
17:48 Uhr



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