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Kronach

Bewährungsversager geht in den Knast

Der 40-Jährige rennt einen Mann fast um. Ins Gefängnis bringen ihn auch die vielen Vorstrafen.



Kronach - Weil er im November des vergangenen Jahres nach einem Streit mit seiner Noch-Ehefrau im Drogenrausch gewaltsam in die Räume eines Gasthauses eindringen wollte und dabei einen Unbeteiligten mit dem Kopf "tacklete", musste sich ein 40-Jähriger aus dem Landkreis Kronach am Donnerstag vor dem hiesigen Amtsgericht verantworten. Richter Christoph Lehmann verurteilte den Mann letzten Endes wegen Körperverletzung und Nötigung unter Einbeziehung anderer, noch offener Strafen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und elf Monaten.

Was es für ihn geschlagen hatte, wusste der bereits in der JVA Kronach einsitzende Beschuldigte nur zu gut und machte durch ein Geständnis reinen Tisch: Er gab an, mit seiner Noch-Gattin am Vormittag des 24. November 2018 nach einer exzessiven Nacht voller Crystal und Alkohol wegen eines Handys in Streit geraten zu sein. Unwesentlich später besuchte er sie an ihrem Arbeitsplatz zwecks Übergabe des Gerätes. Doch seine Angetraute habe ob seines Anblicks panisch reagiert und sei in die Betriebsstätte geflüchtet. "Ich wusste gar nicht, was Sache ist. Sie ist einfach so davongerannt und hat um Hilfe gerufen - wie in einem schlechten Horrorfilm", stellte der Beklagte das Geschehen dar. Zwecks Klärung der Situation sei er ihr gefolgt, dann aber von einem Betriebsangehörigen vor der Tür am Betreten gehindert worden.

Nachdem sich die Angelegenheit vermeintlich entspannt hatte, habe er aufgrund einer provokativen Äußerung seiner Frau - in bester Footballer-Manier und mit nacktem Oberkörper - die noch halboffene Tür eingerannt. Im Zuge dessen rammte er in gesenkter Haltung dem Mitarbeiter seinen Kopf in die Magengrube. "Ich wusste einfach nicht mehr, was ich da tue", entschuldigte der 40-Jährige sein Verhalten. Verteidiger Michael Linke hob hervor, dass sein Mandant den Geschädigten nicht vorsätzlich habe verletzten wollen.

Für den Beschuldigten sollte sich sein Vorgehen als Eigentor erweisen: Noch Tage später habe er Schmerzen im Genick verspürt. Die - vergleichsweise - marginalen Folgen für das Opfer: kurzzeitige Bauchschmerzen und einige Hämatome am Arm. Dennoch bestand der Geschädigte bei seiner Vernehmung auf die Bestrafung des Angeklagten. "Man greift einen Menschen nicht einfach so an", unterstrich er. Er selbst habe den Beklagten am Tattag als einen "Ehemann in Rage" wahrgenommen und sprach allgemein von einer "komischen Stimmung" zwischen dem Paar.

Dies konnte auch von einem als Zeugen geladenen Polizisten bestätigt werden: "Da gibt es immer wieder mal Reibereien." Die Eheleute bezeichnete er zudem als amtsbekannte Drogenkonsumenten. Der Beschuldigte indes versicherte, seit dem Vorfall "clean" zu sein. Dennoch: 17 Missetaten, die der Bundeszentralregisterauszug des Mannes enthielt, sowie die Aussage seines Bewährungshelfers zeichneten eine negative Sozialprognose. Letzterer wusste unter anderem von auffälligem Alkoholmissbrauch und versäumten Beratungsterminen zu berichten. Sein Fazit: "Es besteht seinerseits ein intensives Missverstehen unserer Gesellschaft."

Eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung kam für Richter Lehmann - auch angesichts zweier noch offener Bewährungsstrafen - nicht mehr in Betracht. "Sie haben sich immer wieder als Bewährungsversager geriert", begründete er sein Urteil.
Mit einer Gesamtfreiheitsstrafe von 23 Monaten blieb der Vorsitzende weitestgehend im Bereich der Forderungen von Staatsanwalt Matthias Jakob und Verteidigung, wobei der Verurteilte noch von einer Strafrahmenverschiebung wegen verminderter Schuldfähigkeit profitierte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Autor

Jürgen Malcher
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
28. 06. 2019
18:30 Uhr

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Jürgen Malcher

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Veröffentlicht am:
28. 06. 2019
18:30 Uhr



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