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Kronach

Den Bauern reicht's

Sie fühlen sich gegängelt und unverstanden: Landwirte aus dem Raum Kronach demonstrieren für mehr Anerkennung. Kritik ernten Verbraucher und Politik gleichermaßen.



Kronach/Gundelsdorf - Etwa 20 Landwirte haben sich am Donnerstag beim Fröschbrunna in Kronach gemeinsam auf ihre Trecker geschwungen - und fuhren dann im Konvoi in Richtung Gundelsdorf, wo sie ein grünes Kreuz aufstellten (siehe Info-Kasten ). Begleitet wurde die Demo von einem Polizeiaufgebot. Hintergrund der Protestaktion: Die Bauern haben es satt. Sie fühlen sich gegängelt, unverstanden und überhaupt nicht wertgeschätzt. Jetzt errichteten sie im Franziskanerweg ein grünes Kreuz und fassten ihre Forderungen in deutliche Worte.

Initiator der Aktion kommt nach Kronach

Grüne Kreuze, die zur Zeit überall auf deutschen Feldern stehen, sollen Mahnmal sein. Sie sollen die Gesellschaft dazu bewegen, sich dem Wert der heimischen Landwirtschaft bewusst zu werden. Sie mahnen gegen die steigende Auflagenflut, überzogene Bürokratie, Dumpingpreise für Produkte, ungebremsten Flächenverbrauch und unfaire Handelspolitik. Sie stehen auch für fruchtbare Böden statt Beton, gesunde statt kranke Pflanzen, düngen nach Bedarf statt nach Frist, heimische Lebensmittel statt Fleisch aus Übersee und für Tiere auf Bauernhöfen. Die ursprüngliche Idee hatte Landwirt "Bauer Willi" aus dem Rheinland. Er wird am 30. Oktober im Schützenhaus über diese Thematik einen Vortrag halten.

 

Schuld ist das Agrarpaket der Bundesregierung. Seitdem gehe in vielen landwirtschaftlichen Betrieben die Angst um. Die Maßnahmen würden massiv in die Eigentumswerte eingreifen, Flächen würden wertlos und könnten nicht mehr für die Nahrungsmittelproduktion genutzt werden. Als Folge davon müsse man Lebensmittel aus dem Ausland importieren. Zeitgleich zur Demo in Kronach gab es in Mainz eine Kundgebung. Die Landesbauernverbände und der Deutsche Bauernverband (DBV) hatten dazu aufgerufen. Hier tagten die Agrarminister und Amtschefs der Länder. Auch eine Kronacher Abordnung folgte diesem Aufruf. Für die Hiergebliebenen war die Aktion des Grünen Kreuzes eine Herzensangelegenheit. Die Landwirte beklagten vor allem die fehlende Wertstellung in der Gesellschaft. Herbert Diller: "Verbraucher, die beim Discounter statt beim Metzger kaufen, haben doch gar keinen Bezug zur Landwirtschaft." Populistisch sei es geworden, der Mainstream stehe vor allem für die Politik im Vordergrund.

 

Es fielen auch harte Worte, die den Frust deutlich machten: "Der Landwirt wird runtergebügelt. Es werden Halb- und Unwahrheiten verbreitet und die bleiben lange in den Medien und im Gedächtnis der Menschen. Klar gibt es auch bei uns schwarze Schafe, aber diese Schlawiner machen nur etwa ein Prozent aller Landwirte aus. Uns werden alle Hilfs- und Spritzmittel verboten, so will man uns - quasi durch die Hintertür - zu Biobetrieben machen. Das kann einfach nicht funktionieren", meinte Andreas Martin.

Auch Peter Heller machte seinem Ärger Luft: "Es werden viel zu viele übereilte Entscheidungen getroffen, die zu wenig durchdacht sind. Gesetze prügelt man durch, ohne Rücksicht auf Verluste und Ausgleichszulagen stellt man infrage." Er mahnte vor allem die Intensivmästung bei argentinischem Rindfleisch an und verwies auf heimische Erzeugnisse. "Das ist doch nur so zart, weil es beim Transport alleine sechs Wochen im Container hängt." Und für die Aufklärung der Bevölkerung, gerade bei Schulkindern, hatte er eine zündende Idee: "Auf mich und andere Landwirte kann man immer zukommen, auf dem Trecker mitfahren und dabei lernen, wie Landwirtschaft wirklich funktioniert." Schon in der Schule müsse man endlich damit anfangen, den Unterricht der Realität anzugleichen.

"Politik sollte rational, nicht emotional sein," wünschte sich Jörg Limmer. Auch er war unzufrieden über die Einmischung der Regierung in alles, was nur im entferntesten mit der Landwirtschaft zu tun habe. "Es gibt nur noch Vorschriften, aber nicht jeder, der einen Goldhamster hat, hat Ahnung von Tieren und nicht jeder, der ein kleines Stück Garten hat, versteht plötzlich auch etwas von Landwirtschaft. Wir sollten nicht den Ideologien hinterherlaufen."

Den "Mäh-Knigge", ein Faltblatt über die tierschonende Mahd beklagte Michael Fischer. "Man wird nur noch gegängelt. Jeder will erzählen, wie man es richtig macht. Als wüssten wir das nicht selbs ..." Einen weiteren Gedanken brachte Jörg Limmer ins Spiel: "Wir Landwirte sind die, die am meisten CO2 speichern. Denkt da auch mal jemand dran? Und dafür bekommen wir nichts, nicht einmal ein Dankeschön."

Autor

Maria Löffler
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Veröffentlicht am:
26. 09. 2019
17:06 Uhr

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Autor

Maria Löffler

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Veröffentlicht am:
26. 09. 2019
17:06 Uhr



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