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Kronach

Den letzten Weg gemeinsam gehen

Der Hospizverein steht Sterbenden und deren Angehörigen beratend und begleitend zur Seite. Dafür kommt nun Unterstützung vom Lions Club Kronach Festung Rosenberg.



Das Team vom Hospizverein Kronach mit (von links) Brigitte Raabgrund, Peter Witton, Anja Männl, Annette Hümmer und Frank Schuberth freute sich über die Spende des Lions Clubs Kronach Festung Rosenberg, die Präsident Hans Joachim Barnickel (rechts) überreichte. Foto: Sabine Raithel  

Kronach - Sterben ist ein Thema, das in unserer modernen Welt, in der alles jung, fröhlich, schön, gesund und voll leistungsfähig sein soll, gerne verdrängt wird. Man macht sich darüber Gedanken, "wenn es irgendwann soweit ist". Und ist es dann soweit, dann sind Betroffene und Angehörige mit ihren Ängsten oft völlig überfordert, sind unsicher und fühlen sich hilflos.

"Viele Menschen wissen heute nicht mehr, wie Sterben funktioniert, was ein Sterbender braucht, und wie sich der Tod ankündigt. Denn in den meisten Fällen findet das Sterben - anders als erhofft - nicht schnell und sanft in den eigenen vier Wänden, sondern vielfach im Rahmen eines langwierigen Prozesses in einer Klinik oder im Senioren- beziehungsweise Pflegeheim statt", sagt Peter Witton, Vorsitzender des Hospizvereins Kronach. Das früher selbstverständliche Wissen über Sterbebegleitung ist schleichend verloren gegangen und damit auch das Zutrauen, als Mensch und als Gesellschaft Sterbenden beistehen zu können.

Um das Thema Sterben, Tod und Trauer wieder stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen, Ängste abzubauen und Grundwissen zu vermitteln, hat der Hospizverein in diesem Jahr einen "Letzte-Hilfe-Kurs" ins Leben gerufen. Der Kurs richtet sich an alle interessierten Laien. In vier Modulen wird Wissen rund um die Themen Vorsorge, Leiden lindern, Abschied nehmen und Sterben vermittelt. "Erste-Hilfe-Kurse vermitteln das Grundwissen, das man braucht, um Menschen in einer akuten Notsituation helfen zu können. In unserem Letzte-Hilfe-Kurs lernt man, was man für Nahestehende am Ende des Lebens tun kann", erklärt Witton. Der nächste Kurs ist für Herbst 2020 geplant.

Der Begriff Hospiz leitet sich vom lateinischen "hospitium" - zu deutsch: Herberge oder auch Gastfreundschaft - ab. Hospizarbeit bedeutet vor allem: Raum schaffen für die Wünsche und Bedürfnisse schwerstkranker und sterbender Menschen. "Die Betreuung Sterbender ist eine überaus anspruchsvolle Aufgabe. Die Arbeit, die Sie hier leisten, ist für die Gesellschaft von unschätzbarem Wert", sagt Hans Joachim Barnickel, Präsident des Lions Clubs Kronach Festung Rosenberg, bei einem Informationsgespräch mit Peter Witton sowie der 2. Vorsitzenden des Hospizvereins, Anja Männl, Schatzmeister Frank Schuberth und den Koordinatorinnen Brigitte Raabgrund und Annette Hümmer. Barnickel überreichte dem Hospizverein eine Spende des Lions Clubs Kronach Festung Rosenberg in Höhe von 1500 Euro.

Der Hospizverein Kronach bietet mit vielfältigen Angeboten ambulante Hilfestellung. Das Rückgrat des Vereins sind rund 40 ausgebildete, ehrenamtlich tätige Sterbebegleiter, die Betroffenen und Angehörigen beratend sowie durch Gespräche und menschliche Nähe zur Seite stehen. Der Hospizverein Kronach bietet selbst Kurse für die Ausbildung zum Sterbegleiter an. Der 1994 gegründete Verein hat 200 Mitglieder und finanziert sich weitgehend durch Spenden.

"Unsere Dienstleistung steht jedem Menschen, unabhängig von der Konfession, zur Verfügung. Wir begleiten Sterbende und deren Angehörige zu Hause. Wir kommen aber auch in die Kliniken und Heime. Unsere psychosoziale Arbeit ist eine sinnvolle Ergänzung zu den Angeboten der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) und den Leistungen des Pflegedienstes", berichtet Anja Männl. "Die Aufgabe der SAPV und der Pflegedienste ist es, Leiden zu lindern und den Patienten medizinisch bestens zu versorgen. Wir kümmern uns um die seelischen Bedürfnisse, um die liebevolle menschliche Zuwendung."

35 Begleitungen hat der Hospizverein im vergangenen Jahr geleistet. Davon dauerten manche nur wenige Stunden, andere bis zu einem Jahr.

Nachdem aufgrund der Vorsichtsmaßnahmen im Rahmen der Corona-Pandemie die Beratungen zurückgefahren worden waren, dürfen aktuell, auf Basis der gesetzlichen Vorgaben, die Begleitungen wieder aufgenommen werden.

Das Angebot für Angehörige und Trauernde ist weit gefächert und reicht von der Trauergruppe bis hin zum offenen Gesprächskreis. Einmal im Monat findet das Treffen der Trauergruppe für Kinder statt. Kinder, die Eltern, Geschwister oder andere wichtige Bezugspersonen verloren haben, können sich mit anderen Kindern, unterstützt durch eine Trauerbegleiterin, austauschen. Kindgerecht kommen kreative Aspekte, gemeinsame Spiele, Musik oder auch das gemeinsame Betrachten geeigneter Filme oder Bücher zum Einsatz.

Parallel zum "Letzte-Hilfe-Kurs" für Erwachsene bietet der Hospizverein Kurse für Schüler an. Das Angebot richtet sich vorzugsweise an die dritten und vierten Jahrgangsstufen. Jeweils zwei ausgebildete Begleiterinnen vermitteln in zweimal zwei Unterrichtseinheiten altersgerecht den Kreislauf von Abschied und Neubeginn und sie spüren der Frage "warum stirbt man?" nach.

Darüber hinaus berät der Verein unter anderem auch in praktischen Dingen, etwa zum Thema Patientenverfügung. Peter Witton schlägt in Zeiten von Corona eine textliche Anpassung vor. "Die Patientenverfügung ist zwar nicht für Akuterkrankungen wie eine Covid-19-Erkrankung gedacht. Um aber Missverständnissen vorzubeugen, ist eine Anpassung an Corona sehr sinnvoll. Wenn eine bereits formulierte Verfügung vorliegt, sollte man diese entsprechend ändern oder, wenn man noch keine hat, diese möglichst bald erstellen", betont der Vorsitzende. Er weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der Hospizverein Kronach hierbei auch telefonische Hilfe anbietet.

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Mehr Infos: ww.hospizverein-kronach.de

Autor

Sabine Raithel
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
02. 06. 2020
13:04 Uhr

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Sabine Raithel

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02. 06. 2020
13:04 Uhr



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