Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Kronach

Denkmal für ein Wunder

Kleinlichtenhain lag auf dem Gebiet der DDR. Die Bürger des Orts lebten aber eigentlich in der Bundesrepublik. Ihrer wird nun gedacht, und zwar in Kleintettau.



Ehrengäste aus Bayern und Thüringen waren bei der Einweihung mit dabei. Foto: Peter Fiedler  

Kleintettau - "Das Grenzdenkmal Kleinlichtenhain soll für alle ein Mahnmal sein, dass sich so eine Episode niemals wiederholen darf", betonte Bürgermeister Peter Ebertsch am Freitag im Rahmen einer Feierstunde zur Einweihung des Mals.

Wachsendes Denkmal

Bürgermeister Peter Ebertsch wies darauf hin, dass das Denkmal noch weiter gestaltet werde. Jeder, der Fotos aus der damaligen Zeit auf diesem Gebiet habe, könne sich bei der Gemeinde gerne melden.


Kleinlichtenhain, in der damaligen DDR gelegen, grenzte bis zum Jahre 1976 an Kleintettau. "Es fühlte sich so an, als sei unser Ortsteil zweigeteilt", so Bürgermeister Peter Ebertsch. Er führte aus, dass, als im März 1962 die Zonengrenze gezogen wurde, man drei Häuser nicht berücksichtigte, die verwaltungsmäßig zu " Kleinlichtenhain in der DDR gehörten. Diese lagen zwischen dem Todesstreifen und der Demarkationslinie. Eine Nacht vor Beginn des Baus der Zonengrenze am 21. März 1962 kamen 17 Volkspolizisten nach Lichtenhain. Sie hatten den Auftrag, die 20 Einwohner des Ortes ins Hinterland zu bringen. 18 Einwohner flüchteten nach Kleintettau. Einzig das Ehepaar Wiegand blieb. "Es war einmalig in der Geschichte, dass Bürger zur damaligen Zeit im Ostgebiet wohnten, jedoch Personalausweise im Westen beantragten und hier auch das Wahlrecht hatten", so der Bürgermeister. Man nannte dies das "Wunder von Kleintettau".

"Sie wohnen in der Zone und trinken im Westen ihr Bier", habe die Bildzeitung damals getitelt, erinnerte der Bürgermeister. Am 1. März 1976 war Schluss damit. Kleinlichtenhain wurde dem Gemeindegebiet Kleintettau zugeschlagen. Zwei der Wohnhäuser mussten nach langem Leerstand abgerissen werden. Niemand hat damals daran gedacht, dass hier einmal die Grenze beseitigt werden würde. Als Zollbeamter habe er die Grenzöffnung miterlebt, die mit vielen Emotionen und Freude verbunden war. Peter Ebertsch erklärte, dass es ihm eine Herzensangelegenheit sei, gerade die nachfolgenden Generationen an diese Zeit zu erinnern.

"Nehmen wir uns die Menschen der damaligen Generation zum Vorbild, die mit großem Mut und Beharrlichkeit gegen Unmenschlichkeit, Unterdrückung und Ungleichbehandlung gekämpft haben", sagte Ebertsch.

Regierungsvizepräsident Thomas Engel meinte, dass man gerade an Orten wie Kleintettau erfahren könne, was die Teilung Deutschlands wirklich für den einzelnen Menschen bedeutet habe. Er wünschte sich, dass möglichst viele kommen, um etwas über diese Geschichte zu erfahren und bedankte sich bei allen, die bei der Entstehung des Denkmals mitgewirkt haben.

"Mir bereitet es Sorge, dass immer mehr meiner Mitbürger das Leben unter Hammer und Sichel in der ehemaligen DDR glorifizieren", sagte der Bürgermeister aus Sonneberg, Heiko Vogt. Für ihn gelte deshalb: "Erinnern, um nicht zu vergessen". Er wies darauf hin, dass Menschen mit der gleichen Identität auseinandergerissen wurden: "Wir haben eine gemeinsame fränkische Geschichte!". Deshalb freue er sich, dass die Kleintettauer mit diesem Denkmal einen Pflock eingerammt haben, der für immer an die schreckliche Grenze erinnert. Er bot seinen fränkischen Kollegen an: "Wir bauen unsere gemeinsame Zukunft Stück für Stück aus".

"Nach 30 Jahren deutsch-deutschen Jahren sind wir noch viel zu weit voneinander weg", meinte Sven Mechtold, Bürgermeister aus Probstzella. Er warb um gegenseitiges Verständnis. Und er stellte klar, dass Werte wie Freiheit und Demokratie nicht selbstverständlich seien.

Die kirchliche Weihe nahmen Hans Kaufmann und Pfarrer Heinz Jentsch vor. Kaufmann hofft, dass dieses Denkmal dazu beitragen wird, Lehren aus der Geschichte zu ziehen. Der Tettauer Bürgermeister bedankte sich bei allen, die einen Beitrag geleistet hatten. Sein besonderer Dank galt zudem der Sparkassenstiftung Ludwigsstadt für einen Zuschuss in Höhe von 4000 Euro sowie der Bürgerstiftung "Unser Markt Tettau" für die Zuwendung in Höhe von 5000 Euro. Musikalisch umrahmt wurde die Feier von der Rennsteigkapelle Kleintettau.

Autor

Peter Fiedler
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
13. 09. 2019
18:14 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bürger Bürgermeister und Oberbürgermeister DDR Denkmäler Emotion und Gefühl Freude Geschichte Häuser Innerdeutsche Grenze Kleintettau Markt Tettau Peter Ebertsch
Kleintettau
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema

15.09.2019

Gemeinsam gegen die One-Man-Show

Die SPD kooperiert mit der neuen Gruppierung „Zukunft Markt Tettau“. Mit jungen Köpfen und frischen Ideen will man gegen Amtsinhaber Peter Ebertsch punkten. » mehr

25.06.2019

Tettau: Streit über Friedhof eskaliert

Im Marktgemeinderat Tettau fliegen zwischen Bürgermeister Ebertsch und Willi Güntsch die Fetzen. Stein des Anstoßes ist die Neugestaltung des Gottesackers. » mehr

12.04.2019

Sonnige Aussichten für das Tropenhaus

Die Staatsregierung investiert 750.000 Euro in die Einrichtung. Die sollen vor allem für Forschung verwendet werden. Weitere 200.000 Euro fließen in den Bau eines Bistros. » mehr

17.04.2019

Neue Teerschicht für Glasmeister Heinz

Die nach ihm benannte Straße in Tettau wird derzeit saniert. Täglich begutachtet Bürgermeister Ebertsch den Fortschritt. » mehr

27.09.2019

Freie Fahrt auf der Ringstraße

In Tettau wird einiges bewegt, freut sich Bürgermeister Peter Ebertsch. Ein weiteres Straßenbau-Projekt ist nun in Schauberg dazugekommen. » mehr

24.09.2019

Ein neuer Treffpunkt für Schauberg?

In dem Ortsteil von Tettau könnte ein Gebäude für die Dorfgemeinschaft entstehen. Ein Objekt dafür hat Bürgermeister Peter Ebertsch bereits im Auge. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

BBC Coburg - Elchingen 63:78

BBC Coburg - Elchingen 63:78 | 13.10.2019 Coburg
» 37 Bilder ansehen

70 Jahre ATSV Kronach

70 Jahre ATSV Kronach | 12.10.2019 Kronach
» 24 Bilder ansehen

Musiknacht in Ebern

Musiknacht in Ebern | 12.10.2019 Ebern
» 9 Bilder ansehen

Autor

Peter Fiedler

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
13. 09. 2019
18:14 Uhr



^