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Kronach

Der Hobbyarchäologe und des Rätsels Lösung

Wie alt ist Kronach? Jünger als gedacht, belegten die Ausgrabungen der Uni Bamberg. Gregor Förtsch machte dann aber 1989 einen weiteren Fund. Was dieser bedeutet, erläuterte er in einem Vortrag.



Blick auf die Ausgrabungsstelle zwischen Friesen und Birkach mit den Steinfundamenten. Foto: 1000 Jahre Kronach  

Kronach - Die Stadt Kronach ist nicht so alt wie bisher angenommen. Die Geschichte Kronachs allerdings ist viel älter als bisher geglaubt. Mit diesen Thesen, die erst einmal nach einem Widerspruch klingen, fesselte Gregor Förtsch kürzlich die auf Einladung des Vereins "1000 Jahre Kronach" erschienenen Besucher im übervollen Vortragsraum des s’Antla. Und die Spannung hielt bis zum Ende seines Vortrags, denn der Referent erklärte die Ergebnisse seiner archäologischen Forschungen Schritt für Schritt und präsentierte entsprechendes Bildmaterial.

Zur Person

Gregor Förtsch aus Stockheim ist Hobbyarchäologe. Seit 35 Jahren ist er ehrenamtlicher Mitarbeiter beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und Mitglied in der Bayerischen Gesellschaft für Archäologie und im CHW. Seit 30 Jahren mit der Aufarbeitung der Kronacher Stadtgeschichte beschäftigt.


Zwei Nachrichten sind es, an die bisher das Alter der Stadt sowie der Festung Rosenberg geknüpft wird, erläuterte Förtsch die Ausgangslage. Die bisher als älteste angesehene Nachricht entstammt der Chronik Bischofs Thietmar von Merseburg, die auf das Jahr 1003 zurückgeht und eine "urbs crana" erwähnt.

Eine zweite Nachricht, die der Lebensgeschichte Bischofs Otto I. von Bamberg entnommen ist, berichtet von einem "steinernen Haus und einem Turm", der bei Kronach erbaut worden sein soll.

Für beide Nachrichten fehlte bisher jegliche Bestätigung durch archäologische Ausgrabungsergebnisse. Um einen Nachweis für das Alter der Stadt zu erhalten, führte die Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Lehrstuhl für das Mittelalter und die Neuzeit, von 1987 bis 2009, in allen Bereichen der oberen Stadt sowie in der Festung Rosenberg umfangreiche archäologische Untersuchungen durch.

Alle Untersuchungen belegen aufgrund der dort geborgenen Fundstücke, dass weder die Stadt Kronach noch die Festung Rosenberg so alt sein können wie bisher angenommen. Die ältesten der überall in der oberen Stadt und im Bereich der Festung geborgenen Fundstücke werden in das späte Mittelalter, beziehungsweise in die Neuzeit, also etwa in das 13. bis 15. Jahrhundert, datiert. Belege für die "urbs crana" sowie das "steinerne Haus" konnten somit hier nirgends festgestellt werden.

Dagegen finden sich, so der Referent, in einer 1989 von ihm entdeckten Siedlung zwischen Friesen und Birkach die gesuchten Objekte. Vielleicht hatte man bisher nur an der falschen Stelle gesucht. Die Siedlung entdeckte der Hobbyarchäologe bei einer routinemäßigen Feldbegehung. Die ältesten dabei aufgelesenen Fundstücke stammen wohl aus dem 8./9. Jahrhundert. Dort, an einem kleinen Pass, kann die "urbs crana" nachgewiesen werden. Bei zwei riesigen steinernen Fundamenten, die zweifellos zu einer Turmburg gehören und in das 12. Jahrhundert datieren, handelt es sich um das von Bischof Otto I. um 1122 erbaute "steinerne Haus und den Turm". Im 12. Jahrhundert muss diese Siedlung eine zentrale Bedeutung für den Bereich des heutigen Landkreises besessen haben.

Die Zeit der Städtegründungen bescherte allerdings der Siedlung das Aus. Der zu einem Markt herangewachsene Ort wurde an einen anderen Platz, etwa drei Kilometer südlich, auf den Sporn des Rosenberges, dem Gelände der heutigen Stadt, verlegt. Den prominenten Namen sowie das Marktrecht nahmen die Bürger mit. Der Referent brachte Belege dafür, dass Kronach tatsächlich eine geplante Stadt ist und nicht, wie bisher angenommen, aus einem Kern, der "urbs crana", entstanden sein kann. Ähnlich verhält es sich mit dem "Steinernen Haus und dem Turm", die nicht der Ursprung der Festung Rosenberg sind. Der Fundplatz liefert allerdings eindeutige Belege dafür, dass es die "urbs crana" tatsächlich gab. Damit kann nun, nachweislich, die Nachricht aus dem Jahr 1003 belegt werden.

Allerdings wird durch den Fundplatz nicht nur die 1000-jährige Nachricht bestätigt. Fundstücke, die in das 8./9. Jahrhundert datieren, belegen auch, dass der Ursprung der Siedlung bis in das Frühmittelalter zurückreicht. In einer Urkunde aus dem Jahr 772 wird erstmals der Name "cranaha" erwähnt. Diesen Namen hatte die Siedlung vom daran vorbei fließenden Gewässer übernommen. Demnach reicht die Geschichte Kronachs nach Auffassung von Förtsch viel weiter zurück als bisher angenommen. Kronach kann folglich im Jahre 2022 auf eine dann 1250-jährige, archäologisch und urkundlich belegbare Geschichte verweisen. Damit gehört Kronach zu den wenigen Städten in Deutschland, die über eine derartig fundierte, durch mehrere wissenschaftliche Disziplinen abgesicherte Geschichte verfügen.

Die amtlichen Untersuchungen der Ausgrabung bei Friesen wurden von der Oberfrankenstiftung, dem Landkreis Kronach und der Stadt Kronach finanziert. Das betreffende Grundstück konnte zwischenzeitlich von der Stadt Kronach erworben werden. Der Referent fand es schade, dass die Fundstücke, die die Geschichte Kronachs belegen, leider nicht in Kronach selbst zu besichtigen sind. Ebenso sei es schade, dass man die geplante Rekonstruktion des steinernen Hauses und des Turms bisher nicht durchgeführt habe.

Dem Applaus der Zuhörer schloss sich Vereinsvorsitzender Manfred Raum gerne an und dankte dem Referenten für den spannenden und aufschlussreichen Geschichtsabend.

Autor

Manfred Raum
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Veröffentlicht am:
22. 11. 2019
17:56 Uhr

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Autor

Manfred Raum

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Veröffentlicht am:
22. 11. 2019
17:56 Uhr



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