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Der Tod kommt auf sechs Beinen

Der Borkenkäfer bereitet auch den Jägern Sorgen. Zudem kämpfen sie in Steinberg mit großen Wildschäden.



Steinberg - Der Jagdgenossenschaft Steinberg bereiten nach wie vor zahlreiche Vier- und Sechs-, aber auch manche Zweibeiner Sorgen. Bei der Jahresversammlung im Gasthaus "Zum Frack" waren 26 Jagdgenossen anwesend, die eine Fläche von 106,21 Hektar bewirtschaften. Michael Fischer ging in seinem letzten Jahresbericht als Vorsitzender auf aktuelle Entwicklungen in den Revieren Steinberg Süd und Nord ein. Zudem gab er einen Überblick über Wegebau- und Instandhaltungsmaßnahmen.

Wahlen ohne Ergebnis

Die turnusmäßigen Neuwahlen für fünf Jahre verliefen ergebnislos, da sich kein Kandidat als Jagdvorsteher fand. Bürgermeisterin Susanne Grebner leitet daher - laut geltendem Jagdgesetz - kommissarisch die Jagdgenossenschaft als Notvorstand. Derzeit laufen Bemühungen, einen neuen Vorstand zu finden. Steinberg Nord hat eine jagdbare Fläche von 360,86 Hektar; Süd von 255,73 Hektar - zusammen 616,59 Hektar.


"Der Tod kommt auf sechs Beinen." Damit sei, so Fischer, der Borkenkäfer gemeint, der den Fichten stark zu schaffen mache. Der Käfer zerstöre das Werk von Generationen. Zudem gestalte sich der Absatz von eingeschlagenem Käferholz schwieriger. "Sollte Mutter Natur uns nicht zur Seite stehen und unsere Landschaft mit ausreichend Wasser versorgen, werden wir den Kampf trotz Maschinen und Kettensägen verlieren", prognostizierte er. Der vom Borkenkäufer angerichtete Schaden sei nicht Wildschaden-ersatzpflichtig. Wäre dies der Fall, könnte man "den Laden dicht machen". 2018 musste die Jagdgenossenschaft Wildschäden bereinigen an der Angerleite, am Weinberg, Gries, im Bärengrund und Steingraben. Die Kosten für beide Reviere betrugen über 1500 Euro. Gemäß Jagdpachtvertrag entfallen 750 Euro auf die Jagdgenossen. Zähle man die festen Ausgaben hinzu, merke man schnell, dass der Pachtschilling für ein Revier schon weg sei. Sein Dank galt den beiden Pächtern und ihren Teams, die dafür sorgten, dass die Schäden so gering wie möglich ausfielen. Wegen des höheren Wildschadens habe man den Wegebau etwas zurückgeschraubt. Der am Bugweg gebaute Wasserdurchlauf funktioniere tadellos. Trotz erhöhter Niederschläge sei der Weg verfestigt. Am Trebesberg wurde die Wasserleitung gebaut.

2019 wurde das alle drei Jahre fällige Verbissgutachten erstellt. Dabei wurde der Verbiss - im Gegensatz zu den Vorjahren - als zu hoch eingestuft. Bei einem gemeinsamen Revier-Begang habe man die Problempunkte aufgesucht und besprochen. Die Jäger haben zugesagt, an einigen Stellen jagdliche Einrichtungen zu erstellen, um dem Wild besser nachzustellen. Klar erkennen könne man die Wachstumsverzögerung im Bereich der Einzäunung. "Durch die extreme Trockenheit, aber auch die Umleitungen am Weinberg und Trebesberg hat sich das Verhalten des Wildes grundlegend geändert", verdeutlichte er. Die Teerstraße auf dem Weinberg zum Gries habe sich zur kleinen Rennstrecke entwickelt; in den Revieren herrsche eine gewisse Unruhe. Dank zollte er allen, die den Altarraum für die 2018 in der Steinberger Kirche abgehaltene Hubertusmesse und den Vorplatz so herrlich ausgestaltet hatten.

Die Zukunft bringe neue Herausforderungen, kursierten doch im Netz Videos mit einem durch Kehlbach streifenden Wolf. In Lehesten wurden angeblich ganze Wolfsrudel mit mehr als 20 Tieren gesichtet; in Hesselbach 2018 angeblich vier Mufflons geschossen. In Belgien sind Fälle der Schweinepest bekannt geworden - von den verschiedenen, die Wälder bedrohenden Käfer ganz zu schweigen. "Die Welt wird globaler", zeigte er sich sicher. Nach zehn Jahren als Vorsitzender sei es für ihn Zeit, Auf Wiedersehen zu sagen. Er dankte für das über diesen Zeitraum in ihn gesetzte Vertrauen. "Es waren nicht immer leichte Zeiten", konstatierte er. Er habe Menschen kennenlernen dürfen, die er anders eingeschätzt habe - positiv wie negativ. Sein Dank galt der guten, verlässlichen Mannschaft hinter ihm.

Schriftführer Günter Romig streifte die Vorkommnisse jagdlicher Art im vergangenen Jahr. Auch er kündigte seinen Rückzug an, nachdem er das Amt seit 1994 und somit seit 25 Jahren ausübt.

Jagdpächter Johannes Neder berichtete für den Jagdbogen Steinberg Süd; Ralf Wilde für Nord. Die Wildschäden seien - so Neder - nicht wegzudiskutieren. Man tue, was man könne, aufhalten könne man es nicht. Den Regelabschuss habe man aus verschiedenen Gründen nicht ganz erfüllen können. Viele Ansitze früh um 5 Uhr seien "für die Katz" gewesen. Ein großes Problem stelle das Hundereißen dar. Hier appellierte er an das Verantwortungsbewusstsein der Tierhalter. Jegliches Verständnis fehle ihm dafür, gerissene Tiere qualvoll verenden zu lassen, ohne sich darum zu kümmern und dies zu melden. Seinen Worten schloss sich Wilde an. Der Hund könne nichts dafür; liege der Jagdtrieb doch in seiner Natur. Den Abschuss habe man mehr oder weniger erfüllt.

Bei einer Gegenstimme beschloss man, den Reinertrag aus der Jagdnutzung erneut für den Wegebau zu verwenden. Erste Priorität hat weiterhin die Beseitigung von Wildschäden. Wilhelmsthals Bürgermeisterin Susanne Grebner würdigte das Engagement der Jagdgenossen und dankte für die Verwendung des Jagdschillings. Die Gemeinde sei dankbar, dass die Jagdgenossen ihre Wege so gut in Schuss hielten. Für die Kommune wäre dies in dieser Form finanziell nicht zu schultern. Ihr großer Dank galt dem scheidenden Jagdvorsteher Michael Fischer, der sein Amt zehn Jahre lang mit sehr großem Einsatz ausgeübt habe.

Forstanwärterin Paulina Schmidt ging in ihrem Bericht über Aktuelles vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten insbesondere auf die Borkenkäfer-Problematik ein. Die Population an Borkenkäfern drohe zu explodieren, nachdem die Bäume auf Grund des trockenen Vorjahres massiv geschwächt seien. Durch das fehlende Baumharz mangele es den Bäumen an Abwehrstoffen. Stetige Kontrolle durch die Waldbesitzer sei erforderlich. hs

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Heike Schülein
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Veröffentlicht am:
13. 08. 2019
14:12 Uhr

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Autor

Heike Schülein

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Veröffentlicht am:
13. 08. 2019
14:12 Uhr



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