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Kronach

Der lange Weg mit der Diagnose "positiv"

Bis zum 21. November ist eine Ausstellung über HIV in Kronach zu sehen. Sie gibt Einblick in die Gefühlswelt Betroffener.



Bei einem Rundgang informierten (von links) Hedwig Krutsch (Präventionsstelle), Helmut Weiß (Gesundheitsamt/HIV-Beratung), Andrea Hahn (Gesundheitsregion Plus) und Stefan Studtrucker (Helios Frankenwaldklinik) über Inhalte und Intentionen der Ausstellung "Der lange Weg". Foto: Heike Schülein  

Kronach - "Heute habe ich erfahren, dass ich HIV-positiv bin. Der Schock sitzt tief. Ich habe den Eindruck, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Muss ich bald sterben?" Elf lebensgroße Figuren in Gelb, Orange, Grün und Rot ziehen seit Montag im Foyer der Helios Frankenwaldklinik in Kronach Blicke auf sich. Sie sind Teil der Ausstellung "Der lange Weg" und stehen für die unterschiedlichen Phasen der Diagnose "HIV-positiv".

Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts haben sich 2017 in Bayern rund 340 Menschen neu infiziert. Insgesamt lebten in Bayern Ende 2017 rund 9300 Männer und 2400 Frauen mit dem Virus: Doch nur wenige Menschen wissen, wie HIV-Positive leben. "Aus Angst vor Ausgrenzung wollen viele Betroffene - gerade in unserem ländlichen Raum - solange es geht, anonym bleiben", sagt Hedwig Krutsch von der Präventionsstelle am Landratsamt. Damit bleiben HIV und Aids für viele weitgehend unsichtbar. Dem tritt die Ausstellung "Der lange Weg" entgegen, die von der Präventionsstelle in Kooperation mit der "Gesundheitsregion plus" nach Kronach geholt wurde. Hintergrund ist eine Kampagne des bayerischen Gesundheitsministeriums über sexuell übertragbare Krankheiten.

"Heute kann man mit HIV alt werden, wenn die Infektion rechtzeitig erkannt und behandelt wird", erklärt Helmut Weiß, Sachgebietsleiter am Gesundheitsamt Kronach. Dies gelte jedoch nur für Länder mit gut ausgebautem Gesundheitssystem und Zugänglichkeit zu den erforderlichen Medikamenten wie Deutschland. In afrikanischen Ländern dagegen seien rund zehn Mal so viele Menschen mit HIV infiziert, doch der Hälfte von ihnen stehen keine Medikamente zur Verfügung. Dort sei die Sterberate entsprechend hoch. Viele Menschen mit einer sexuell übertragbaren Krankheit wüssten nicht, dass diese ansteckend sind; vergingen doch zwischen einer Infektion und der Diagnose beim Arzt häufig Jahre. Freiwillige Selbsttests seien also wichtig, betont Weiß. Sie werden am Gesundheitsamt anonym und kostenfrei angeboten, auch für Menschen ohne Krankenversicherung.

Die Ausstellung "Der lange Weg" gibt Einblicke in die seelische Situation eines HIV-Infizierten, schildert Gefühle und Gedanken - mit dem Ziel, Vorurteile abzubauen und Gedanken an den eigenen Schutz vor einer HIV-Infektion zu stärken, überhaupt die Themen HIV und Aids wieder in Erinnerung zu bringen.

Über Texte sowie Sinnbilder verdeutlicht sie, wie viel Kraft und Hilfe es bedarf, sich mit Einschränkungen abzufinden, mit Ängsten leben zu lernen, sich anderen Menschen anzuvertrauen und wieder Freude am Leben zu finden. So wie an der letzten Station: "Mein Leben ist wieder mein Leben: Ich habe eine Form gefunden, in der ich mich ganz fühle. Es war eine schwere Zeit, aber jetzt lebe ich wieder, und ich lebe gern."

Die Ausstellung kann bis 21. November besichtigt werden. Sie wird vom Bayerischen Zentrum für Prävention und Gesundheitsförderung kostenlos zur Verfügung gestellt.

Autor

Heike Schülein
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
13. 11. 2019
17:18 Uhr

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Heike Schülein

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Veröffentlicht am:
13. 11. 2019
17:18 Uhr



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