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Kronach

Die Bauern stehen zusammen

Dem VlF-Vorsitzenden graut es angesichts gesellschaftlicher Entwicklungen vor der Zukunft. Ist Hanf die Lösung? Auch hier gibt es Licht und Schatten.



Der VlF ehrte verdiente Mitglieder und freute sich über eine abgeschlossene Ausbildung zum Landwirt. Das Bild zeigt (von links) Gerd Zehnter, Bernd Steger, Reinhard Kortschack, Bernadette Schilling, Reiner Wittmann, Erwin Schwarz, Florian Backer, Sabrina Schwemmlein und Günter Heinlein. Foto: Maria Löffler  

Gehülz - Gerd Zehnter, der Vorsitzende des Verbandes für landwirtschaftliche Fachbildung (VlF), holte erst einmal ganz tief Luft, bevor er an der Hauptversammlung vor das Publikum trat. Er schwankte zwischen Zuversicht und Verzweiflung, denn die "turbulenten Zeiten" machten ihm zu schaffen. "Es gibt Probleme in allen Bereichen der Gesellschaft."

Ehrungen

Das silberne Verbandsabzeichen erhielten Reiner Wittmann und Bernadette Schilling. Sie wurden vor allem für die Nachwuchsausbildung und für ein ausgeprägtes ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Florian Backer bekam Glückwünsche für den Abschluss seiner Ausbildung als Landwirt.


"Gewerkschaften, Kirchen, Parteien, Vereine, Verbände und die ganze Demokratie sind in Bedrängnis. Sie alle leiden unter Kostendruck und unter Fake News. Die Tagesschau guckt nur noch die Generation ‚50 plus’." Allerdings wollte er nicht nur schwarzmalen und sah schon den Hoffnungsschimmer am Horizont: "Es gibt vier Mega-Trends", holte er aus und bezog sich dabei auf den Vortrag der "Mut-Botschafterin" Anne Körkel am Landfrauentag (die NP berichtete). Kurz umriss er Begriffe wie "Individualisierung", die "Silver Society", "Konnektivität" und "Neo-Ökologie" und erklärte, was das für Landwirte bedeute. Denn auch die stünden vor den größten Herausforderungen: "Klimawandel, Naturschutz, Düngeverordnung, Tierwohl und der Kampf um Respekt und Anerkennung. Unsere Zukunft müssen wir mitgestalten, sonst tun es andere für uns."

Mit Günter Heinlein wurde aus einem kommissarischen Geschäftsführer ein tatsächlicher Geschäftsführer. Und der hatte blitzschnell und pfeilgenau erkannt: "Der VlF lebt." Sein Streifzug durch das abgelaufene Jahr führte ihn vom Dreikönigsball über Pflanzenbauabende bis hin zu Familienausflügen. Und noch eine Tatsache glaubte er, erkannt zu haben: "Die Frauengruppe liebt Süßes." Die nämlich hätten ihre Exkursionen in eine Bäckerei und in eine Konfiserie verlegt.

Den größten Raum nahmen am Abend der Hauptversammlung allerdings zwei Vorträge über Hanfanbau ein. Heinlein stellte aber vorher klar: "Es geht um Nutz- und Industriehanf und die Auswirkungen auf die Landwirtschaft." Und so kam es, dass die Zuhörer erfuhren, wie aus dem "Erdbeer-Bayer" ein "Hanf-Joe" geworden sei. Josef Bayer kam mit Hanf in Berührung, weil er medizinisches Cannabis vom Arzt verschrieben bekommen habe gegen seine Krankheit. "Im Oktober und November 2017 fing es an, in mir zu brennen, ich wollte irgend etwas mit Hanf machen." Also wurde aus ihm der "Hanf-Joe" und das Landratsamt sah sich mit seiner Absicht konfrontiert, Hanf zum Selberpflücken für Gewerbetreibende anzubauen. Die erforderlichen Genehmigungen seien gar nicht das Problem gewesen, meinte er. Vielmehr hätten ihm Diebstähle, Anzeigen und Ermittlungen der Coburger Staatsanwaltschaft das Thema Hanf fast total madiggemacht. Damit wäre er jetzt durch, die Anklagen wurden niedergeschlagen, und im nächsten Satz schon zauberte er ein Bild von Köchen, Bäckern und Metzgern, die bei ihm den Hanf gepflückt hätten. "Sie sind angerückt mit Scheren, Balkenmähern, Heckenscheren und Motorsensen." Ein totaler Hype sei entstanden um den Hanf ... anfangs. Viele Kunden seien ihm allerdings weggebrochen, weil er sich teilweise in einer Grauzone bewegt habe und negative Schlagzeilen ihm das Leben schwer gemacht hätten. "Rechtlich ist das alles noch sehr, sehr unsicher." Viel weniger Probleme habe Bayer dagegen mit der Aussaat, dem Wachstum und der Ernte gehabt. Seine Bilder vom "Dschungel-Hanf" mit rund fünf Meter hohen Pflanzen sorgten für Erstaunen. "Hanf ist das Einfachste, das man anbauen kann. Ich habe komplett auf Pflanzenschutz und Dünger verzichtet." Was daraus alles entstand, fasste er so zusammen: "Tee, Öl, Pesto, Bier, Burger-Soßen, Sorbets ... Es gibt unendlich viele Nutzungsmöglichkeiten."

Auf der gleichen Schiene wie Bayer reist auch Uwe Gremer aus Wolfersgrün. Bekannt wurde er mit dem "Frankenwald Hanf Shop", und auch er ist ein glühender Anhänger dieses Gewächses. Ginge es nach Gremer, so würde er dem Hanf wahrscheinlich einen Orden verleihen. "Er hilft vor allem gegen starke Schmerzen und lindert Erkrankungen, und er macht viele Medikamente überflüssig." Klar hatte er hatte auch gleich mal eine Kostprobe mitgebracht. Das Duftspektrum reiche von Zitrus, Eukalyptus, Pinien- und Minznoten bis hin zu beerigen Aromen.

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Maria Löffler
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Veröffentlicht am:
07. 02. 2020
17:40 Uhr

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Maria Löffler

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Veröffentlicht am:
07. 02. 2020
17:40 Uhr



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