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Kronach

Die Freiheit der inneren Weite

Die "Kronacher Klassik Akademie" begeistert mit drei großen sinfonischen Dichtungen. Dabei gibt die die 14-jährige Pianistin Youwei Liu ein großartiges Debüt.



Die Kronacher Klassik Akademie und die erst 14-jährige Pianistin Youwei Liu aus Coburg begeisterten das Publikum in der Kronacher Maximilian-von-Welsch-Schule. Foto: Peter Müller  

Kronach - Jetzt wollte es der musikalische Leiter des großen Sinfonieorchesters der "Kronacher Klassik Akademie" (KKA) aber wissen. Statt mit einem Höhepunkt, wartete er am Samstag in der lichten Maximilian-von-Welsch-Realschule mit gleich drei Highlights der Musikliteratur auf. Drei sinfonische Dichtungen, davon eine in einem Klavierkonzert verpackt, hatten die engagierten Musiker zwischen 16 und 75 Jahren, die sich zum gemeinsamen Musizieren zusammengefunden hatten, erarbeitet, von denen jede als Krönung eines Sinfoniekonzerts begrüßt worden wäre.

Aber zu Ehren der untrennbaren Geschwister Kunst und Demokratie drängten sich die drei Werke dem musikalischen Leiter Guido Mürmann regelrecht auf. Denn alle drei Komponisten - Jean Sibelius, Edvard Grieg, Antonin Dvorak - waren Teil der Befreiungsbewegungen ihrer Nationen. Sie begründeten für ihre Länder auf der Suche nach einer authentischen Identität eine eigene Nationalmusik, die die Einflüsse der herrschenden Mode überwand und auf den eigenen Tonfall zurückgriff. In den Befreiungskriegen gegen die KuK-Monarchie und in den Freiheitsbewegungen Skandinaviens wurden dank der Kunst keine neuen Grenzen gezogen, sondern die Menschen öffneten sich dem Neuen, erlebten Freiheit der inneren Weite. Die Tonsprache der drei herausragenden Komponisten machten sich ihre Landsleute zu eigen und ihre Schöpfer zu Nationalhelden.

Die Tondichtung "Finlandia" von Jean Sibelius setzte bereits die Maßstäbe für die hohe Qualität der 84 Musiker, die Guido Mürmann in nur wenigen Wochen zu einer gefühlvollen, werkbewussten und reaktionsschnellen Einheit geformt hatte. Das mächtig strahlende Blech und die Pauken des Eingangs wechselten mit zarten melodischen Holzbläsern, zu denen die Streicher Harmonien des ersehnten Friedens beifügten. Nach den gewaltigen Tongemälden der Unterjochung und Befreiung folgten strahlende Bilder freudiger Sieger und ausgelassener Volksfeste. Ein ruhiger Choral der Holzbläser steigerte sich mit der Kraft der Streicher zu einem Hymnus, der ein Gefühl der Erhabenheit und wohlige Gänsehaut vermittelte.

Frech und selbstbewusst begann das Konzert für Klavier und Orchester des an Beethoven geschulten Edvard Grieg. Mit einem Paukenschlag setzte das Klavier ohne Vorwarnung im Orchester ein. Bereits im "Allegro molto moderato" zeigte die 14-jährige Youwei Liu aus Coburg ihre Schulung durch Klavierprofessorin Alla Schatz. Mit sicherem, mächtigem Anschlag meisterte sie die Ansprüche der effektvollen und eigenwilligen Komposition des jungen Grieg. Zugleich ließ sie in den melodiösen Nebenthemen und variationsreichen Umspielungen des ostinaten Hauptthemas die Finger federleicht und zart über die Tasten gleiten. Nach tänzerischer Freude folgte ein weiter Rundblick auf die friedliche Landschaft. Eine virtuose Kadenz leitete zum Finale des Satzes, bei dem der Solist das letzte Wort hatte. Liebliche Romantik mit sonoren, tiefen Saiten und Waldhorn beherrschte das Adagio. Das Klavier mischte sich vital und verspielt ein, wurde drängender und riss alle mit zu einem triumphalen Abschluss. Eine schmerzhaft schöne Melodie beherrschte das finale "Allegro moderato molto e marchato", bevor Griegs Tonmalerei einen herrlichen Ausblick auf das Land und die Leute Norwegens eröffnet, in dem Feen und Gnome ihre Späße treiben.

Mit großer Kunstfertigkeit und Spielfreude nahm sich Youwei Liu der eigentümlichen Klänge der Volksgeige an, die Grieg auf das Klavier übertragen hatte. Freudig ging es zwischen Orchester und Solo voran, bis in einem genialen Blick auf das bewältigte Ganze eine erhabene Melodie beide strahlend triumphieren ließ. Im Wechselspiel mit der Solistin zeigten sich die punktgenaue Präsenz, Achtsamkeit und Geschlossenheit des großen Orchesters. Der Jubel um die junge Solistin führte zu einer Liebeserklärung an das Publikum mit einer Zugabe von Franz Liszt.

Antonín Dvorák hatte bereits die Freiheitsbewegungen Tschechiens musikalisch überhöht. Mit seiner neunten Sinfonie "aus der neuen Welt" sollte er Gleiches für die USA tun. Mit den in der Fremde empfundenen Melodien der böhmischen Heimat und den Eindrücken der Weite, Vielfalt und Ursprünglichkeit Nordamerikas schuf er eine Tondichtung, die gleichwertig dem verehrten und zitierten Indianer-Epos von Hiawatha (Longfellow) mit ihren epischen Schilderungen, wilden Charakterszenen und sehnsuchtsvoll verträumten Melodien ein romantisches verklärtes Bild einer "neuen Welt" vorstellte. Der offene Schluss hielt alle Fragen offen.

Autor

Peter Müller
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
30. 09. 2019
17:50 Uhr

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Peter Müller

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Veröffentlicht am:
30. 09. 2019
17:50 Uhr



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