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Kronach

Die Grenze zieht sich durch den Garten

Mehr als 150 Fotos von Schwärzdorf finden sich neben geschichtlichen Informationen im neuen Buch von Friedrich Bürger. Und spannende Details.



Rudolf und Angelika Bauersachs haben eine Nachbildung eines DDR-Grenzpfostens mit den Farben Schwarz-Rot-Gold und einer nachgefertigten DDR-Plakette herstellen und diesen am Originalschauplatz aufstellen lassen: auf ehemaligem DDR-Gebiet in ihrem Garten. Foto: Friedrich Bürger  

Schwärzdorf - Im Zentrum des Buchs "Schwärzdorf in Bildern" stehen die Einwohner selbst, die sich bei einem "Fotoshooting" vor dem "Gemaahaus" versammelten und für ein Gruppenbild posierten. Da allerdings nicht jeder Lust oder Zeit hatte, besuchte Hobbyfotograf Friedrich Bürger auch noch das eine oder andere Domizil, wobei ein Schnappschuss beim Kochen, beim Holzspalten oder beim Kartenspiel im Wirtshaus gelang.

Eine Führung von Ute Schäfer durch den biodynamischen Demeterhof wurde ebenfalls im Bild festgehalten. Der jüngste Schwärzdorfer Louie Dötschel, gerade mal ein paar Tage alt, ließ sich beim Familienfoto nicht aus der Ruhe bringen. Lebhafter ging es im Schaf- und Ziegenstall von Silke und Falko Schnabel mit ihren 100 Schafen und 20 Ziegen zu. Natürlich wurde auch die Auszeichnung der Schwärzdorfer auf Bezirksebene des Wettbewerbs "Unser Dorf soll schöner werden" dokumentiert.

Einige Archivbilder, von Herta Wächter zur Verfügung gestellt, illustrieren die teils spektakulären Aktionen der Schwärzdorfer "Lechtstum"-Damen zu Ostern beziehungsweise zur Erntezeit. Diese bereichern das Gemeindeleben neben der rührigen Feuerwehr, die alljährlich das Dorffest zu Himmelfahrt ausrichtet.

Im historischen Teil des Buches wurden unter anderem Fotos aus der "Dorfchronik" von Karl-Heinrich Bauer aufgenommen. Professor Karl Heinrich Bauer (1890-1978), Chirurg, Gründer des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg, Ehrenbürger von Mitwitz, gilt als der berühmte Sohn Schwärzdorfs. Sein Geburtshaus, ein auffälliges Fachwerk-Bauernhaus, steht in der Dorfmitte. Neben der Dorf-Bilderchronik, die er 1947 der Gemeinde übergeben hatte, stiftete er 1953 für das Spritzenhaus eine Glocke. In seinen "Einsichten und Erinnerungen", ein aufschlussreicher Text, der im Buch nachzulesen ist, gibt er einen Rückblick auf das Schwärzdorf der Jahrhundertwende und seine Kindheit um 1900: "Unser aller Heimat war letztlich das Dorf. Speziell mein Geburtsort Schwärzdorf, Bezirk Kronach, war in meinem Geburtsjahr noch ein reines Bauerndorf: 16 Gehöfte, ein paar Handwerker, kein Kaufladen, keine Schule, keine Kirche. Nur ein Gehöft genau in der Mitte des Dorfes hatte ein kleines Sonderrecht, das Brau-, Brenn- und Gastrecht: Es ist mein Vaterhaus." Damals mussten die Schwärzdorfer Kinder noch zu Fuß in das drei Kilometer entfernte Pfarrdorf Mitwitz laufen, um die Volksschule neben der Jakobskirche besuchen zu können. Als 1912 das Neundorfer Schulhaus eingeweiht wurde, endeten die oft beschwerlichen Fußmärsche.

Aufnahmen vom Landschaftsschutzgebiet "Schwärzdorfer (Mitwitzer) Wustungen" sind im Buch ebenso abgebildet wie die kulturhistorisch einmaligen Wustungen, die eine Besonderheit in der Siedlungsgeschichte der Region darstellen. Obwohl man über die Entstehung dieser Einzelgehöfte bisher nichts weiß, ist der Zusammenhang mit der nahen Grenze zu Thüringen offensichtlich. Überhaupt nimmt die Grenzlage und die historische Grenzöffnung zwischen Schwärzdorf und Sichelreuth breiten Raum in dem Heimatbuch ein. Auch Rosa Sachs, die Schwärzdorfer Mundartdichterin, ist in Bild und Text festgehalten. Ihr Gedicht "An der Grenz" beginnt mit den Zeilen: " A azichs moll noch in mein Le-im (Leben) mücht ich auf Sichelreuth". Heute, rund 30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, ist von der menschenverachtenden Grenze kaum noch etwas zu erkennen, sie wandelt sich zunehmend zu einem "Grünen Band".

Durch den Garten der Familie Bauersachs in der Reuterswustung bei Schwärzdorf verläuft auch heute noch die innerdeutsche Grenzlinie. Der historische Grenzstein aus dem Jahr 1845 macht den Verlauf sicht- bar. Was die wenigsten wissen: Die Grenzlinie zwischen der DDR und der Bundesrepublik war durch diese Grenzsteine markiert, dagegen waren die Grenzanlagen wie Gitterzäune, Minenfeld, KfZ-Sperrgraben, Kolonnenweg und Signalzaun ausschließlich auf DDR-Gebiet installiert. Angelika und Rudolf Bauersachs konnten, wenn sie gewollt hätten, zumindest ein paar Meter gefahrlos die Grenze überschreiten. Fast paradox mutet es an, dass man sich zum Beispiel bei Gartenarbeiten mit dem einem Fuß auf DDR-Gebiet und mit dem anderen Fuß auf westdeutschem Gebiet befinden konnte. Etwas Besonderes haben sich die beiden Anrainer zum Andenken an die Grenzöffnung vor 30 Jahren einfallen lassen. Sie haben sich eine Nachbildung eines DDR-Grenzpfostens mit den Farben Schwarz-Rot-Gold und einer nachgefertigten DDR-Plakette originalgetreu herstellen und diesen am Originalschauplatz aufstellen lassen, also auf ehemaligen DDR-Gebiet in ihrem Garten. Allerdings, so versichert Rudolf Bauersachs schmunzelnd, sei das dazu benötigte Stückchen Erde schon lange in Familienbesitz übergegangen. fb

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Für 12 Euro kann der Bildband bei Friedrich Bürger bestellt werden, Telefon 09266/8514, E-Mail friedrich.buerger-mitwitz@t-online.de.

Autor

Friedrich Bürger
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Veröffentlicht am:
13. 05. 2019
18:04 Uhr

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13. 05. 2019
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