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Kronach

Die Kämpfer für die Arbeitnehmer-Rechte

Die KAB Steinberg wurde vor 115 Jahren gegründet. Das Jubiläum feierte sie mit einem Gottesdienst und einem Frühschoppen. Einen Wermutstropfen gibt es jedoch.



Ein imposantes Bild bot die Kirchenparade zum Auftakt des KAB-Jubiläums in Steinberg. Fotos: Heike Schülein   » zu den Bildern

Steinberg - Ein schönes Bild bot sich am Sonntagmorgen, als der Jubelverein zu festlichen Klängen des Musikvereins Steinberg mit den Fahnenabordnungen seiner KAB-Patenvereine, örtlicher Vereine und Kirchengremien sowie Vertretern des KAB-Kreisverbands und der Kommunalpolitik zur TSV-Sportanlage zog.

Von revolutionärer Sprengkraft

Dem Festakt voraus ging ein von Pater Waldemar Brysch zelebrierter Festgottesdienst. Bei Gründung der KAB sei die Arbeit aus christlicher Sicht ein Fluch gewesen, sagte er. Die KAB setze sich für Menschenwürde am Arbeitsplatz ein, damit Arbeit vom Fluch zum Segen werden könne. In seiner Predigt zog er Parallelen vom "Hase und Igel"-Märchen zur heutigen Arbeitswelt. Auch der moderne Mensch strample sich oft in der Arbeit ab und komme trotz aller Anstrengungen nicht rechtzeitig an, bis er zusammenbreche. "Der Hase stirbt, weil er nicht stehenbleibt und nicht schaut, was um ihn herum passiert", erklärte er und betonte, dass jeder Unterbrechungen aus dem Hamsterrad brauche. Der freie Sonntag als heilsame Unterbrechung sei daher von geradezu revolutionärer Sprengkraft.

Den Verantwortlichen des Ortsverbands dankte er, dass sie so viel Gutes verträten. Nachdem man eine Zeit lang nicht gewusst hatte, ob es weitergehe, habe sich ein Leitungsteam zusammengefunden. "Jeder hat seine Aufgabe und es läuft super", freute er sich.


In seiner Ansprache in der schön geschmückten Sporthalle gab Günter Romig, der mit Veronika Deuerling und Robert Sesselmann das Leitungsteam der KAB Steinberg bildet, einen Abriss der wechselvollen Geschichte des Ortsverbands. Gegründet wurde er am 25. Dezember 1904 als Katholischer Arbeiterverein Steinberg durch Pfarrer Michael Gößmann. Aufzeichnungen und Bücher aus der Gründerzeit und danach gingen während der Zeit des Nationalsozialismus verloren. Die Fahne wurde während des Zweiten Weltkrieges in der Kirche versteckt und konnte so gerettet werden. Nachdem der Arbeiterverein 1934 vollständig verboten worden war, erfolgte 1947 die Wiedergründung.

Am 1. Mai 1970 fand das erste Bezirkstreffen des Katholischen Werkvolks in Steinberg statt. Weitere Großkundgebungen folgten 1979, 1997 und 2004. Namhafte Redner konnten gewonnen werden, darunter auch Staatsminister. Zum regen Vereinsleben zählten Vorträge, Familienabende mit Theatervorführungen, der Josefstag mit Generalkommunion, Feiern des Fronleichnamsfestes mit Darbietungen, Tänzen, einem Fußballspiel, Stabrennen sowie Musik- und Gesangseinlagen. Später wurden Flaschensammlungen durchgeführt. Von 1986 bis 1990 lud der KAB-Ortsverband Kinder, Jugendliche sowie jung gebliebene Väter zu Wochenend-Zeltlagern in Bug ein. Unvergesslich bleiben die Feld-Gottesdienste mit Pater Josef Unger. An den jeweiligen Sonntagen wurde ein Familiennachmittag abgehalten.

Heute sind insbesondere die Tagesfahrten der Renner, zusammengestellt von einem ehemaligen Routinier und chauffiert von einem KAB-Mitglied. Die nächste findet am 19. Oktober in den Raum Würzburg statt. "Es wäre schlecht, wenn das alles in unserer Vereinsgeschichte gewesen wäre. KAB steht für Solidarität mit den Schwachen in unserer Gesellschaft", verdeutlichte Romig, der auch KAB-Kreisvorsitzender ist. Große Anliegen sind dem Ortsverband faire Löhne, die Anpassung des Mindestlohns, die Verhinderung von Altersarmut sowie der Schutz des arbeitsfreien Sonntags. Man wolle Ehrlichkeit und ein gutes menschliches Betriebsklima an den Arbeitsplätzen. Die Veränderungen durch die Digitalisierung und ökologische Herausforderungen gelte es zu beobachten.

"Vieles wurde schon geschafft in den 170 Jahren, in denen es die KAB gibt, und es wird sich auch in Zukunft viel bewegen", zeigte sich Romig sicher. Es müssten nur mehr Menschen den Weg zum Verband finden, um auch weiterhin die Stimme in Gesellschaft, Politik, Kirche und Arbeitswelt erheben und die Interessen der Arbeitnehmer vertreten zu können. Mit "wir wissen nicht, ob wir das 120-jährige Bestehen erleben", bedauerte er die mangelnde Bereitschaft zur Übernahme eines Amtes. 2020 startet die KAB eine Mitgliederwerbung. So blicke man trotzdem optimistisch in die Zukunft - mit einem engagierten Präses Pater Waldemar, einer tollen Vorstandschaft sowie treuen Mitgliedern. Die Festredner würdigten die Arbeit des Ortsverbands. Leider wüssten junge Leute nicht, wofür die KAB stehe, bedauerte Bürgermeisterin und KAB-Mitglied Susanne Grebner. Errungenschaften, wofür die KAB lange Jahre vehement gekämpft habe, würden als selbstverständlich erachtet. Obwohl man vieles erreicht habe, gebe es nach wie vor Strukturen, die nicht sozial seien. "Die KAB wird weiterhin dringend gebraucht", betonte sie.

Glückwünsche der Patenvereine entboten die Vorsitzenden Reinhold Dietrich aus Wilhelmsthal und Friedrich Jakob aus Friesen, der als stellvertretender Kreisvorsitzender auch Glückwünsche des Kreisverbands übermittelte. Beide würdigten den festen Platz des Ortsverbands im kirchlichen und gesellschaftlichen Leben Steinbergs. "Viele Geschichten gäbe es zu berichten", sagte KAB-Ehrenmitglied Heinz Hausmann, der an große Kundgebungen mit hochkarätigen Festrednern in vollen Festzelten erinnerte. Für viele gesellschaftspolitische Verbesserungen habe man Impulse eingebracht, worauf man stolz sein könne.

Das Fest wurde begleitet vom Musikverein Steinberg, der den Festzug anführte, den Festgottesdienst umrahmte sowie beim Frühschoppen aufspielte.

Autor

Heike Schülein
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Veröffentlicht am:
02. 09. 2019
17:28 Uhr

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Heike Schülein

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Veröffentlicht am:
02. 09. 2019
17:28 Uhr



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