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Kronach

Dokumentation jüdischer Schicksale

Von Mikwe, Laubhütte und Synagoge: Heinz Köhler hat die Spuren jüdischen Lebens in Mitwitz in einem Buch zusammengetragen.



Freuen sich über das Buch "Aus der Geschichte der Juden in Mitwitz" von Heinz Köhler (von links): Bürgermeister Oliver Plewa, Matthias Rudolph, Friedrich Bürger, Ulrike Rudolph-Wagner sowie der Autor Heinz Köhler selbst. Foto: Nicole Julien-Mann  

Mitwitz - Es gab tatsächlich Zeiten in Deutschland, in denen Christen und Juden einträchtig miteinander und nebeneinander gelebt haben. So etwa im 19. Jahrhundert in der Marktgemeinde Mitwitz. Die Kronacher Straße war damals gesäumt mit Häusern, die in jüdischem Besitz standen. Die Familien waren Viehhändler, Korbmacher oder Hausierer. Es gab eine Synagoge und eine öffentliche Mikwe, die auch heute noch existiert, im Gewölbekeller des sogenannten Zapfenhauses.

Wo es das Buch gibt

Das Buch "Aus der Geschichte der Judenin Mitwitz" ist im Rathaus in Mitwitz erhältlich. Als Heft kostet es 5 Euro, mit festem Einband 9 Euro. Heinz Köhler hat der Marktgemeinde die erste Auflage gespendet. Diese will den Erlös aus der Schutzgebühr für die Dokumentation jüdischen Lebens in Mitwitz verwenden.


Viele Details und Informationen zeugen vom jüdischen Erbe, aber sie versteckten sich bisher verstreut in Archiven, Lehensbüchern oder standesamtlichen Nachrichten. Diese Versatzstücke zusammenzutragen war Sisyphusarbeit. Der Mitwitzer Ehrenbürger und ehemalige Kronacher Landrat Heinz Köhler hat sich dieser Herausforderung gestellt. Ein halbes Jahr lang las er sich durch die Dokumente, entzifferte die Sütterlinschrift, studierte die Katasterunterlagen, stellte Zusammenhänge her. Heraus kam das Kompendium "Aus der Geschichte der Juden in Mitwitz". Dafür gibt es Lob von Bürgermeister Oliver Plewa, der das Buch als "wichtiges Zeugnis jüdischen Lebens in Mitwitz" bezeichnet. Auch Chronist Friedrich Bürger zieht seinen Hut: "Chapeau kann ich da nur sagen!" Er war nicht unbeteiligt am Werk, steuerte die Fotos bei und gestaltete die Titelseite.

Gewidmet hat Heinz Köhler das Buch dem mittlerweile verstorbenen Mitwitzer Arzt Dr. Siegfried Rudolph. Er habe das jüdische Leben in Mitwitz zur Sprache gebracht, erklärt der Autor, deshalb wolle er ihm mit seinem Büchlein ein kleines Denkmal setzen. Dessen Nachkommen, die Familien Rudolph und Rudolph-Wagner, freuen sich über die posthume Ehrung. Sohn Matthias Rudolph erinnert sich: "Oft genug hat er uns alle eingespannt und wir mussten mit Bürsten Moos von alten Grabsteinen schrubben." Sein Vater Siegfried war als junger Mann Stabsarzt in der Wehrmacht. Die Beschäftigung mit dem jüdischen Erbe sei wohl so etwas wie eine persönliche Art der Wiedergutmachung gewesen, mutmaßen Matthias Rudolph und seine Schwester Ulrike Rudolph-Wagner.

Über 300 Jahre war Mitwitz eine jüdisch geprägte Gemeinde, wie Köhler herausstellt. Seine Nachforschungen beschränkte er auf das 19. Jahrhundert, in dessen Mitte die Juden langsam aus der Gemeinde abwanderten. Der letzte Jude war David Bamberger, der seinen Heimatort 1897 verließ.

In überschaubaren Kapiteln zeichnet Köhler die Geschichte der Juden in Mitwitz nach. Er berichtet über die fränkischen "Schutzjuden", die ihre Sicherheit oft teuer bezahlen mussten, er erforscht die Erwerbsquellen und das religiöse Leben. Besonders berührend sind die Stellen, bei denen konkrete Schicksale lebendig werden. Denn auf einige Familien geht er detailliert ein und zeichnet deren Lebenswege nach - ein Weg, der für vier Mitwitzer leider in deutschen Konzentrationslagern endete.

In den letzten "jüdischen" Jahren in Mitwitz scheint das Verhältnis nicht schlecht gewesen zu sein - bis auf einige Scharmützel mit dem evangelischen Pfarrer Hellmuth. Der verlangte rückwirkend das Neujahrsgeld für entgangene Einkünfte anlässlich Taufen, Trauungen oder Beerdigungen.

Apropos Konflikte: Er hätte gehört, dass Juden auch im Wirtshaus beim "Karten" aktiv gewesen seien, erkundigte sich Bürgermeister Oliver Plewa. Darüber wisse Heinz Köhler zwar nichts, aber in der Marktgemeinde sei er nun dennoch der "profunde Kenner der jüdischen Geschichte",wie ihm Friedrich Bürger bescheinigt. Einige Details werden wohl mit der Zeit noch ans Licht kommen. Wie etwa die kürzlich entdeckte Laubhütte im Zapfenhaus. Die hat es leider nicht mehr in das Buch geschafft.

Autor

Nicole Julien-Mann
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
14. 10. 2020
16:46 Uhr

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Nicole Julien-Mann

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Veröffentlicht am:
14. 10. 2020
16:46 Uhr



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