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Kronach

Drogen im Landkreis auf dem Vormarsch

"Es ist erschreckend, was bei uns in Oberfranken in Bezug auf Drogen los ist. Bei uns ist nicht heile Welt."



Kronach - Dies erklärte Kriminaloberkommissar und Drogenpräventionsbeamter Matthias Lange beim Kreisausschuss Kronach im Bayerischen Beamtenbund (BBB). Einstiegsdrogen seien demnach oft Alkohol und Tabak. "Dabei braucht man keine Drogen, um Spaß zu haben", unterstrich Matthias Lange. "Das Leben bietet so viele Möglichkeiten, es mit klarem Kopf zu genießen." Jeder Mensch möchte eigenverantwortlich handeln. Dies gehe aber verloren, wenn jemand süchtig ist: Im Laufe der Sucht würden die Lebensziele verschwinden. Dies müsse man gerade jungen Menschen deutlich vor Augen führen.

Vorbild für die Kinder

"Wir sind immer Vorbild für unsere Kinder. So wie wir Alkohol und Tabak konsumieren oder auch am Handy hängen - die Kinder folgen uns", warnte Matthias Lange. Dabei finde Sucht in erster Linie im Hirn statt. Es werden Botenstoffe ausgestoßen, Glückshormone wie Dopamin, Endorphin, Adrenalin, Serotonin. Junge Menschen konsumierten vor allem das erste Mal Drogen aus Neugier, Gruppenzwang, wegen Problemen oder einfach aus Langeweile. Nach dem Probieren beginne bald eine Abhängigkeit. Mittlerweile gebe es eine Unmenge an Substanzen, die berauschend wirken, so der Experte. Sie seien einfach verfügbar. Dabei würden die Konsumenten immer jünger. Cannabis etwa, inzwischen zu medizinischen Zwecken erlaubt, habe bis zu 500 Wirkstoffe, nur 80 seien davon erforscht. "Bei den restlichen 420 wissen wir gar nicht, was sie bewirken", äußerte sich Lange kritisch. Die beiden wichtigsten Inhaltsstoffe seien THC und CBD. Durch Züchtung und Genmanipulation hätten sich beide Inhaltsstoffe bei Cannabis extrem verändert. "Vergangenes Jahr wurde in Coburg Cannabis sichergestellt, dass zu 49 Prozent THC enthielt und nur knapp ein Prozent CBD. Eine extreme Veränderung."

Eine gefährliche Droge mit extremen Suchtpotenzial sei Methamphetamin, das als "Crystal" leider allzu oft sprachlich verharmlost werde. Vor nicht langer Zeit habe man 1,2 Kilogramm davon bei Marktrodach sichergestellt. Der Einkaufspreis hätte zwischen 20 000 und 30 000 Euro betragen. "Ein Gramm werden dann für 60 bis 120 Euro verkauft. Hier um die Ecke. 0,1 Gramm reichen für einen extremen Rausch", so Lange.

Erschreckend seien auch die Legal Highs. Allein der Begriff suggeriere Harmlosigkeit. Dazu gehören "Kräutermischungen", "Badesalz" und Research Chemicals. Bei den "Kräutermischungen" werde einfach Chemie "draufgeträufelt", die Kräuter selbst hätten keinerlei Wirkung. Kräutermischung wirkten in etwa zehn Mal stärker als Cannabis. Jeder Konsum sei ein Spiel mit dem Tod.

Wie Lange betonte, habe jede Sucht Folgen. Sie sei nicht nur belastend für den Süchtigen selbst, sondern auch für Familie und Freunde. Nicht nur, dass Drogen viel Geld kosten, es ändere sich auch der Freundeskreis, ein Leistungsabfall in Schule oder Beruf sei programmiert. Verwahrlosung und Isolation drohten in vielen Fällen. Die Symptome seien aber sehr individuell. BBB-Kreisausschussvorsitzender Franz-Josef Wich dankte zum Abschluss für den aufrüttelten Vortrag. rg

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Rainer Glissnik
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Veröffentlicht am:
15. 05. 2019
18:20 Uhr

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Rainer Glissnik

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15. 05. 2019
18:20 Uhr



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